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Scaloni: "Es gibt Wichtigeres als zu gewinnen"

Argentiniens Trainer bleibt trotz vieler Emotionen gelassen

Scaloni: "Es gibt Wichtigeres als zu gewinnen"

"Wir haben noch nichts gewonnen außer diesem Spiel": Lionel Scaloni.

"Wir haben noch nichts gewonnen außer diesem Spiel": Lionel Scaloni. IMAGO/Agencia EFE

Aus Katar berichtet Jörg Wolfrum

Wohl dem, der einen Lionel Messi hat: "Er hat das gemacht, was er am besten kann", sagte Nationaltrainer Lionel Scaloni nach dem 2:0 seiner Albiceleste gegen Mexiko. Argentinien hat damit den Kopf aus der Schlinge gezogen, das vorzeitige Aus ist abgewendet. Dank des Tores des Kapitäns zum 1:0 und dessen Assist zum 2:0-Endstand durch Enzo Fernandez.

Doch Scaloni ist ja Nationaltrainer Argentiniens und nicht der Personal-Coach des sechsmaligen Weltfußballers, also sagte der 44-Jährige: Messi hat eine "gute Gruppe, die ihn unterstützt".

Es ist immer wieder wohltuend, mit welcher Nüchternheit sich der Ex-Profi, der sich am Tag vor dem Spiel noch selbst als einstigen "Holzfuß" bezeichnet hatte, den überbordenden Emotionen rund um die argentinische Nationalmannschaft entzieht. Daher schickte er auch gleich hinterher: "Wir haben noch nichts gewonnen außer diesem Spiel." Ob der Annex in der Heimat wirklich ankommt, bleibt abzuwarten, man möchte es dem Coach wünschen, der Argentinien 2021 nach 28 Jahren wieder zum Sieg in der Copa America geführt hat. Wohl nicht umsonst lebt der Trainer auf Mallorca.

Am Samstag im Lusail Stadium, dem Finalort am 4. Advent, hatte ja sogar sein Co-Trainer, Ex-Nationalspieler Pablo Aimar, nach Spielende vor Erleichterung fast geweint, "mein Bruder auch, der hat nicht mal mehr zuschauen können", erklärte Scaloni und seine Spieler habe es sowieso geschüttelt. "Das ist auch für mich emotional", sagt der Mann und wirkt dabei ganz und gar nicht so, als habe er gerade ein auf den Rängen und dem Platz hochemotionales Fußballspiel gecoacht, sondern eher ein Spiel im TV gesehen, Marke alter Klassiker.

"In Argentinien wird es immer so sein, dass es um alles geht"

Scaloni bleibt also auch im Moment des Erfolges cool und da sollte er vielen Irrlichtern ein Beispiel sein: "Morgen geht die Sonne auf, egal, ob wir gewonnen haben oder verloren." Dass Fußball "mehr als ein Spiel ist, kann ich nicht teilen." Doch auch der Coach weiß: "In Argentinien wird es immer so sein, dass es um alles geht". Deshalb sei es auch "sicherlich schwieriger, unser Trikot zu verteidigen, als das eines anderen Landes".

"Wichtiger als gewinnen ist, dass man das, was man macht, gut macht." Er meint die Sache mit dem Spiegel, in den man weiter müsse schauen können, selbst nach einem WM-Aus, das immer noch möglich ist.

Richtig gut hat es seine Mannschaft ja auch gegen Mexiko nicht gemacht, und am Ende wurde sie von ihrem Superstar zum Sieg geführt, der auch zuvor der Einzige war, der durchdachte Ansätze auf den Platz gebracht hatte.

"Wichtig ist es, dass Lionel diese WM genießt"

Scaloni sage daher auch: "Wichtig ist es, dass Lionel diese WM genießt." Das dürfte der Ausnahmefußballer spätestens seit diesem Samstagabend tun. Und, so Scaloni, man solle sich freuen, auf der ganzen Welt, solange man den Topstar noch auf dem Platz bewundern könne. "Ich bin mir sicher, dass sich auch die mexikanischen Fans freuen, ihn gesehen zu haben, auch wenn er ein Tor erzielt hat."

Gefeiert wurde aber nur im argentinischen Fanblock. Doch Scaloni hat auch dazu gleich einen Eimer kaltes Wasser parat: "Heute ja, aber das war es auch schon. Morgen geht es weiter. Die Freude ist kurz. Es bedarf eines Gleichgewichts, ob man gewinnt oder verliert."

Scalonis Team hat gewonnen, und ein ganzes Land träumt weiter, da kann der Coach noch so viel Lebensweisheiten auftischen.

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