Bundesliga

Lob für Marc Roca: "Ein Fehler, ihn so selten zu bringen"

Lob für Roca von Trainer und Sportvorstand

Salihamidzic: "Marc ist ein Junge, wie wir ihn lieben"

Überzeugte in Stuttgart von Beginn an: Marc Roca.

Überzeugte in Stuttgart von Beginn an: Marc Roca. imago images/ULMER Pressebildagentur

Als Marc Roca in der 75. Minute seinen Arbeitstag beendete, bekam er als Lohn eine sekundenlange, innige Umarmung seines Trainers am Spielfeldrand. "Er war platt und völlig zur Recht sehr glücklich", erklärte Julian Nagelsmann und ließ ein berechtigtes, höchstens etwas zu dick aufgetragenes Lob folgen: "Ich habe ihn heute in der Kabine vor der Mannschaft gelobt, so etwas mache ich selten. Das hatte er extrem verdient, Marc hat eine inhaltlich herausragende Leistung geliefert."

Roca hat mit Herz gespielt

Die Begründung: Die fußballerische Qualität des selten eingesetzten Spaniers kenne er, Roca habe aber auch mit einem riesigen Herz gespielt. Nagelsmanns selbstkritische Schlussfolgerung: "Es war offensichtlich ein Fehler, ihn so selten zu bringen." In der Vorbereitung hatte sich Roca, der schon unter Hansi Flick fast keine Rolle gespielt hatte, verletzt. Danach setzte Nagelsmann ihn nie ein, zuletzt aber gönnte er dem defensiven Mittelfeldspieler zwei Einwechslungen in der Champions League und die erste in dieser Bundesligasaison beim 2:1 gegen Mainz.

"Ich bin sehr glücklich. Alle Spieler und der ganze Staff haben mir sehr geholfen", sagte Roca das, was Profis in solch einer Situation eben sagen. Deutlicher war sein Chef: "Marc gibt im Training immer Gas und zeigt auch mal, dass er sauer ist. Ein starker Charakter, kein Mäuschen, das sich wegduckt. Er sagt seine Meinung und hat den Anspruch, öfter zu spielen. Ich finde es richtig, wenn er dies kundtut."

Am Mittwochnachmittag fand auch Sportvorstand Hasan Salihamidzic im Gespräch mit dem kicker warme Worte für den Spanier: "Wir sind sehr glücklich, dass er nach einer so langen Zeit ein hervorragendes Spiel gemacht hat. In Stuttgart hat er gezeigt, dass er ein super Junge ist mit einer sensationellen Mentalität."

Ruhig und technisch einwandfrei habe Roca auf diesem schlechten Platz das Spiel geordnet, sozusagen die Regie übernommen und Löcher gestopft hat. "Er hat tolle Bälle gespielt und genau das gemacht, was er kann: Die Situationen aufgelöst. Marc ist mit seiner Einstellung ein Junge, wie wir ihn lieben. Das ist gut für ihn und den FC Bayern", sagte Salihamidzic.

Musiala hat gute Aussichten

Gut möglich also, dass Roca schon zum Hinrundenabschluss gegen den VfL Wolfsburg am Freitagabend seinen nächsten Einsatz bekommt. Bei Musiala dürfte dies sicher sein, der 18-Jährige hatte schon zuvor gegen Mainz bewiesen, dass er auch in einer defensiveren Rolle bestehen und Akzente setzen kann. Kimmich wird erneut fehlen, Sabitzer nach seiner längeren Pause kaum in der Startelf stehen. Und bei Goretzka und Tolisso werden die Münchner kaum das Risiko eingehen, dass nochmal etwas passiert. Die wichtigste Erkenntnis für den FC Bayern nach Stuttgart lautet daher: Auch mit arg ausgedünntem Personal auf der Doppelsechs reicht es in der Bundesliga locker für einen Sieg.

Frank Linkesch