Bundesliga

Sandro Wagner im Interview: "Das ist das Dümmste, was du machen kannst"

Ex-Stürmer spricht im kicker über sein Berufsziel Cheftrainer

Sandro Wagner im Interview: "Das ist das Dümmste, was du machen kannst"

Auf zu neuen Ufern: Sandro Wagner strebt eine große Trainer-Karriere an.

Auf zu neuen Ufern: Sandro Wagner strebt eine große Trainer-Karriere an. imago images (3)

Zum Ausklang seiner aktiven Karriere mit insgesamt 180 Bundesligaspielen und 44 Toren sowie drei Meistertiteln mit dem FC Bayern spielte er eineinhalb Jahre bei Tianjin Teda in China. Im Sommer 2020 zog der frühere Stürmer und Nationalspieler einen Schlussstrich. Inzwischen ist Wagner wieder in Deutschland präsent. Als TV-Experte, erst beim ZDF im Rahmen des Champions-League-Finals, nun fest für eine Saison bei DAZN. Für seine Analysen und Kommentare bekommt er Lob, tritt gewohnt meinungsstark auf, aber er polarisiert auch. Das wird auch in dem Job der Fall sein, den er für sich seit Jahren auserkoren hat: Trainer.

Haben Sie früher Ihren Trainern das Leben schwer gemacht oder waren Sie pflegeleicht, Herr Wagner?

In der Jugend war ich nicht ganz so leicht zu führen, das hat sich dann deutlich gedreht. Ich hatte nie wirklich Probleme mit Trainern, das war ein gutes Miteinander. Ich habe natürlich gemerkt, bei welchem Trainer ich meine Meinung, was Taktik oder Mannschaftsführung betrifft, kundtun kann und bei wem nicht. Es war immer mein Credo, auch unbequeme Dinge anzusprechen, weil ich von Erfolg besessen war und immer gewinnen wollte, auch jedes Trainingsspiel. Das hat zwar nicht durchgehend in meiner Karriere geklappt, aber ich wollte die Dinge optimieren. Und das kann man aus der Mannschaft heraus manchmal besser als ein Trainer, der gar nicht alles sehen und hören kann.

Man sollte als Trainer also Spieler verstärkt einbinden?

Unbedingt. Als Trainer wünsche ich mir mündige Spieler, damit auch Konstruktives von innen kommt. Erfolgreiche Trainer finden das gut, nehmen Ansichten aus der Mannschaft zum Anlass für Veränderungen. Dann hatte ich aber auch Trainer, die zu eitel waren und konstruktive Hinweise nicht angenommen haben. Die sind über kurz oder lang gescheitert.

Sie wollen es offenbar besser machen, oder warum streben Sie als vierfacher Familienvater diesen zeitaufwändigen und intensiven Job an?

Mein Trainerwunsch ist über viele Jahre gewachsen, auch durch viele Momente, in denen ich dachte: Das ist einfach falsch, was der Trainer da macht. Sogar auf Bundesliga- und Champions-League-Niveau. Natürlich ist es ein extrem komplexer Beruf, der viele verschiedene Bereiche umfasst - und ich muss erst beweisen, dass ich es besser kann. Dennoch denke ich, dass ich diesen Job mit meinem Ansatz, meinen Erfahrungen und Ideen sowie den Dingen, die ich noch lernen möchte, erfolgreich ausüben kann.

Was macht Sie da so sicher?

Ich denke, ich konnte schon immer gut und differenziert mit Menschen umgehen, hatte in den Mannschaften eine hohe Akzeptanz, auch wenn es sportlich nicht lief. Menschenführung macht mir Spaß und ist für mich der Schlüssel, um ein guter Trainer zu sein. Und dann zu sehen, dass es funktioniert: Das ist mein Antrieb.

Ich bin überzeugt davon, dass ich als Trainer besser werde, als ich es als Spieler war.

Sandro Wagner

Der Weg zum Profi-Trainer ist nicht kurz.

