Int. Fußball

Antonio Rüdiger emotional: "Der Rassismus hat gewonnen"

Deutliche Worte des Chelsea-Verteidigers

Rüdiger emotional: "Der Rassismus hat gewonnen"

"Und am Ende bin ich der Buhmann": Antonio Rüdiger.

"Und am Ende bin ich der Buhmann": Antonio Rüdiger. picture alliance

Der FC Chelsea hat seine Bayern-Generalprobe gegen Tottenham gewonnen, für Antonio Rüdiger war das Heimspiel am Samstag aber kein rundum gelungenes Erlebnis: weniger weil ihm ein Eigentor zum 2:1-Endstand unterlief, sondern weil er teilweise ausgebuht wurde - und das offenbar mit den Ereignissen im Hinspiel zu tun hatte.

Nach dem 2:0-Auswärtssieg bei den Spurs am 22. Dezember hatte der Innenverteidiger beklagt, von den Rängen rassistisch beleidigt worden zu sein. Doch weil Tottenham keine Beweise dafür finden konnte, wurde der Fall abgeschlossen und niemand bestraft. Das wühlt Rüdiger immer noch auf.

"Der Rassismus hat gewonnen", sagte er bei "Sky". "Es zeigt einfach, dass diese Leute gewinnen. Und am Ende wird man ausgebuht, weil man seine Stimme erhebt" - während die Täter von damals "wieder ins Stadion gehen" könnten. "Sie werden nicht bestraft, und am Ende bin ich der Buhmann", so Rüdiger.

"Wenn nicht gehandelt wird, haben wir verloren"

"Das heißt nicht, dass ich aufgebe oder nicht mehr meine Stimme erhebe. Ich werde immer meine Stimme erheben! Aber in der Hinsicht bin ich alleine." Er spüre zwar auch Unterstützung, aber Worte und Taten seien unterschiedliche Dinge. "Ob ich jetzt einen Instagram- oder Twitter-Post mache: Was hilft das?"

Rüdiger ist verzweifelt und denkt auch an seinen gerade geborenen Sohn Djamal Sahr. "Es ist eine Katastrophe. Am Donnerstag habe ich ein Kind bekommen, und man denkt nach. So, wie wir heute stehen, wird höchstwahrscheinlich auch mein Kind leiden", fürchtet er. "Wenn nicht gehandelt wird, wenn die kleinen Kinder keine gute Ausbildung und zuhause keine gute Erziehung bekommen, haben wir verloren. Da muss man ehrlich sein."

"Erst Torunarigha, dann Kwadwo - und dann gibt's Tote"

Eine Tat wie jene am Mittwochabend in Hanau sei "das Endprodukt", so Rüdiger: "Erst Torunarigha, dann Kwadwo - und dann gibt's Tote." Die Fußballprofis Jordan Torunarigha (Hertha BSC) und Leroy Kwadwo (Würzburger Kickers) waren unlängst in Deutschland Opfer rassistischer Beleidigungen geworden.

"Jeder sollte bei sich zuhause anfangen, erst dann sollte man über andere reden", rät Rüdiger. "Denn kein Land hat irgendwas im Griff."

jpe