DFB-Pokal

Roses Spielidee in Gladbach - Welche BVB-Profis profitieren könnten

Gladbachs Coach trifft auf seinen künftigen Arbeitgeber

Roses Spielidee in der Analyse - und welche BVB-Profis profitieren könnten

Marco Rose wird im Sommer von Gladbach nach Dortmund wechseln - geht seine Spielidee auch beim BVB auf?

Marco Rose wird im Sommer von Gladbach nach Dortmund wechseln - geht seine Spielidee auch beim BVB auf? Getty Images

Heute Abend (20.45 Uhr, LIVE! bei kicker und im Free-TV) empfängt Marco Rose im DFB-Pokal-Viertelfinale seinen zukünftigen Arbeitgeber Borussia Dortmund. Grund genug, die taktische Herangehensweise des Trainers abseits der klassischen Systemdiskussion genauer zu betrachten und auch im Vorfeld auszuloten, welche Spieler des BVB eine Schlüsselrolle in Roses Spielphilosophie spielen könnten. Worauf darf sich der BVB-Fan für nächste Saison einstellen? Auf einen Rose-Fußball aus dieser oder aus letzter Saison? Und: Sind nach den Veränderungen der Spielweise seit Roses Dienstantritt inzwischen wieder alte Muster aus der Hecking-Zeit der Saison 2018/19 zu erkennen?

In dieser Saison setzt Gladbach häufiger auf Fernschüsse

Generell versucht Gladbach unter Trainer Rose, Angriffe konsequent durchzuziehen. Ist das gegnerische Drittel bereits erreicht, wollen die Fohlen auch schnell zum Abschluss kommen. Querpässe werden in der gegnerischen Hälfte bis zum Strafraum gerne vermieden und bevorzugt von der Grundlinie in den Strafraum gespielt.

Hierfür muss die Strafraumbesetzung passen: Je ein Spieler am ersten und zweiten Pfosten sowie ein Spieler im Rücken der Abwehr - so stellt es sich der Trainer vor, und das hat 2019/20 noch sehr gut geklappt. Diese Saison jedoch kommen die Gladbacher immer seltener in diese Positionen. Die Positionen im Strafraum, in denen die Torwahrscheinlichkeit am höchsten ist, werden seltener bespielt. Stattdessen setzen die Gladbacher häufiger Fernschüsse ein, die jedoch eine deutlich geringere Wahrscheinlichkeit auf einen Torerfolg haben. Das resultiert schließlich darin, dass aktuell prozentual weniger Tore im Sechzehner erzielt werden als es noch in der letzten Saison der Fall war. Damals hatte Gladbach ligaweit den höchsten Anteilen an Toren innerhalb des Strafraums.

Statsbomb: Die letzten drei Gladbacher Saisons im Vergleich

Die Entwicklung der Gladbacher Spielanlage in den vergangenen drei Jahren. StatsBomb

Ein weiteres Mittel, zu dem Rose nach wie vor greift, sind die Flanken durch die Außenverteidiger aus dem Halbfeld hinter die Abwehr. In der laufenden Saison macht dies sogar die absolute Mehrheit der Bälle in den Strafraum von den Außenpositionen aus (bevorzugt von der rechten Seite), während es in der vorigen Saison noch die Flanken von der Grundlinie waren. Das Gladbacher Spiel ist für die Gegner so etwas einfacher auszurechnen.