Absolut, es bedarf einer langjährigen Ausbildung und viel Erfahrung, ehe ich ganz oben auftauchen kann - das nehme ich jedoch bewusst in Kauf. Ich bin 32, habe überhaupt keinen zeitlichen Druck. Ich bin überzeugt davon, dass ich als Trainer besser werde, als ich es als Spieler war - weil ich für den Trainerberuf bessere Voraussetzungen mitbringe als damals für meine Spielerkarriere. Zumal ich schon nach den ersten Hospitationen gemerkt habe, dass mir die Trainerrolle noch mehr Spaß macht als das Spielerdasein.

Beim Lehrgang zur Elite-Jugend-Lizenz des DFB machen Sie Ihre ersten Schritte auf der Ausbildungsleiter.

Als früherer Nationalspieler darf man anfangs ein paar Schritte überspringen, aber danach sind schon noch die A-Lizenz und der Fußballlehrerschein zu erwerben. Der DFB weiß schon lange von meinem Trainerwunsch und hat mich bei den ersten Schritten toll begleitet und mir Möglichkeiten eröffnet. Viele der Entscheider kenne ich schon aus meiner Zeit bei der U 21. Der Lehrgang ist sehr spannend und lehrreich.

Sie treten generell selbstbewusst auf. Wie geben Sie sich beim Lehrgang?

Ich habe mich erst mal zurückgehalten und bei der Vorstellung klargemacht: Ich bin kein Ex-Profi, der meint, er kann schon alles. Ich gehe diese Aufgabe mit großer Demut an und möchte den Trainerberuf von der Pike auf lernen. Als Ex-Profi bringst du zwar einen großen Mehrwert für den Trainerjob mit, aber das hilft nur dann, wenn du bereit bist, viele Dinge dazuzulernen. Du brauchst einen großen Werkzeugkasten.

Wie voll ist der bei Ihnen schon?

Zu 71 Prozent (lacht). Ach, schwer zu sagen, aber klar ist: Wenn du ganz oben ankommen und dauerhaft erfolgreich sein willst - das ist mein klares Ziel - muss der Werkzeugkasten voll sein. Da fehlen bei mir noch ein paar Teile. Ex-Profis, die meinen, es funktioniert mit der halben Füllung, sind oft gescheitert respektive werden scheitern. Es geht nur, wenn du die Lehrgangsinhalte bewusst verinnerlichst, auf vielen Stationen hospitierst, als Trainer Erfahrungen sammelst und dir darüber hinaus viel Input von spezifischen Experten wie Psychologen, Trainingswissenschaftlern oder Ernährungsberatern holst. So versuche ich seit Monaten und auch die kommenden Jahre noch, den Werkzeugkasten zu füllen.

Wie Ihr U-21-Europameisterkollege von 2009, Benedikt Höwedes, unterstützten Sie im Oktober die U-Trainer des DFB. Was waren Ihre Aufgaben?

Bene war als Defensivspezialist bei der U 21, ich habe als Offensivexperte die U 16 begleitet. Die Trainer Marc Meister, Heiko Westermann und Andreas Beck haben mich bei allem mitgenommen, ich durfte viel selbst machen. Im Speziellen habe ich mich auf dem Platz und auch per Videoanalysen um die Stürmer gekümmert. Die Jungs hören zu, wenn sie einen kennen und wissen, der weiß, wovon er spricht. Das ist ein großes Faustpfand. Es war wie erwartet ein toller Einblick. U 16, U 17, U 18, in diesem Bereich möchte ich als Trainer starten. Diese Jahrgänge sind hochinteressant, was die Entwicklungsmöglichkeiten angeht, und dort habe ich auch Nachholbedarf, weil ich als Profi fast immer nur die Jungs gesehen habe, die oben anklopfen.

Was sind die größten Unterschiede zu Ihrer Juniorenzeit vor etwa 15 Jahren?

Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. Das einzig Gleiche ist, dass man Fußball spielt.

Und die DFB-Kleidung trägt.

Aber die ist jetzt auch schon cooler.

Und was ist heute inhaltlich anders?

