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Schicker über Höjlund-Wechsel: "In diesem Transfersommer kein Thema"

Sturms Geschäftsführer Sport im Interview

Schicker über Höjlund-Wechsel: "In diesem Transfersommer kein Thema"

Seit 2020 Geschäftsführer Sport bei Sturm: Andreas Schicker.

Seit 2020 Geschäftsführer Sport bei Sturm: Andreas Schicker. GEPA pictures

Herr Schicker, der SK Sturm Graz hat am vergangenen Wochenende Serienmeister Salzburg mit 2:1 besiegt. Inwieweit waren Sie von der starken Leistung der Mannschaft in dieser frühen Phase der Saison überrascht?

Wir haben in der Vorbereitung gewusst, dass wir schon zu Beginn der Saison ein gutes Fitnesslevel brauchen werden und das nicht zu sehr nach hinten verlagern sollten, wie wir es vielleicht im Frühjahr gemacht haben. Da ist die Steuerung eher Richtung Meistergruppe gegangen. Natürlich war es sehr erfreulich, dass wir nach dem nicht so guten Auftritt gegen den WAC eine derart starke Reaktion gezeigt haben. Wir waren sehr präsent und haben Salzburg über weite Strecken dominiert - und das, obwohl Salzburg am Punkt war. Es war nicht so wie in der Vergangenheit, als direkt danach vielleicht ein wichtiges internationales Spiel oder das Cup-Finale angestanden ist. Daher war dieser Sieg sehr erfreulich. Der Trainer hat die Jungs perfekt eingestellt und man hat gesehen, welches Potential in dieser Truppe steckt. Denn der eine oder andere Spieler hat sogar noch gefehlt.

CL-Qualifikation - 3. Runde

Ist Dynamo Kiew stärker einzuschätzen als Salzburg?

Es ist nicht angebracht, irgendwelche Vergleiche zu ziehen. Fakt ist, dass Salzburg und Dynamo Kiew in der Regel klar über uns zu stellen sind. Ich habe sie zweimal live beobachtet, einmal in Lodz und einmal in Istanbul. Ich habe dort eine Mannschaft gesehen, die physisch unheimlich stark ist und über sehr viel Geschwindigkeit in ihren Reihen verfügt. Zudem hat Kiew sehr robuste Verteidiger und alle Spieler sind technisch sehr gut ausgebildet. Sie agieren als Mannschaft in allen Bereichen des Spielfelds sehr kompakt - ein Topteam also. Wir brauchen definitiv wieder so einen guten Tag wie gegen Salzburg, damit für uns etwas möglich ist.

Am Freitag verlor Kiew ein Freundschaftsspiel bei Everton mit 0:3, die Meisterschaft soll - trotz des Krieges - am 23. August beginnen. Kann das für Sturm zum Vorteil werden?

Ich sehe das für uns keinesfalls als Vorteil. Wir hatten - da nehme ich den Cup jetzt nicht dazu - auch erst zwei Pflichtspiele. Kiew hat zweimal gegen Fenerbahce gespielt, wir zweimal in der Meisterschaft. Ich sehe das sogar eher als Vorteil für Kiew, weil sie einen normalen Wochenrhythmus haben. Sie haben am vergangenen Mittwoch gegen Fenerbahce gespielt und treffen nun am Mittwoch auf uns. Wir hatten vor diesem Aufeinandertreffen hingegen ein richtig intensives Spiel am Wochenende.

Eine namhaftere Mannschaft würde vielleicht dazu neigen, uns aufgrund der noch stärkeren Einzelspieler zu unterschätzen.

Andreas Schicker über das Los Dynamo Kiew

Sturm hätte in der dritten Runde der Champions-League-Qualifikation auch auf Benfica Lissabon, PSV Eindhoven, die Glasgow Rangers oder eben Fenerbahce treffen können. Wie froh sind Sie über das Los Kiew?

Es ist meiner Meinung nach nicht angebracht, darüber zu urteilen, welche von diesen Mannschaften besser oder schlechter ist. Alle sind über uns zu stellen. Da Kiew als Mannschaft unheimlich stark auftritt, macht das die Sache für uns vielleicht sogar schwieriger. Eine namhaftere Mannschaft würde vielleicht dazu neigen, uns aufgrund der noch stärkeren Einzelspieler zu unterschätzen. Kiew ist aber als Mannschaft sehr geschlossen. Deswegen haben sie auch Fenerbahce besiegt.

