Bundesliga

Schalkes Personal-Rochade - und warum Wagner "nicht reden" will

S04 präsentiert neue sportliche Leitung

Schalkes Personal-Rochade - und warum Wagner "nicht reden" will

(Mal wieder) ein neues Gesicht auf Schalke: Trainer David Wagner.

(Mal wieder) ein neues Gesicht auf Schalke: Trainer David Wagner. imago images

"Es ist mir nicht wichtig, was die Leute sagen, wenn ich komme. Mir ist wichtig, was sie sagen, wenn ich irgendwann gehe!" Diese Worte von David Wagner, gefallen während seiner Vorstellung in der Mannschaftskabine des S04 (und angelehnt an den ähnlich lautenden Spruch seines Kumpels Jürgen Klopp), bringen das Vorhaben des neuen Schalke-Trainers auf den Punkt. Der 47-Jährige will bei den arg ins Straucheln geratenen Königsblauen etwas bewegen - nicht mit Worten wohlgemerkt, so eloquent er damit auch umzugehen weiß, sondern mit Taten.

Dass der erste Eindruck dennoch gut ausfiel, dürfte Wagner nicht stören. Im Gegenteil, erleichtert es ihm doch die Arbeit. Und davon wartet viel auf den Fußballlehrer, der sich bis 2022 an den Bundesligisten gebunden hat.

Neun TV-Kameras und ein Dutzend Fotografen empfingen Wagner bei seiner offiziellen Präsentation in der Schalker Arena. Ihr Fokus war klar auf ihn gerichtet, obwohl Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider die Möglichkeit nutzte, um gleich zwei weitere Personalien vorzustellen: Doch sowohl Ex-Profi Sascha Riether, der Schalke als Koordinator der Lizenzspielerabteilung erhalten bleibt, als auch der neue Technische Direktor Michael Reschke gerieten zu Nebenfiguren.

Wagners Witz zum Auftakt: "Einige von euch sind scheiße alt geworden"

Was dem Duo nicht einmal Unrecht gewesen sein dürfte. Riether ist ein Neuling in seinem Job. Reschke dagegen ein Routinier, der nach den unschönen Erfahrungen auf seiner vorherigen Station in Stuttgart bewusst aus der öffentlichen Rolle in den Hintergrund zurücktritt. Sie überließen Wagner nach kurzen Vorstellungsworten das Feld - und der wusste es zu nutzen.

"Glück auf auch von meiner Seite. Einige von euch sind scheiße alt geworden" - mit diesen derben Worten und einem breiten Grinsen eröffnete er seine Ausführungen und hatte damit gleich die Lacher der Journalisten auf seiner Seite, die ihn teils noch als Mitglieder der Schalker Eurofighter-Mannschaft von 1997 kannten. Auch Wagner - der Teint gebräunt, der Bart graumeliert, das Hemd aufgeknöpft - ist seitdem älter geworden.

Als Trainer verdiente er sich Meriten bei der U 23 des BVB, vor allem aber während seines England-Engagements bei Huddersfield Town. Als Wagner den damaligen Zweitligisten übernahm, darbte der Klub dahin. Doch der Deutsche mit US-Wurzeln führte Huddersfield sensationell in die Premier League und schaffte Jahr darauf mindestens genauso sensationell den Klassenerhalt. Dieser Erfolg, der durch Wagners vorzeitiges Aus zu Beginn dieses Jahres kaum geschmälert wurde, katapultierte ihn letztlich ins Blickfeld der Schalker, die sich durch ihn eine sportliche und emotionale Wiederbelegung erhoffen.

Schneiders Gründe, warum Wagner neuer Schalke-Trainer ist

"David Wagners Fußball ist nach vorne gerichtet. Dazu hat er eine offene Art und kann - im sprichwörtlichen Sinne - den Laden anzünden und Menschen begeistern", beschrieb Schneider die Gründe, die für Wagners Verpflichtung gesprochen hatten. Und: "Ihm ist es bislang immer gelungen, Mannschaften zu formen und Spieler zu entwickeln, sie besser zu machen." Gerade angesichts der begrenzten Schalker Finanzmittel eine nicht zu vernachlässigende Qualität.