Man hat erkannt: Du kannst nicht alle im Training in einen Topf werfen, rühren und dann sagen, lauft alle mal nach rechts oder links. Und genau das ist auch mein Ansatz: dass man individueller trainieren sollte. In der Individualisierung sehe ich im aktuellen Fußball das meiste Steigerungspotenzial. Mannschaftstaktisch neutralisieren sich mittlerweile viele, aber was das konkrete Verhalten in den einzelnen Mannschaftsteilen oder Positionen angeht, da ist noch viel Luft nach oben. Ebenso in spezifischen Bereichen wie Psychologie, Kognition, exekutive Funktionen, Ernährung oder Fitness, wo mehr auf den Einzelnen eingegangen werden muss, sodass am Ende das gesamte Team besser performen kann.

Er lässt keine 34 Königssysteme spielen, hat zwar einen klaren taktischen Plan, aber vor allem beherrscht er die Menschenführung in Perfektion.

Sandro Wagner über Hansi Flick

Wissenschaftlichen Einflüssen stehen Sie also offen gegenüber?

Auf jeden Fall, diesen Bereichen werde ich in meinen Trainerteams eine hohe Bedeutung beimessen. Aber: Das A und O ist die Menschenführung. Das sieht man aktuell ja auch bei den Bayern. Was macht denn der Hansi Flick dort?

Erklären Sie es uns.

Er lässt keine 34 Königssysteme spielen, hat zwar einen klaren taktischen Plan, aber vor allem beherrscht er die Menschenführung in Perfektion. Auf andere Art, aber auch über diese Fähigkeit in Perfektion, hatte Diego Simeone über viele Jahre großen Erfolg bei Atletico Madrid. Und bei Julian Nagelsmann höre ich immer das Prädikat Taktikfuchs. Natürlich beherrscht er diesen Bereich, aber das Wichtigste ist, dass er die Menschen gut führen kann. Sonst bringt dir die beste Taktik nichts, wie Julian auch selbst immer wieder betont.

Wie wollen Sie konkret einen Kader von 30 Spielern führen?

Allem voran über Ehrlichkeit, auch wenn das simpel klingt. Du musst den Jungs gegenüber offen und transparent sein und wirklich jeden mit ins Boot nehmen. Nicht nur die ersten elf. Da liefert Hansi Flick wieder ein ideales Beispiel.

Welches?

Er lässt wochenlang Lucas Hernandez draußen, vermittelt ihm aber trotzdem ein gutes Gefühl und sagt ihm, wenn du in Zukunft gute Leistungen zeigst, spielst du. Dann bekommt er irgendwann seine Chance, spielt gut und bleibt in der Mannschaft. Das sind Kleinigkeiten, die du aber immer wieder beherzigen und mit Leben füllen musst.

Worauf kommt es noch an?

Nur ein guter Typ sein - das reicht natürlich nicht. Die aktuellen Spieler sind sensibler als die Generation um Effenberg und Co., sie fordern stimmige, nachvollziehbare Inhalte im Training, wollen detailliert auf das Spiel und den Gegner vorbereitet sein. Sie brauchen neben dem persönlich guten Gefühl auch einen klaren inhaltlichen Plan, um zum Beispiel auf Änderungen des Gegners reagieren zu können. Das gibt ihnen Sicherheit und nimmt ihnen gleichzeitig potenzielle Ausreden.

Es gibt immer wieder Reservisten, die berichten, der Trainer habe ein halbes Jahr nicht mit ihnen gesprochen.

Das ist das Schlimmste und Dümmste, was du als Trainer machen kannst. Ich habe für viele Dinge eine Erklärung, dafür nicht. Ein Beispiel von den DFB-Junioren: Da hat ein 16-Jähriger für viel Geld das NLZ gewechselt, der neue Trainer hat aber vier Monate lang nicht persönlich mit ihm gesprochen, weil er angeblich keine Zeit hatte. Wenn ich so was höre und dort ein Verantwortlicher wäre: Watsch'n rechts und raus. Ernsthaft: Das geht nicht, so dürfen wir nicht mit unseren Talenten umgehen. Und wir reden hier von einem Topverein in der Jugend. So wie ich es mitbekommen habe, ist das kein Einzelfall in den Leistungszentren. Die individuelle Entwicklung muss in der Jugend immer Priorität haben.

