Bundesliga

Rückblick und Angriff: Die Lage beim FC Bayern

So lief 2018, das wartet 2019

Rückblick und Angriff: Die Lage bei den Bayern

2019 warten weitere Herausforderungen: Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge.

2019 warten weitere Herausforderungen: Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge. imago

Ob Supercup oder DFB-Pokal, Champions League oder Liga: Im Spätsommer war der FC Bayern erst einmal nicht aufzuhalten. Nach sieben Siegen fürchtete mancher Ligavertreter schon den nächsten Durchmarsch des Abo-Meisters - die Bayern aber bremsten sich selbst. Ein paar Profis meinten, es ginge von allein, und schenkten den oft einfach wirkenden Aufgaben nicht die hundertprozentige Aufmerksamkeit. Zudem griff der neue Trainer Niko Kovac zur Rotation, um die Stimmung bei allen Kadermitgliedern hochzuhalten.

Sportliche Krise und denkwürdige Pressekonferenz

Die Folge der eigenen Fehler: ein später 1:1-Ausgleichstreffer gegen Augsburg und der Beginn einer Bayern-Krise, die man so lange nicht mehr gesehen und in der Saison 2018/19 nicht für möglich gehalten hatte. Inspirationslose Auftritte gegen Mönchengladbach (0:3), Freiburg (1:1) oder Düsseldorf (3:3); glückliche Remis in den beiden Königsklassen-Duellen mit Ajax Amsterdam (1:1, 3:3); und ein trotz zweimaliger Führung verspielter Giganten-Gipfel in Dortmund (2:3): So sah der FC Bayern - sportlich - im Herbst des Jahres 2018 aus.

Abseits des Feldes lieferten die Bosse in jener Phase den Aufreger schlechthin. Eine Pressekonferenz mit Präsident Uli Hoeneß, Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Sportdirektor Hasan Salihamidzic wurde einberufen und bereits nach fünf Minuten als "denkwürdig" und "legendär" betitelt.

Kovac kündigt dem BVB einen "erbitterten Kampf" an

Zwar gelang es den Bayern daraufhin kurzfristig, wieder Punkte zu sammeln, die fußballerische Leichtigkeit aber war bei Weitem noch nicht zurück. Das dauerte. Mit dem Rücken zur Wand musste Kovac Dinge ändern. Es gab viele Gespräche an der Säbener Straße - zwischen den Bossen und dem Trainer-Team, zwischen Trainer und Spielern, zwischen Spielern und Chefs, mit allen gemeinsam. Klar war: Die Mannschaft und der Coach mussten liefern. Kovac greift seither konsequenter durch, nimmt keine Rücksicht mehr auf persönliche Eitelkeiten und verzichtet auf Wechsel des guten Willens. Es war das Ende der Rotation.

Und die Maßnahme scheint zu fruchten: Vom 3:3 in Amsterdam abgesehen fand der Rekordmeister langsam zurück zu alter Stärke: erst glanzlos in Bremen (2:1), dann locker in Hannover (4:0) und gegen Nürnberg (3:0) und zum Abschluss wieder Top-Form. Mit den Siegen gegen Leipzig (1:0) und Frankfurt (3:0) meldeten sich die Bayern zurück im Titelrennen, das Spitzenreiter Dortmund noch mit sechs Zählern Vorsprung anführt. Für die Rückrunde kündigte Kovac "einen erbitterten Kampf" an, den die Münchner dem schwarz-gelben Rivalen liefern möchten.

Bayern beschäftigen sich intensiv mit Hernandez und Hudson-Odoi

Womöglich sogar mit Neuzugängen. Alphonso Davies, der 18-jährige Offensivallrounder aus Kanada, ist schon in München und steht dem Rekordmeister für die zweite Saisonhälfte zur Verfügung. Zudem beschäftigen sich die Bayern-Macher intensiv mit Weltmeister Lucas Hernandez (22, Atletico Madrid) und Callum Hudson-Odoi (18, Chelsea). Letzterer, von Salihamidzic schon länger beobachtet, fühlt sich auf dem linken Flügel beheimatet, Hernandez könnte links und im Zentrum die Abwehr verstärken. Mit beiden sind im Januar weitere Gespräche angedacht.

Die drei Phasen des Umbruchs - Bayern wird investieren

Sportdirektor Salihamidzic arbeitet in der bundesligafreien Winterzeit weiter daran, den Kader zu verjüngen. Ein Prozess, der Geduld braucht, aber dringend notwendig ist. Höchstens drei Phasen sind dafür vorgesehen, wie Vorstandschef Rummenigge dem kicker erzählte: "Umbruch-Phase 1 haben wir mit der aktuellen, nicht geringen Anzahl von jungen Spielern bereits eingeleitet. In Phase 2 werden wir sehen, ob wir im Winter etwas machen. Sie wird vor allem im kommenden Sommer stattfinden. Falls eine dritte Phase nötig ist, wäre es das Jahr danach."

Heißt: Spätestens nach dieser Saison will der FC Bayern im großen Stil in neue Gesichter investieren. Auf der Liste stehen unter anderem ein Innenverteidiger (mit Benjamin Pavard kommt bereits ein Außenverteidiger) und ein Flügelflitzer, alles andere "soll unser Geheimnis bleiben, sonst steigen die Preise zu stark", so Rummenigge. Eine Grenze für Ausgaben haben sich die Bayern nicht gesetzt. Man will Qualität.

Robben sagt Servus - Martinez muss sich beweisen

Das wiederum bedeutet auch, dass nicht jeder langjährige Bayern-Profi 2019/20 noch da sein wird. Arjen Robben hat seinen Abschied schon bekanntgegeben, Rafinha seinen angedeutet. Franck Ribery würde wohl gerne noch ein Jahr dranhängen. Und Javi Martinez muss 2019 beweisen, dass er den Ansprüchen des verjüngten FCB noch genügt. Eine Bayern-Zukunft von Renato Sanches ist ebenso ungewiss.

Auf die Münchner wartet also ein spannendes und ein herausforderndes Jahr 2019. Sportlich wollen sie den BVB nochmals angreifen, personaltechnisch den Transfermarkt. Glückt der Umbruch auf dem Feld, werden sich die Bosse um die Neuausrichtung der Führungsetage kümmern. Auch die soll im neuen Jahr vorangetrieben werden.

Georg Holzner