Wagners Idee von Fußball, die der von Ralf Rangnick und Klopp nicht unähnlich ist, bringt jedenfalls alles mit, um auf Schalke anzukommen: Er setzt auf viele intensive Läufe und Sprints, fordert totale Fitness und Hingabe seiner Profis ein und will seine Mannschaft aktiv agieren sehen. Kein Wunder also, dass die Vokabeln Mannschaftsführung und Disziplin häufiger fielen bei seiner Vorstellung, mangelte es in der Vorsaison doch unter anderem genau daran.

Um das künftig zu ändern, setzt Wagner auf seine Überzeugungskraft: "Du kannst nur einfordern, was du selbst gibst. Du musst Verlässlichkeit ausstrahlen. Es geht für uns im Trainerteam deshalb erst einmal darum, zu geben. Es ist wichtig, zu malochen und zu zeigen, was Sache ist. Nicht zu reden", setzte Wagner den Ton, der bei dem als durchaus schwierig geltenden Schalker Kader verfangen soll.

Das neue Personal - selbst ein Sportpsychologe ist dabei

Neben Riether, der mindestens bis 2021 als Bindeglied zwischen Mannschaft, Trainerteam und Management fungieren soll und ein Büro im Profi-Trakt bezieht, und Reschke, der primär für die Kaderplanung und das Scouting verantwortlich ist, soll Wagner gleich von einer Vielzahl weiterer neuer Kräfte bei der Umsetzung seiner Ziele unterstützt werden: Als Co-Trainer fungieren künftig Wagners Vertrauter Christoph Bühler (vormals Huddersfield), Frank Fröhling, der unter anderem als Assistent von Markus Gisdol bei Hoffenheim und in Hamburg arbeitete, sowie Matthias Kreutzer, der bereits unter Huub Stevens zum Schalker Trainerstab gehört hatte. Als neuen Integrationsbeauftragten verpflichtete der S04 vom VfB Stuttgart Massimo Mariotti, der in Dortmund bereits als Co-Trainer von Wagner gearbeitet hatte. Außerdem verstärkt der Sportpsychologe Sascha Lense (vormals Dynamo Dresden) Wagners Staff.

Gerald Asamoah rückt dagegen wieder auf seinen Posten als Team-Manager der U 23, die künftig einen höheren Stellenwert im Klub genießen soll. Für Mike Büskens, der unter Stevens als Assistent arbeitete, wird noch nach einer neuen Verwendung gesucht, er soll den Königsblauen erhalten bleiben. Als Assistent von Schneider stößt René Grotus aus Leipzig nach Schalke, der Axel Schuster als Senior Direktor Profifußball beerbt. Der Vertrag mit dem Vertrauten des vorherigen Sportvorstands Christian Heidel wurde aufgelöst.

Eine Zielsetzung gibt es nicht - also fast keine

Viele Änderungen im Team rund um den Profi-Kader also - doch längst noch nicht alle. Insbesondere in der Fitness- und Scouting-Abteilung soll weiteres neues Personal dazu stoßen. Ein klassischer Sportdirektor wird dagegen nicht mehr gesucht. Hier wird Riether einen Teil der Aufgaben übernehmen. Unter anderem soll der frühere Rechtsverteidiger an Spieltagen den Medien als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.

Ein konkretes Ziel für die kommende Saison ließe sich Wagner wohl auch nach einem erfolgreichen Umbau seines Kaders (Embolo/Raman/Kabak/Mendyl/Bentaleb/Konoplyanka) nicht entlocken. Am Donnerstag jedenfalls mauerte er bei jeder Gelegenheit bei diesem Thema, "um uns nicht selbst zu limitieren". Nur eins verriet er dann doch: Besser als in der letzten Saison, die die Königsblauen als 14. beendeten, soll es schon laufen. Nicht nur des möglichen Geredes bei seinem Abschied willens - wann immer der auch kommen mag.

Bislang jedenfalls ist Wagner nicht als Kurzarbeiter aufgefallen: In Dortmund arbeitete er fast fünf Jahre als U-23-Coach, in Huddersfield fast vier. "Wenn ich die Zuversicht nicht hätte, dass das auf Schalke auch möglich ist", versicherte er am Donnerstag, "dann wäre ich nicht hier."

Matthias Dersch

kicker.tv Hintergrund

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