Eine solche Kommunikation ließe sich leicht verbessern.

Regelmäßiges ehrliches Feedback ist das Wichtigste. Und für mich selbstverständlich, zumal ich immer geradeaus mit Menschen kommuniziere. Und es ist doch keine Kunst, mal mit einem Spieler auf dem Weg von der Kabine zum Platz zu sprechen oder ihn mal fünf Minuten aus einer Spielform für ein Gespräch rauszunehmen. Davon wird er nicht schlechter.

Ich habe einem eine Wohnung besorgt, einem anderen mein Auto für drei Monate geliehen.

Sandro Wagner

Worum geht es Ihnen in den persönlichen Gesprächen?

Um Fußballerisches, aber auch um den privaten Hintergrund. Man muss immer den Menschen sehen, wir sind schließlich keine Roboter. Jeder hat seine Problemchen, vor allem auch Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung. Darauf sollte man eingehen. Wenn ich gemerkt habe, einem Mitspieler geht es nicht gut, habe ich immer versucht, zu helfen. Kleinigkeiten: Ich habe einem eine Wohnung besorgt, einem anderen mein Auto für drei Monate geliehen. Auf und außerhalb des Platzes kam das immer tausendfach positiv zurück.

Abseits dessen, haben Sie schon Vorstellungen von der Art Fußball, die Sie sehen wollen?

Im Detail will ich darüber erst sprechen, wenn ich eine Mannschaft trainiere. Aber allgemein ist mir eine hohe Aktivität bei eigenem Ballbesitz wichtig. Ich will offensiven, aggressiven Fußball spielen lassen und in erster Linie meinen Stil durchdrücken - bei aller nötigen Einstellung auf den Gegner, die heute auf Topniveau einfach dazugehört. Wichtig ist generell, meine Idee an die vorhandenen Spieler anzupassen, nicht umgekehrt. Auch ein Defensivfanatiker wie Mourinho könnte sich mit diesem Bayern-Kader nicht nur hinten reinstellen.

Wird es in Ihren Teams mindestens einen klassischen Mittelstürmer geben?

Das ist meine klare Präferenz, aber auch das wird davon abhängen, ob es die Mannschaft hergibt. Die Stürmer müssen dabei nicht unbedingt groß sein, sondern vor allem den Ball halten können, weil du das mittlerweile weit verbreitete Pressing teils nur mit Chipbällen auf einen Zielspieler überspielen kannst, beziehungsweise brauchst du diese Option, um auch anders eröffnen zu können.

Echte Stürmer müssen in Deutschland aber erst wieder ausgebildet werden.

Ganz klar, der Fokus muss auf den speziellen Positionsprofilen liegen, das hat man beim DFB auch erkannt. Wir brauchen ebenso wieder echte Außenverteidiger mit Offensivdrang. Aber im Angriff drückt der Schuh besonders. Wen haben wir gerade in der Bundesliga an deutschen Mittelstürmern? Petersen, Ginczek, Selke sind gute Spieler - aber keiner von den dreien steht gerade im Fokus der Nationalmannschaft. Internationales Topformat haben nur Lewandowski und Haaland. Das ist schade.

Sie sagten im Januar 2020 im kicker, dass Sie nach der Karriere die Option hätten, in anderer Funktion zum FC Bayern zurückzukehren. Ist Ihr Weg als Jugendtrainer in den Bayern-Campus vorgezeichnet?

Das wird man sehen, ich will noch nicht so viel über meine konkrete Zukunft sprechen. Ich werde auf jeden Fall im Sommer 2021 mit einer Jugend-Mannschaft als Trainer starten.

Ist eine Co-Trainer-Rolle als Zwischenstation zum Profi-Trainer denkbar?