Ein Weiterkommen gegen Kiew würde mindestens fünf zusätzliche Millionen Euro in die Kassen des SK Sturm spülen. Wie wichtig ist Ihnen bei all der Vorfreude aus sportlicher Sicht auch dieser Aspekt?

Wir haben in den vergangenen zwei Jahren schon gemerkt, dass dir das Planungssicherheit gibt. Wir budgetieren nie mit dem internationalen Geschäft, weil das für einen Verein einfach nicht gesund ist. Heuer war es so, dass wir im Sommer auf Kontinuität gesetzt haben und wir keinen Leistungsträger verlieren wollten. Bis jetzt ist uns das sehr gut gelungen. Da hat uns natürlich auch in die Karten gespielt, dass wir definitiv in einer Gruppenphase stehen, aber auch, dass wir wirtschaftliche Sicherheit hatten. Alles, was jetzt noch hinzukommt, ist für uns ein richtig guter Bonus. Da können wir auf einem super wirtschaftlichen Niveau weiterarbeiten. Wir haben als gesamter Verein einen richtig guten Schritt gemacht.

Die kicker-Elf des 2. Spieltags

Inwieweit hilft das Geld aus dem internationalen Geschäft dabei, sich hinter Salzburg als Nummer zwei des Landes zu positionieren?

Es ist definitiv zu früh, das zu beurteilen. Man erkennt in Graz seit zwei Jahren eine klare Idee - sowohl was den Fußball als auch was das Scouting anbelangt. Wir schauen auf uns und werden uns von anderen nicht abbringen lassen. Die Liga ist insgesamt um einiges stärker geworden. Viele Vereine in Österreich haben Transfers getätigt und die Qualität ist dadurch eine höhere. Für uns ist Fakt, dass wir eine klare Philosophie haben und diese verfolgen wollen.

Stichwort Transfers: Einiges an Geld dürfte es angesichts seiner Leistungen auch bei einem Verkauf von Rasmus Höjlund geben. Gibt es für ihn derzeit konkrete Anfragen?

Natürlich merke ich, dass immer wieder Interesse da ist. Es liegt aber nichts Konkretes am Tisch, weil das für uns auch absolut kein Thema ist. Rasmus' Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen. Graz ist derzeit der ideale Platz für ihn. Daher beschäftige ich mich nicht viel mit diesen Sachen. Das weiß man auch. Mir geht es nicht um irgendwelche Ablösesummen. Meine Pflicht als Sportdirektor ist, den Zeitpunkt für einen Transfer zu erkennen. Das ist bei Rasmus noch nicht der Fall und wird in diesem Transfersommer kein Thema sein.

Können Sie einen Transfer in diesem Sommer definitiv ausschließen?

Wir haben Riesenziele als Verein und darum ist es wichtig, dass er uns auf diesem Weg noch begleitet. Seine Entwicklung ist einfach noch nicht abgeschlossen. Man wird dann sehen, was die Zukunft bringt.

In der Kampfmannschaft halten wir insbesondere in der Sturmspitze noch die Augen offen.

Andreas Schicker über weitere Transfers in diesem Sommer

Der Kader des SK Sturm scheint sowohl in der Breite als auch in der Spitze gut bestückt. Wird der Verein überhaupt noch einmal auf dem Transfermarkt aktiv werden?

Das Fenster ist noch viel zu lange geöffnet, um die Transferaktivitäten für beendet zu erklären. Auf uns wartet ein heißer August. Wir sind mit Sturm II aufgestiegen und benötigen auch dort viel Qualität. Wir sehen, dass die 2. Liga für viele Spieler genau die richtige Plattform ist. In der Kampfmannschaft halten wir insbesondere in der Sturmspitze noch die Augen offen. 

Für die Innenverteidigung war Dominik Baumgartner immer wieder Thema. Sehen Sie auch auf dieser Position noch Nachholbedarf?

Es ist kein Geheimnis, dass wir an "Baumi" sehr interessiert waren. Das hat sich auch nicht geändert. Er ist für mich einer der Top-Innenverteidiger Österreichs. Es war so, dass wir auf dieser Position Handlungsbedarf gesehen haben und dann mit Dominik Oroz sehr schnell einen Spieler verpflichtet haben. Wir haben da sehr rasch geschaltet und eine gute Lösung gefunden. Ich will aber nicht ausschließen, dass es bei "Baumi" noch klappt. Wir werden sehen, was in diesem Sommer oder sonst in weiterer Zukunft passieren wird.

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