Bundesliga

Rummenigge will späteren Saisonauftakt

Auslandspräsenz stärken

Rummenigge will späteren Saisonauftakt

Karl-Heinz Rummenigge sieht in der Auslandsvermarktung viel Handlungsbedarf, aber auch große Chancen.

Karl-Heinz Rummenigge sieht in der Auslandsvermarktung viel Handlungsbedarf, aber auch große Chancen. kicker

Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge, Hans Meyer aus dem Präsidium von Borussia Mönchengladbach sowie Sportökonom Prof. Dr. Bernd Frick, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Paderborn, diskutierten mit Moderator Jörg Jakob vom kicker im Rahmen einer Veranstaltung der Deutschen Akademie für Fußballkultur in Nürnberg über die wirtschaftliche Entwicklung des Fußballs in Deutschland. Vor allem die Auslandsvermarktung der Liga, die trotz der jüngsten Steigerungsraten noch in den Kinderschuhen steckt, ist Rummenigge ein Anliegen. Die Deutsche Fußballliga (DFL) nimmt zwar 70 Millionen Euro jährlich durch diese internationalen Geldtöpfe ein, Rummenigge rechnet mittelfristig sogar mit bis zu 200 Millionen jährlich, doch im Vergleich mit der englischen Premier League, die 800 Millionen per anno umsetzt, fällt die Bundesliga deutlich ab. Rummenigge sieht die Liga "auf dem richtigen Weg" und lobt DFL-Vorstand Christian Seifert, der sich dieses Themas angenommen hat, auch wenn die Ergebnisse der Premier League unerreichbar seien. Das wurde auch Zeit, weiß Prof. Frick, der Versäumnisse nach den Erfolgen der deutschen Nationalelf und in der Champions League in den 1990er Jahren sieht. Damals war die Bereitschaft der Liga, international tätig zu werden noch nicht vorhanden, gab auch Rummenigge zu.

Als probates Mittel, die Bekanntheit im Ausland zu expandieren, sieht Rummenigge verstärkte Präsenz in den entsprechenden Ländern. Inzwischen seien die Trainer auch bereit, solche Reisen in das Vorbereitungsprogramm der Profis zu integrieren. Pep Guardiola kenne das aus Barcelona gar nicht anders, so Rummenigge, der erzählte, dass er einst sechs Anläufe brauchte, um Jupp Heynckes einen China-Trip schmackhaft zu machen. Schlussendlich war aber auch der Trainer-Routinier mit dem Ausflug nach Fernost zufrieden.

Rummenigge berichtete von abenteuerlich anmutenden Versuchen, die Bekanntheit des FC Bayern in Asien zu steigern. So habe Uli Hoeneß einst die komplette Scouting-Abteilung für vier Wochen nach China beordert, um einen chinesischen Spieler für den Profi-Kader zu rekrutieren. Doch die Bayern wurden trotz aller Anstrengungen nicht fündig. Dass solche Ansätze durchaus funktionieren können, beweist der 1. FC Nürnberg, der mit der Verpflichtung von Hiroshi Kiyotake und Makoto Hasebe in Japan seine Bekanntheit - und damit die der gesamten Bundesliga - deutlich steigern konnte.

Während Meyer und Rummenigge Reisen in der Vorbereitung durchaus positiv gegenüberstehen, können sie sich für den Vorschlag von Prof. Frick, Bundesligaspiele in China oder den USA auszutragen, überhaupt nicht begeistern. "Kulturwandel ist gut, aber wir wollen keinen Kulturschock", erwiderte der Bayern-Boss, der dafür plädierte, den Saisonauftakt zwei Wochen nach hinten zu schieben, um den Klubs Zeit für Auslandsreisen zu verschaffen. Ein durchaus lukrativer Nebeneffekt von mehr TV-Präsenz im Ausland sind steigende Merchandising-Umsätze. Diese belaufen sich beim FC Bayern laut Rummenigge inzwischen auf über 80 Millionen Euro.

Financial Fairplay als Chance

Die Münchner beobachten sehr genau, wie sich die Pläne von UEFA-Präsident Michel Platini in Bezug auf das Projekt Financial Fairplay entwickeln. Für die überwiegend finanziell gesunden Klubs der Bundesliga sei es ein großer Fortschritt, wenn alle Klubs nicht mehr ausgeben dürfen, als sie einnehmen. Gerade in Paris und Monaco mit ihren schwerreichen Investoren hält man sich an solche Kriterien nicht, weiß Rummenigge. "Bayern ist der einzige Top-Ten-Klub in Europa, der noch profitabel arbeitet. Alle anderen sind sportlich sehr gut, aber der einzige Klub der Erfolg hat und diesen Erfolg auch bezahlen kann, ist Bayern München. Die Pay-Roll von Paris St. Germain liegt sicher über 300 Millionen Euro. So oft kann man gar nicht nach China oder in die USA fliegen, um das zu refinanzieren." Lesen Sie in der Donnerstagausgabe des kicker das Interview der Woche zum Rückrundenstart mit Karl-Heinz Rummenigge.