Nein, dafür hatte ich schon die Möglichkeit in der Bundesliga, aber ich möchte von Anfang an Cheftrainer sein. Ich habe in der letzten Zeit gemerkt, dass ich sehr gut im Team arbeiten kann, letztlich aber meine eigenen Vorstellungen verwirklichen will. Das soll null arrogant rüberkommen, es geht auch nicht um den Status Cheftrainer, ich sehe das einfach als den besseren Weg für mich.

Wie stehen Sie zu externen Einflüssen von Eltern, Beratern, Sportartikelherstellern, die teilweise dazu beitragen, dass Talente aus der Spur geraten?

Das Rad lässt sich kaum zurückdrehen, aber man sollte versuchen, in Gesprächen Hilfestellungen zu geben. Die Spieler müssen letztlich eigene Entscheidungen treffen, auf dem Platz wie außerhalb. Das gehört dazu, wenn man Profi werden will. Dann müssen die Jungs ihrem privaten Umfeld auch mal sagen: 'Freunde, das ist mir gerade zu viel, geht alle mal vom Gas runter'. Dafür kann man sie sensibilisieren.

Berater und Eltern wollen teilweise auch direkt auf Jugendtrainer einwirken, neben den Spielern gibt es Trainerkollegen und Vorgesetzte. Haben Sie die Sorge, dass Ihnen die vielen Gespräche, die sie führen wollen und müssen, zu viel Energie rauben?

Ich habe vier kleine Kinder, stecke in vielen Projekten drin, habe Immobilienfirmen, ich quatsche eigentlich den ganzen Tag bis ich schlafen gehe um Mitternacht. Kommunikation, Probleme lösen, das bin ich gewohnt - und vor allem macht mir das Spaß. Man muss mit Eltern auch klar deren Verhalten besprechen, ob man es für förderlich für die Entwicklung des Sohnes hält oder nicht. Und Berater sollten nicht den direkten Zugang zu Trainern bekommen, sondern mit Managern sprechen, im NLZ wie bei den Profis.

Ab dem Alter von zehn, elf Jahren mussten meine Teamkollegen und ich fast jeden Sommer bangen.

Sandro Wagner

Welche Trainer haben Sie als Profi besonders geprägt?

Ich hatte tolle Trainer mit Ottmar Hitzfeld, Jupp Heynckes, Julian Nagelsmann, Dirk Schuster, Jogi Löw, Horst Hrubesch, Peter Neururer, Rudi Bommer, Hermann Gerland, Jos Luhukay, Marco Kurz. Ich hatte Stefan Kuntz und Hansi Flick als Manager. Die guten Trainer haben mich genauso geprägt wie die schlechten.

Zum Abschluss: Wo hätten Sie mit Ihren aktuellen An- und Einsichten als Trainer früher angesetzt, um den Jugendspieler Sandro Wagner besser und variabler auf die Karriere vorzubereiten?

Fußballerisch habe ich sehr viel mitbekommen von meinen Jugendtrainern Hermann Hummels, Stephan Beckenbauer, der leider verstorben ist, Kurt Niedermayer, Hermann Gerland und Roman Grill. Inhaltlich war das gut, aber von dem einen oder anderen hätte ich mir gewünscht, mich mit mehr Erklärungen auf ihrem Weg mitzunehmen, mein Verhalten zu reflektieren und kritisch zu analysieren. In der Jugend eines Topklubs kommt aber auch schon früh Druck dazu.

Was meinen Sie?

Ab dem Alter von zehn, elf Jahren mussten meine Teamkollegen und ich fast jeden Sommer bangen: Werde ich von Bayern rausgeschmissen oder nicht? Zehn hat es ungefähr pro Jahr getroffen. Da entwickelt man schon als Jugendspieler seine Ellenbogen und einen gewissen Schutzmantel. Obwohl ich ein guter Jugendspieler war, hatte ich jedes Jahr Angst, wegzufallen. Mehr Gespräche hätten mir da wirklich gutgetan, im Profibereich übrigens auch. Das ist es, was ich anders machen will.

Interview: Carsten Schröter-Lorenz

(Dieses Interview erschien zuerst in der kicker-Printausgabe vom 23. November)

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