Die Außenverteidiger als Aufbauspieler

Die Außenverteidiger spielen eine wichtige Rolle in Roses Spielsystem. Nicht ein spielstarker Sechser oder Achter ist der primäre Aufbauspieler, sondern die Außenverteidiger starten meist das Vertikalspiel und beackern fast ausschließlich alleine die Außenpositionen im ruhigen Spielaufbau. Als Empfänger fungieren dann entweder die Achter oder eben die Stürmer wie Plea, Embolo oder Thuram auf der jeweiligen Seite.

kicker.tv Hintergrund

Gladbach gegen Dortmund unter Druck - "Gezeigt, dass wir sie schlagen können"

alle Videos in der Übersicht

In der vergangenen Saison ging es dann von hier deutlich häufiger weiter geradlinig nach vorne, während aktuell des Öfteren ein Querpass folgt. Insgesamt war das Gladbacher Spiel 2019/20 direkter und mit mehr eigenen Drucksituationen ausgestattet, aus denen dann auch häufiger eine Torchance resultierte. In dieser Saison jedoch hat Gladbach sogar noch weniger Schüsse nach erfolgreichem Pressing abgegeben als unter dem im Sommer 2019 ausgeschiedenen Dieter Hecking.

Zielspieler Hofmann - Achter und Zehner entscheidend

Jonas Hofmann

Schlüsselrolle bei Kontersituationen: Gladbachs Mittelfeldlenker Jonas Hofmann. imago images

Gesteigert hat die Borussia dagegen die Zahl der Schüsse nach Kontern. Diese Kontersituationen werden häufig durch das Zentrum gespielt, wo besonders Jonas Hofmann ein absoluter Zielspieler ist. Ausgestattet mit Technik, einem guten Antritt sowie einer nimmermüden Laufleistung treibt er den Ball zwischen den gegnerischen Linien nach vorne. Da ein schnelles Umschalten durch das Zentrum am besten möglich ist, spielen intelligente, kreative Achter und Zehner eine weitere Schlüsselrolle in Roses Spielidee. Nicht zuletzt deshalb sind die Top-Scorer in Gladbachs Reihen mit Lars Stindl und Hofmann zentrale Akteure.

Trotz oder gerade ob der technischen Raffinesse, die in Gladbachs Offensivreihe vorhanden ist, sollten Konter nur ein Mittel der Wahl von mehreren darstellen, um dem Gegner gefährlich zu werden. Derzeit scheinen jedoch der Fohlenelf die Kreativität und Ideen zu fehlen, um aus dem Spiel nach Spielaufbau selbst Chancen kreieren zu können. Knapp die Hälfte der erzielten Tore in dieser Saison sind Tore nach Standards.

Marco Reus und Marco Rose

Marcos unter sich: Reus (li.) könnte in der Spielanlage seines künftigen Trainer Rose ganz besonders wichtig werden. imago images

Aufgrund der Spielphilosophie, die im ruhigen Spielaufbau die Außenverteidiger stark einbindet, in Umschaltmomenten jedoch den Weg durch das Zentrum sucht, kann festgehalten werden, dass diese Positionen elementar für Roses Spielsystem sind.

In Dortmund könnte Reus zu Roses Schlüsselfigur werden

In Dortmund könnte also Marco Reus ein sehr entscheidender Mann werden. Er verfügt über die starke Ballverarbeitung, die im Zentrum notwendig ist, um sich geschickt aus gegnerischem Druck zu lösen. Hinzu kommt der Blick für den Mitspieler und auch Torgefährlichkeit. Alles Dinge, die im Umschaltspiel wichtig sein könnten. Dank dieser Fertigkeiten ist es möglich, dass Reus eine ähnliche Rolle einnehmen könnte wie Hofmann derzeit in Gladbach. Alternativ und perspektivisch steht auch ein Giovanni Reyna bereit, der ganz ähnliche Qualitäten aufweist.

Und auch Jude Bellingham könnte in seinem zweiten Jahr beim BVB trotz seines jungen Alters ein wichtiger Baustein werden. Bereits jetzt taucht er immer wieder durch kluge Laufwege im gegnerischen Strafraum auf, um Bälle von der Grundlinie in die Mitte zu spielen. Daneben ist er ein starker Spieler in Pressingmomenten und zeigt somit schon zwei Elemente, denen Rose in seiner Spielidee großen Wert beimisst.

Steffen Geyer