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WM 2022 | Scaloni: "Wir sind jetzt kein Titelkandidat"

Argentinier drücken auf Euphoriebremse

Scaloni: "Wir sind jetzt kein Titelkandidat"

WM-Favorit oder nicht? Lionel Scaloni und Namensvetter Messi (re.).

WM-Favorit oder nicht? Lionel Scaloni und Namensvetter Messi (re.). IMAGO/Fotoarena

Aus Katar berichtet Jörg Wolfrum

Es war ein wenig so gewesen, als hätten sie es, als hätte er es kaum abwarten können. Lionel Messi hatte den Anstoß zur zweiten Halbzeit frühzeitig ausgeführt, wurde von Schiedsrichter Danny Makkelie zurückgepfiffen. Von dem Schiedsrichter also, der dem Kapitän Argentiniens vor der Pause einen zweifelhaften Elfmeter zuerkannt hatte. Den hatte der 35-Jährige aber nicht verwandeln können, er scheiterte wie zahlreiche seiner Kollegen am an diesem Abend überragenden polnischen Keeper Wojciech Szczesny. Der Keeper von Juventus Turin brachte Argentiniens Offensive zum Verzweifeln im Stadium 974.

Der Name 974 ist an die 974 Container angelehnt, die in der Stadion-Architektur verbaut wurden, und wie Container standen Polens Spieler direkt nach der Pause in der eigenen Hälfte: 54 Sekunden waren gespielt, als Nahuel Molina in den Strafraum passte und Alexis Mac Allister die Albiceleste gegen das überforderte Polen in Führung brachte.

"Das Tor gab uns sofort Sicherheit, und dann konnten wir spielen", sagte Nationaltrainer Lionel Scaloni. In der Tat war der Treffer der Auftakt zu einem Chancenreigen, wie man ihn selten sieht, der Treffer von Julian Alvarez in der 67. Minute war dann aber bereits der Endstand - weil bei Polen Szczesny im Tor stand, auch wenn der Rest des Teams mit zunehmender Spieldauer offenbar deshalb nicht mehr in Zweikämpfe ging, um Gelbe Karten zu vermeiden und so, wenn schon nicht das Match, zumindest die Fair-Play-Wertung im Vergleich mit Mexiko zu gewinnen.

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Bei der Albiceleste traf zwar Kapitän Messi nicht, die Statistik weist den Superstar aber nun mit 22-Endrunden-Spielen als führenden Argentinier aus, ein Spiel mehr als Diego Maradona. Lothar Matthäus führt dieses Ranking mit 25 Auftritten an. Den könnte Messi im Endspiel übertrumpfen.

Wir denken nicht, dass wir nun Weltmeister werden.

Lionel Scaloni

Doch eine Finalteilnahme ist zumindest für den Coach noch jenseits der Vorstellungskraft: Scaloni wäre nicht Scaloni, wenn er nicht umgehend warnen würde: "Wir sind jetzt kein Titelkandidat. Wir denken nicht, dass wir nun Weltmeister werden, nur weil wir dieses Spiel gewonnen haben. Mir tut es immer noch weh, wie wir gegen Saudi-Arabien verloren haben, durch zwei Tore in vier Minuten. Ich wiederhole: Wir sind kein Favorit."

Zumal es "eine Verrücktheit" sei, schon am Samstag wieder antreten zu müssen. "Es ist hier in Katar nun ein Uhr nachts, und wir müssen schon am Samstagabend wieder ran, als Gruppensieger." Der Zweite Polen habe indes Pause bis Sonntag.

Wie auch immer: "Wer jetzt denkt, Australien wäre ein einfacher Gegner, der täuscht sich, das haben die Spiele bei diesem Turnier gezeigt." Man habe das selbst gegen Saudi-Arabien gesehen.

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