Bundesliga

Deniz Aytekin über Geisterspiele: "Zuschauer pushen auch uns"

Bundesliga-Referee äußert sich über die aktuelle Corona-Krise

Schiedsrichter Aytekin über Geisterspiel-Atmosphäre: "Zuschauer pushen uns auch"

Kommt inzwischen bereits auf 175 Bundesliga-Einsätze: Schiedsrichter Deniz Aytekin.

Kommt inzwischen bereits auf 175 Bundesliga-Einsätze: Schiedsrichter Deniz Aytekin. imago images

175 Bundesliga-Einsätze, 74 geleitete Partien im deutschen Unterhaus, 25 Vergleiche im DFB-Pokal oder 19 Champions-League-Duelle - Deniz Aytekin hat schon einige Fußballspiele hautnah erlebt. Und der in Nürnberg geborene und im fränkischen Oberasbach lebende Referee hat schon oft durchgegriffen: Allein 633-mal ist von ihm in der Bundesliga schon die Gelbe Karte gezückt worden, dazu gesellen sich 20 Gelb-Rote Karten wie 14 Rote sowie 52 verhängte Elfmeter.

Kurzum: Aytekin hat schon viel mitgemacht in diesem Sport. Man könnte meinen, dass den 41-Jährigen nichts mehr überrascht. Doch dem ist nicht so, besonders die aktuelle Corona-Krise hält auch für den hocherfahrenen Mann einiges Neues parat.

Verbesserte Konzentration bei Stille im Rund?

So werden er und sein Gespann in diesen Zeiten erst kurzfristig eingeteilt - so geschehen am vergangenen Samstag, als das Ruhrpott-Derby zwischen Dortmund und Schalke (4:0) auf der Agenda stand. "Mir hat das Gepusht-Werden von den Rängen schon komplett gefehlt", blickte Aytekin nun im "Aktuellen Sportstudio" des "ZDF" zurück auf seinen persönlich schon zweiten Geisterspiel-Auftritt im dieses Mal leeren und eigentlich doch mit über 80.000 Fans gefüllten Signal-Iduna-Park. "Über nun schon viele Jahre ist man es gewohnt, dass man Emotionen erlebt und sogar Fans persönlich kennt, die man vielleicht zuvor immer mal begrüßt hat. Ich hatte beim Derby am letzten Wochenende Pulswerte, die extrem niedrig waren." Mit Humor hängte er an: "Jetzt weiß ich zwar nicht, ob es daran liegt, dass ich besonders gut trainiert habe ... aber sicherlich hat etwas gefehlt."

Die besondere Kulisse mache die Pfeiferei dem gesamten Gespann trotz vermeintlich besserer Konzentration bei Stille zudem nicht einfacher, "denn Zuschauer pushen auch uns. Und wenn die Fans fehlen, dann stehen auch wir anderen Herausforderungen gegenüber und müssen uns im Vorfeld ganz besonders darauf einstellen."

Deniz Aytekin und sein Schiedsrichtergespann präsentiert sich in Dortmund.

Schiedsrichter und Team: Deniz Aytekin und sein Gespann präsentiert sich im Dortmunder Signal-Iduna-Park. imago images

Im Gespräch mit dem kicker vor einer Woche nach dem Revierderby zwischen BVB und S04 hatte Aytekin, der zudem schon das erste Corona-Geisterspiel der Bundesliga-Historie vor der Zwangspause zwischen Gladbach und Köln geleitet hatte, offen gesprochen und zugegeben: "Ohne Zuschauer ist es für uns nicht einfacher und wirklich beängstigend. Ebenfalls ein Satz von ihm: Irgendwie hat es mit Fußball nichts zu tun."

"Wir haben uns auf alles gut vorbereitet"

Darüber hinaus teilte der seit 2011 als FIFA-Referee eingesetzte Unparteiische im "ZDF" ausgiebig wie detailliert mit, wie sehr der Tagesablauf in diesen Zeiten verändert abläuft. Stichwort Testreihen, Stichwort Anfahrt, Stichwort Mund-und-Nasen-Schutz, Stichwort Abstandsregelungen. Alles sei aber bestens angenommen worden und ohnehin von DFL, DFB und den Medizinern sowie Chefs im Schiedsrichterwesen gut ausgearbeitet gewesen, was alles sehr erleichtern würde.

"Wir haben uns - genau wie die Spieler auch - auf alles gut vorbereitet und ebenfalls im Vorfeld zwei Testreihen absolviert", so Aytekin. "Der Vorteil für uns ist aber sicherlich gewesen, wenn man zurückblickt auf unser erstes Geisterspiel in Gladbach, dass wir als Schiedsrichtergespann acht Wochen Vorsprung gehabt haben und anders sensibilisiert sind eventuell. Dennoch muss ich auch sagen, dass das im Derby von beiden Teams vorbildlich abgelaufen ist. Sie haben sich top verhalten, das muss ich wirklich nochmals herausstellen."

Mehr Emotionen unter den Spielern? "Wir sind gut vorbereitet"

Abschließend wagte Aytekin noch einen Blick nach vorn - und speziell darauf, dass sich die Emotionen in diversen Spielen in den nächsten Wochen noch hochschaukeln dürften: "Ich glaube, dass sich alle Beteiligten an die neuen Bedingungen gewöhnen werden. Doch natürlich geht es letztlich sportlich um die Meisterschaft, um internationale Plätze, gegen den Abstieg. Deswegen denke ich, dass es umkämpfter wird und Mannschaften emotionaler agieren werden. Wir als Schiedsrichter sind auf jeden Fall gut vorbereitet."

mag

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