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"Schäden noch nicht abzusehen": Hochwasser schlägt bei Blau-Weiß Mintard brutal zu

Sportanlage stand komplett unter Wasser

"Schäden noch nicht abzusehen": Hochwasser schlägt bei Blau-Weiß Mintard brutal zu

Komplett überflutet, das Sportgelände von Landesligist DJK Blau-Weiß Mintard.

Komplett überflutet, das Sportgelände von Landesligist DJK Blau-Weiß Mintard. imago images/Udo Gottschalk

"Das Leid nimmt gar kein Ende", sagte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer am Freitag. In ihrem Bundesland und auch in Nordrhein-Westfalen wurden mittlerweile über 150 Tote der Hochwasserkatastrophe gezählt. Tendenz steigend. Noch immer sind zahlreiche Menschen vermisst. Neben ausgelöschten Menschenleben stehen unzählige Personen und auch Vereine vor den Trümmern ihrer Existenz, die Wassermassen haben Hab und Gut mit sich fortgerissen oder zerstört.

Stellvertretend für viele weitere Sportvereine steht der Landesligist DJK Blau-Weiß Mintard aus Mülheim an der Ruhr. Der dortige Fluss hat das komplette, 500 Meter vom Ufer entfernte Sportgelände überschwemmt. "Für den Verein ist das eine Katastrophe", sagt  Frank Wälscher, der für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Landesligisten zuständig ist, im Gespräch mit dem kicker. Glücklicherweise gehe es allen Mitgliedern und ihren Familien gut. Einige Keller seien voll gelaufen, aber niemand sei verletzt.

Die Schäden auf dem Sportgelände sind dagegen aktuell noch nicht abzusehen. Mittlerweile seien zumindest Asche- und Kunstrasenplatz oberflächlich wieder trocken. Auf dem Rasenplatz, beschreibt Wälscher die Lage vor Ort, stehe hingegen noch an manchen Stellen das Wasser. Der 56-Jährige verdeutlicht jedoch, dass die Überflutung des Geländes zwar ein Fiasko für den Verein, aber nicht annährend vergleichbar mit der Schwere der Katastrophe in anderen Teilen des Westens sei.

Überwältigende Solidarität

Dennoch werden auf den nach eigener Aussage "klammen Amateurklub" hohe Kosten zukommen. Daher haben sich die Blau-Weißen an die Öffentlichkeit gewandt, in der Hoffnung auf finanzielle Hilfe - ein Aufruf, den andere Klubs in Nordrhein-Westfalen und in Rheinland-Pfalz in naher Zukunft sicherlich so oder so ähnlich starten werden. Neben Geld werden bei den Aufräum- und Wiederaufbauarbeiten auch viele helfende Hände gebraucht.

"Der positive Zuspruch und die Solidarität ist enorm", sagt Wälscher sichtlich gerührt. "Wir wissen gar nicht wohin mit den Gefühlen." Diese Schreckensnachricht mit den Bildern der Überflutung, abgelöst durch so viele positive Nachrichten - ein unglaublich schönes Glücksgefühl von Zusammenhalt sei dadurch entstanden, das ihn selbst sprachlos mache: "Es entstand eine unfassbare Solidaritätswelle anderer Amateurvereine, die uns ihre Hilfe angeboten haben", so Wälscher, der das in dieser Art und Weise noch nicht erlebt hat. "Mehrere Vereine haben uns angeboten, bei ihnen zu trainieren." Firmen wollen spenden, starteten zudem weitere Aufrufe, und auch Traditionsverein Rot-Weiß Essen "will eine große Geschichte" auf die Beine stellen, um die Klubs der Region zu unterstützen, freut sich Wälscher und erzählt weiter: "Fremde Menschen, die am Sportplatz vorbeikommen und mit dem Verein nichts zu tun haben, helfen uns bei den Aufräumarbeiten. Das ist toll anzusehen."

Für die kommenden Tage haben sich nun diverse Menschen - darunter Lokalpolitiker und ein Experte eines Kunstrasen-Herstellers - bei der DJK Blau-Weiß Mintard angekündigt, um die Ausmaße des Schadens zu ermessen. Erst dann wird ersichtlich sein, wie groß dieser tatsächlich ist. Der Spielbetrieb sei jedoch massiv gefährdet. Denn "noch weiß niemand, wie es unter der trockenen Oberfläche aussieht. Das müssen sich die Experten nun ansehen", sagt Wälscher, der sich kämpferisch gibt: "Wir werden gemeinsam gestärkt aus der Situation hervorgehen."

Trier und Koblenz starten Spendenaktion

Hilfe ist natürlich nicht nur für Vereine, sondern generell bitter nötig. Reaktionen kommen unter anderem von größeren Amateurklubs: So hatten Eintracht Trier und Rot-Weiß Koblenz - auch aus Regionen, die vom Hochwasser betroffen sind - vor, die Ticket-Einnahmen vom Landespokal-Spiel am Samstag an die Opfer der Katastrophe zu spenden. Beide Vereine hatten gehofft, dadurch einen Teil zum Wiederaufbau beitragen zu können. Darüber hinaus wäre im Stadion auch eine Spendenbox bereit gestanden. Doch aus "Pietätsgründen" wurden alle Partien des Rheinlandpokals abgesagt. Da alle Eintrittskarten ihre Gültigkeit behalten, könnten mit etwas Verspätung auf diesem Wege doch noch Spenden für die Geschädigten des Hochwassers zusammenkommen, sobald die Partie nachgeholt worden ist.

Weitere Beispiele: Der FV Engers 07 - aus einem Stadtteil der am Rhein gelegenen rheinland-pfälzischen Stadt Neuwied - bittet auf seiner Facebook-Seite um "Essen, Trinken, Sach- oder Geldspenden" für die vielen Opfer der Flut. Und auch die "Talentschmiede" des 1. CFR Pforzheim startete spontan eine Hilfsaktion über die sozialen Medien, bei der Mitglieder und Fans aufgefordert wurden, mit Sachspenden die Opfer Flut-Katastrophe zu unterstützen.

Stefan Wölfel, Daniel Wölfel