Bundesliga

Union Berlin, Ruhnert: "Können nicht von Skandal rassistischer Art ausgehen"

Union-Manager nimmt Hübner in Schutz - Teams "wiederholt unter der Gürtellinie"

Ruhnert: "Wir können nicht von einem Skandal rassistischer Art ausgehen"

Nimmt Florian Hübner in Schutz: Union-Manager Oliver Ruhnert.

Nimmt Florian Hübner in Schutz: Union-Manager Oliver Ruhnert. Getty Images

Ruhnert stellte am Samstagmittag in einer Medienrunde zunächst klar, dass der 1. FC Union Rassismus verurteile. Dann widersprach der Manager der Eisernen der Darstellung, dass Amiri am Freitagabend rassistisch beleidigt worden sei. "Ich glaube, dass es vielleicht ein bisschen überinterpretiert war und wir nicht wirklich von einem Skandal rassistischer Art ausgehen können. Im Eifer des Gefechts sind möglicherweis Dinge anders wahrgenommen worden, als sie gefallen sind", sagte der 49-Jährige und erklärte: "Bei dem angesprochenen Spieler ist es mit Rassismus ohnehin relativ schwierig. Er ist bekanntlich mit einer Frau liiert, die zumindest von der Hautfarbe anders ist als weiß. Es ist schwierig, ihm da was anzudichten."

Ruhnert: Hübner bestreitet Äußerung

Den Namen des beschuldigten Profis nannten weder Ruhnert noch die beiden Klubs. Erst der DFB, der Ermittlungen aufgenommen hat, veröffentlichte den Namen von Florian Hübner. Unions Abwehrspieler, dessen Frau indische Wurzeln hat, wird beschuldigt, Amiri als "scheiß Afghane" beschimpft zu haben. Dazu sagte Ruhnert: "Mein Kenntnisstand ist, dass dieser Begriff nicht gefallen ist. Der Spieler hat gesagt, er hat sich so nicht geäußert." Konsequenzen für Hübner könne es daher auch nur geben, "wenn was gewesen ist". Das wird nun der Kontrollausschuss des DFB versuchen zu ermitteln. "Warten wir mal ab, was da passiert", sagte Ruhnert.

Spielersteckbrief F. Hübner
F. Hübner

Hübner Florian

Spielersteckbrief Amiri
Amiri

Amiri Nadiem

Bayer 04 Leverkusen - Vereinsdaten
Bayer 04 Leverkusen

Gründungsdatum

01.07.1904

Vereinsfarben

Rot-Weiß-Schwarz

1. FC Union Berlin - Vereinsdaten
1. FC Union Berlin

Gründungsdatum

20.01.1966

Vereinsfarben

Rot-Weiß

Zudem erklärte der Manager des 1. FC Union, dass er den strittigen Vorfall nicht persönlich mitbekommen habe. Wie die meisten anderen habe auch er erst durch das Interview von Jonathan Tah davon erfahren, der die Sache nach Leverkusens Niederlage bei DAZN publik gemacht hatte. Ruhnerts Äußerungen am Tag danach lassen den Schluss zu, dass der Manager der Eisernen dieses Vorgehen bei einem derart sensiblen Thema offenbar für mindestens unglücklich hält.

Wiederholte Äußerungen "unter die Gürtellinie"

"Was da zwischen den Spielern abgelaufen ist, kann ich nicht bewerten. Das ist dann eher Hörensagen. Das kann sicherlich auch der Spieler, der es hinterher vor der Kamera geäußert hat, auch nur als Hörensagen wahrgenommen haben. Dadurch wird es, wenn es so gewesen wäre, nicht besser. Aber es ist eine Vermutung und uns nicht bekannt", sagte Ruhnert und ergänzte: "Wir reden von einer Aussage eines Spielers, die nach dem Spiel gefallen ist, der irgendwo was weitergegeben hat. Ohne das zu negieren - ich war nicht dabei, ich habe es nicht mitbekommen -, aber man muss auch immer sagen, da gehören immer zwei dazu."

Ruhnert, der in seiner Heimat Iserlohn für die Linkspartei tätig ist, sprach von einem sehr intensiven, hitzigen und emotionalen Spiel am Freitagabend zwischen beiden Teams, in dem es wiederholt zu Äußerungen gekommen sein soll, die unter die Gürtellinie gegangen seien. "Da gehörten insgesamt einige Dinge nicht hin. Da waren einige Scharmützel", so Ruhnert, der außerdem davon sprach, dass entsprechende Beiträge auch von mindestens einem Spieler gekommen seien, "der nicht unbedingt unser Trikot angehabt hat". Ruhnert sagte das nicht, aber angeblich soll auch Hübner beleidigt worden sein. In jedem Fall sei es "verbal sehr deutlich" zur Sache gegangen, erklärte Ruhnert.

"Man hat sich gegenseitig entschuldigt für bestimmte Dinge"

Dass Bayer Leverkusen am Samstagvormittag, kurz vor der Medienrunde mit Ruhnert, mitteilte, dass "der von einer persönlichen Beleidigung betroffene Leverkusener Profi Nadiem Amiri die Entschuldigung eines Berliner Spielers angenommen" habe, nahm Ruhnert überrascht zur Kenntnis. Außerdem widersprach er auch dieser Darstellung. "Die Meldung von Bayer Leverkusen kenne ich nicht. Man hat sich gegenseitig entschuldigt für bestimmte Dinge. So habe ich es gehört", kommentierte Ruhnert, der betonte: "Zwischen Bayer und uns ist alles in Ordnung. Die Dinge, die da waren, sind nach dem Spiel ausgeräumt worden."

Allerdings überrascht die, folgt man Ruhnert, schlecht abgestimmte Kommunikation zwischen den Beteiligten. Diese wirft weitere Fragen auf. Möglicherweise kann diese und andere das DFB-Verfahren klären.

Jan Reinold