Bundesliga

Scharfe Kritik: Mislintat stellt VAR in Frage

VfB-Sportdirektor nach Bayern-Spiel sauer

Scharfe Kritik: Mislintat stellt VAR in Frage

Sieht den VfB gegen Bayern um einen Punkt gebracht: Sven Mislintat.

Sieht den VfB gegen Bayern um einen Punkt gebracht: Sven Mislintat. imago images

Tanguy Coulibaly zog Bayern-Keeper Manuel Neuer in der 39. Minute kurz am Arm und ließ gleich wieder los, doch das reichte Schiedsrichter Harm Osmers, um beim durch den VAR angestoßenen Videostudium den folgenden Treffer zu annullieren. "Vor dem Bildschirm kann man den Krafteinsatz von Tanguy nicht einschätzen. Man kann nicht bewerten, wie sehr er gezogen hat", hatte VfB-Coach Matarazzo bereits am Samstag kritisiert. "Manuel Neuer war schon auf dem Weg nach unten, bevor er überhaupt berührt wurde. Das ist kein Foul, das man pfeifen muss. Für mich wäre es ein ganz normales Tor gewesen." Es hätte Stuttgart gegen Bayern mit 2:1 in Führung gebracht.

"Es gibt keinen klareren Handelfmeter"

Stattdessen geriet der VfB in Rückstand - und fühlt sich auch um ein mögliches Remis gebracht; zumindest wenn es nach Sven Mislintat geht. Als Orel Mangala in der 72. Minute aus kurzer Entfernung aufs Bayern-Tor zielte und dabei den sich wegdrehenden Niklas Süle an der Hand traf, lag für den Sportdirektor ein klares Handspiel vor.

"Es gibt keinen klareren Handelfmeter. Die Hand verhindert einen Torschuss mit gefühlt 100 km/h. Auch wenn Manuel Neuer den Ball halten kann, ist das eine klare Verhinderung einer Torchance", findet Mislintat. Dass sich der Bayern-Verteidiger weggedreht, aber nicht rechtzeitig die Finger aus der Flugbahn bekommen hat, lässt der Erzürnte nicht gelten. "Ob das Absicht ist oder nicht: Die Hand war nicht angelegt, sie war leicht weg vom Körper."

Doch der Pfiff blieb aus und der Ärger groß, weil sich die Stuttgarter nicht zum ersten Mal ungerecht bewertet fühlen. "Ich kann leider nicht mehr folgen, wie das die Schiedsrichter erklären." Mislintat glaubt "nicht, dass eine absichtliche Benachteiligung vorliegt, sondern, dass es einfach falsch bewertet wurde".

"Dann müssen wir überlegen, ob wir den VAR wirklich brauchen"

Doch das passiert für seinen Geschmack mittlerweile zu oft. Süles vermeintliches Handspiel sei "das eindeutige Beispiel, dass die Prinzipien, die wir haben, denen wir folgen, nicht greifen". Viele Regeln müssten "stringent formuliert werden. Vieles, wie zum Beispiel die Vergrößerung der Körperfläche, ist nicht genau definiert oder mit Beispielen konkret dargelegt." Die Regelhüter des IFAB arbeiten bereits an einer Anpassung.

Es müsse dringend gehandelt und im Fall der Fälle sogar die Uhr zurückgedreht werden, so Mislintat. Wenn nämlich keine genauen Definitionen gefunden würden, müsse man sich eben "überlegen, ob wir den VAR wirklich brauchen". Des Sportchefs Verbesserungsvorschlag: "Man sollte mehr nach dem Prinzip verfahren, was aus so einer Situation resultiert wäre, wenn keine Hand im Spiel gewesen wäre - nämlich ein Tor. Das wäre ein guter Ansatz."

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George Moissidis

Bilder zur Partie VfB Stuttgart - Bayern München