Amateure

Schiedsrichter kommt nicht: B-Jugend-Spiel endet 40:35

Kuriose Protestaktion im Jugendfußball

Schiedsrichter kommt nicht: B-Jugend-Spiel in Lübeck endet 40:35

Da fehlt doch wer: Die B-Jugend-Teams von Phönix Lübeck und dem ATSV Stockelsdorf II mussten kürzlich ohne Schiedsrichter spielen.

Da fehlt doch wer: Die B-Jugend-Teams von Phönix Lübeck und dem ATSV Stockelsdorf II mussten kürzlich ohne Schiedsrichter spielen. imago images/Beautiful Sports

Die Geschichte, die das Portal "HL-Sports" aufgeschrieben hat, ist es wert, bundesweit erzählt zu werden, wirft es doch ein Schlaglicht auf so manch aktuelles Problem im Amateurfußball: Angefangen hat es damit, dass der angesetzte Schiedsrichter Samstagmittag zur Sportanlage an der Travemünder Allee fuhr und feststellte, dass da gar keine Teams bereit standen. Warum auch, er hatte sich getäuscht, die Partie war erst für Sonntag angesetzt. An diesem Tag aber hatte der eingeteilte Unparteiische selbst einen Einsatz als aktiver Fußballer. Ein Ersatzschiedsrichter war auf die Schnelle nicht zu bekommen; Schiedsrichtermangel - ein bundesweit immer größer werdendes Problem.

Absagen? Geht nicht, denn wenn eine Mannschaft nicht antritt, zieht das automatisch eine Strafe nach sich. Darüber hinaus ist der jeweilige Heimverein dafür zuständig, für eine neutrale Spielleitung zu sorgen. Um keine Strafe zu riskieren, gingen die B-Jugend-Teams von Phönix Lübeck und dem ATSV Stockelsdorf II also auf den Platz. Ohne offiziellen Schiedsrichter, da keiner der anwesenden Zuschauer - überwiegend Eltern der Spieler - aufgrund jüngster Gewaltausbrüche im örtlichen Amateurfußball bereit war, an die Pfeife zu gehen. 20 Minuten vor dem Ende stand es dann 15:3 für die Gastgeber, aber so richtig wohl fühlte sich keine der beiden Mannschaften. Also stellten die Abwehrreihen die Arbeit ein, Tore fielen am Fließband, heraus kam ein 40:35.

Wie "HL-Sports" nach Rückfrage bei beiden Vereinen erfuhr, sei es ein Protest gegen mangelnde Flexibilität in den Statuten gewesen: Die Spielordnung erlaube es nämlich nicht, dass zwei Mannschaften in gegenseitigem Einvernehmen kurzfristig ein Spiel auf einen anderen Termin verlegen.

Von Verbandsseite haben beide Mannschaften offenbar wenig zu befürchten, schließlich wurde das Spiel ordnungsgemäß beendet. Einzig der Spielbericht soll nicht vollkommen korrekt ausgefüllt worden sein, deswegen könnte der Verband womöglich noch mit einer Sanktion ums Eck kommen. Auch der Verein des am falschen Tag zum Sportgelände angereisten Schiedsrichters könnte noch Post vom Verband bekommen.

stw

Düstere Zahlen: Die DFB-Mitgliederstatistik 2021