Bundesliga

Schalker Fans rechnen mit Heidel, Tönnies und Co. ab

Vorstände und Aufsichtsräte von 2019 und 2020 nicht entlastet

Schalke-Fans rechnen mit Heidel, Tönnies und Co. ab

Großes Fan-Interesse: Die Schalker Mitgliederversammlung am Sonntag in der Arena.

Großes Fan-Interesse: Die Schalker Mitgliederversammlung am Sonntag in der Arena. imago images

Glückseligkeit in Gelsenkirchen, die Meisterfelge im Mittelpunkt als Magnet für die Massen. Lobeshymnen, die teilweise in Lobhudelei ausarteten, aber das sei allen Beteiligten verziehen: Die Mitgliederversammlung des FC Schalke 04 ging am Sonntag so harmonisch und gefühlsduselig über die Bühne wie selten in den vergangenen Jahren. Kritische Töne über die Entwicklungen der vergangenen Monate fielen diesmal nahezu keine.

Mit der Zeit davor haben die Mitglieder ihren Frieden aber noch nicht gemacht. Sowohl die Vorstände als auch die Aufsichtsräte der Geschäftsjahre 2019 und 2020 wurden am Sonntag bei der Blockabstimmung von der Mehrheit der 4238 stimmberechtigten Anwesenden nicht entlastet. Bei den Vorständen handelt es sich dabei namentlich um Alexander Jobst, Peter Peters und Jochen Schneider für beide Jahre sowie um Christian Heidel (2019) und Christina Rühl Hamers, gegen die sich jedoch kein Groll richtete. Die Nachfolgerin von Peters sitzt erst seit Oktober 2020 im Vorstand.

Schalkes Mitglieder kreiden insbesondere dem einstigen Sportvorstand Heidel, seinem Nachfolger Schneider, Peters (damals Finanzchef) und Jobst (damals Marketingvorstand) sowie dem früheren Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies an, den Verein mit verschwenderischer Vorgehensweise an den Rand des Abgrunds geführt zu haben. Die Entlastung war Bestandteil der Tagesordnung, da es pandemiebedingt 2020 keine Mitgliederversammlung gab und bei der digitalen Veranstaltung 2021 die Technik streikte.

De facto dürften die verweigerten Entlastungen kein juristisches Nachspiel für die Beteiligten haben, das Resultat hat vielmehr symbolischen Charakter. Entlastet wurden derweil die Gremien des Jahres 2021, mit Blick auf den Vorstand handelt es sich um Rühl-Hamers, Sportvorstand Peter Knäbel und den Vorstandsvorsitzenden Bernd Schröder. Dass sie das Vertrauen ausgesprochen bekamen, ist ein deutliches Zeichen dafür, dass die Anhängerschaft mit der Arbeit der aktuellen Führung sehr zufrieden ist.

Standing Ovations für Büskens - Kramer nicht anwesend

Das liegt nicht nur am sportlichen Erfolg des Zweitligameisters (für den nicht anwesenden Aufstiegstrainer Mike Büskens gab es stehende Ovationen), sondern vor allem daran, dass die Fans das Gefühl haben, den Bossen weiter vertrauen zu können. Rühl-Hamers wird für ihre wohltuend defensiv-solide Finanzphilosophie geschätzt, Knäbel für seine strategische Weitsicht gelobt, Sportdirektor Rouven Schröder als "Königstransfer des vergangenen Sommers" gefeiert.

Sportdirektor Schröder, Baumeister des Aufstiegskaders, bastelt derzeit eifrig am Erstliga-Ensemble. In den Tagen vor der Mitgliederversammlung verkündete Schalke 04 nicht weniger als sieben Spielerpersonalien: Die Verpflichtung von Tom Krauß, Tobias Mohr, Florent Mollet, und Torwart Justin Heekeren, die Vertragsverlängerung von Michael Langer und Dong-Gyeong Lee sowie der Wechsel von Timo Becker zu Holstein Kiel. Hinzu kommt die Einigung mit Trainer Frank Kramer, der nicht zur Mitgliederversammlung kam. Ihn bekommen die Fans erst am 22. Juni zu Gesicht, dann trainiert das Team erstmals als Bundesliga-Rückkehrer auf dem Platz.

Toni Lieto

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