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RWO-Präsident Sommers: "Dafür ist uns diese Saison zu ernst"

Viel Trubel in Oberhausen

RWO-Präsident Sommers: "Dafür ist uns diese Saison zu ernst"

Hat mit RWO in dieser Spielzeit viel vor: Hajo Sommers.

Hat mit RWO in dieser Spielzeit viel vor: Hajo Sommers. imago images/Revierfoto

Bei Rot-Weiß Oberhausen herrschte zuletzt viel Trubel. Das Spiel beim 1. FC Köln II wurde kurz vor Schluss beim Stand von 1:4 abgebrochen, weil Kölner Fans dem RWO-Anhang zunächst eine Zaunfahne klauten - und darauffolgend Teile beider Fanlager auf dem Rasen zusammentrafen. Zum Spielabbruch bei den "Junggeißböcken" wolle er sich nur am Rande äußern, sagte Oberhausens Präsident Hajo Sommers vor dem kicker-Interview - ganz drumherum kam er aber nicht.

Hajo Sommers, sind Sie zufrieden mit dem Start?

Bis Freitagabend hätte ich noch milde gelächelt, jetzt bin ich ärgerlich.

Wegen des fett aussehenden 1:4 in Köln nach 88 Minuten?

Das lässt in der Tat Raum für neue Überlegungen in sportlicher Hinsicht, aber verärgert bin ich über die Umstände in Köln. Nein, ich muss mich verbessern: Verärgert bin ich vor allem über den Umstand, dass in der Regionalliga immer noch Wettbewerbsverzerrung durch die Teilnahme der 2. Mannschaften stattfindet. Und dass die Organisatoren nicht wenigstens den Weg gehen, Profis und Unterbau zeitgleich spielen zu lassen. Das ist in Köln nicht passiert. Dazu gab es ausgerechnet in dieser uns allen so lieben Stadt eine stattliche Reihe aus schlampiger Organisation, schlechtem Ordnungsdienst - aber ich will mich nicht in Rage reden.

Jetzt müssen die Gremien einen Weg finden. Haben Sie ein gutes Gefühl?

Gute Gefühle habe ich woanders. Auf hoher See und vor Gericht sind wir alle in Gottes Hand, geht ja so ein Spruch. Der muss erfunden worden sein, bevor es die Fußballgerichtsbarkeit gab. In der hat nämlich auch der liebe Gott keinen Platz.

Wie ist ansonsten der erste Abschnitt der neuen Saison zu sehen?

Von den nach vorn getippten und geredeten Mannschaften hat vor allem Preußen Münster alle Erwartungen erfüllt. Rödinghausen und wir konnten das mit Abstrichen, Wuppertal auch nicht wirklich und Fortuna Köln war erschreckenderweise ziemlich daneben. Dafür gab es Ü-Eier wie Lippstadt, Kaan-Marienborn oder Ahlen. Aber ich äußere mich lieber zu dem Verein, dessen Präsi ich sein darf.

RWO hat zuletzt Mittel zusammengestrichen, aber auch erklärt, die Regionalliga nach über zehn Jahren endlich verlassen zu wollen - nach oben natürlich.

Das hat unser Nachbar mit dem ähnlichen Namen auch so geschafft, da wollen wir nicht nachstehen. Wir haben bestimmte finanzielle Schnitte gemacht, um Mittel zu bündeln, richtig. Unsere Geschäftsstelle zum Beispiel ist so klein wie nirgendwo, aus unserem Nachwuchsleistungszentrum haben wir ein Jugendleistungszentrum gemacht - viel preiswerter, aber mit gleichem Effekt. Wir machen ja seit Jahren vor, wie man mit Engagement und Ideen durch tiefe Finanzsümpfe watet. Und wir erreichen immer wieder sicheren Boden. Wir verschulden uns nicht, wir machen keinen Blödsinn. Manchmal honorieren das sogar Sponsoren, die akzeptieren, dass wir auch ehrliche Menschen sind.

Deswegen blieben bei den Neuverpflichtungen auch so richtige Kracher aus?

Richtige Kracher kosten richtiges Geld. Aber wir haben wieder Leute geholt, die sich bei uns und mit uns und für uns entwickeln. Schließlich spielt unsere A-Jugend seit Jahren in der Bundesliga, schließlich haben wir mit Mike Terranova einen Trainer, der über zahlreiche Talente verfügt, auch über das der Entwicklung junger Leute. Dazu haben sich erfahrene Spieler bewusst für den Verbleib entschieden. Nicht, weil es viel Geld gibt, sondern Perspektive nach oben, geile Stimmung im Stadion und ein gutes Gefühl im Verein.

Klingt etwas romantisch.

So mancher mag das. Wenn man sich um ihn kümmert, wenn man ihn an die Hand nimmt, wenn man ihn in schwierigen Situationen nicht alleine lässt. Auch dafür stehen wir in Oberhausen.

Zur konkreten Situation: Wie reagiert RWO auf den Umstand, dass nach vorn wenig läuft und dass es auch hinten hapert?

Wir werden nicht in Aktionismus verfallen, und wir werden auch nicht einfach zugucken, was sich da so tut. Dafür ist uns diese Saison zu ernst. Auch wenn gerade die Vorfälle in Köln ablenken, konzentrieren wir uns darauf, personell noch nachzulegen. Daran arbeitet die sportliche Leitung ebenso beharrlich wie das Trainerteam bei der täglichen Arbeit auf dem Platz. Aber: Es wird keine Schnellschüsse geben und keine Panikreaktion. Dafür sind selbst wir viel zu seriös!

Gustav Wentz

1.FC Köln U21, U 21 vs. RW Oberhausen, Regionalliga West, Saison 2022 23, Spielabruch, nachdem Fans aufs Spielfeld gelaufen sind, 12.08.2022, Bild: *** Sport 1 FC Köln U21 vs RW Oberhausen, Regionalliga West, 2022 23 season, match abandoned after fans ran onto pitch, 12 08 2022, pic.

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