Bundesliga

Rönnow-Herausforderer Grill: "Noch nichts in Stein gemeißelt"

Union-Keeper lobt "gutes Miteinander"

Rönnow-Herausforderer Grill: "Noch nichts in Stein gemeißelt"

Neu im Union-Trikot: Lennart Grill.

Neu im Union-Trikot: Lennart Grill. IMAGO/Matthias Koch

Für ein Jahr ist der ehemalige U-21-Nationalkeeper von Bayer Leverkusen an die Eisernen ausgeliehen, um den nächsten Schritt in der Karriere zu gehen. Das soll bedeuten, dass Grill idealerweise deutlich mehr Spielzeit erhält als bei Bayer, wo er in den vergangenen zwei Jahren (ein halbes davon war er nach Norwegen zu Brann Bergen ausgeliehen) lediglich auf fünf Bundesliga-Einsätze kam. Union habe ihn mit der Perspektive überzeugt, "dass die Chance auf jeden Fall da ist, Spielzeit zu kriegen, was in Leverkusen nicht mehr so häufig der Fall war", so Grill, "gerade in meinem Alter ist es wichtig, möglichst viel Spielzeit auf möglichst hohem Niveau zu kriegen".

Die ersten Tage bei seinem neuen Klub beschreibt der 1,92 Meter große und 84 Kilo schwere Torwart als "einen guten Start", und in der Torhüter-Riege mit Frederik Rönnow, Jakob Busk und Nachwuchsmann Yannic Stein (17) sowie Torwart-Trainer Michael Gspurning fühlt er sich wohl. Es sei ein "gutes Miteinander", was Grill aber als normal empfindet: "Die Zeiten sind vorbei, in denen man sich bekämpft hat."

Grill hofft auf ein "offenes Ding"

Nun ist es allerdings nicht so, dass der aus Idar-Oberstein in der Pfalz stammende Keeper ohne Ambitionen nach Berlin gekommen wäre. Rönnow soll bei Union zwar als Nummer 1 in die neue Saison gehen, doch Grill ist als ernsthafter Herausforderer des Dänen eingeplant. "Ich geh mal von aus, dass noch nichts in Stein gemeißelt ist. Klar, jeder hat seine Ansprüche, aber ich hoffe, es ist ein offenes Ding", sagt der neue Mann. Sein Anspruch sei es "natürlich, so viele Spiele wie möglich zu machen", ergänzt er, "aber den Anspruch hat jeder. Es gilt, darum zu kämpfen, und dann werden wir sehen, was dabei rumkommt."

Mit den Eisernen stand Grill indes bereits vor einem Jahr in Kontakt, auch wenn er die Annäherung heute im Rückblick als "noch relativ lose" bezeichnet, weil Union im Juli 2021 mit Rönnow bereits sehr weit war und es ja auch noch Andreas Luthe gab. Letzterer ist mittlerweile zum 1. FC Kaiserslautern gewechselt, jenem Klub, bei dem Grill ausgebildet wurde und unter dem legendären Ex-Torwart-Trainer Gerald Ehrmann trainierte. Neben einem harten Lehrmeister sei Ehrmann für ihn eine "extreme Vaterfigur" gewesen, so Grill, "die Art und Weise, wie er gerade in jungen Jahren einen Torwart prägt und auch den Mut hat, einen jungen Torwart reinzustellen, das gibt einem enorm was mit."

Brann Bergen als wichtige Erfahrung

Auch die viermonatige Leihe zu Brann Bergen (August bis Dezember 2021) habe ihn deutlich vorangebracht, bekennt Grill. "Norwegen war super dafür, um Spielpraxis zu kriegen. Ohne die Spiele weiß ich nicht, ob ich die Entwicklung genommen hätte im letzten Jahr. Und für die Persönlichkeitsentwicklung ist eine Auslandserfahrung noch mal etwas ganz Anderes."

Künftig spielt Grill nun in der Hauptstadt, und dabei soll ihm das Beispiel Rönnow auch Mut machen. Der Däne trat die vergangene Saison als Nummer 2 hinter Luthe an, ehe er in der Endphase seine Chance nutzte, als Luthe angeschlagen war.  Dass Rönnow nach fünf Einsätzen in Folge an den letzten beiden Spieltagen selbst verletzt war, war Pech. "Das ist ein positiver Faktor für einen Torhüter, wenn man sieht: Wenn man im Training und in den Spielen, die man kriegt, seine Leistung bringt, dass man dann auch öfter seine Chance bekommt", sagt Grill mit Blick auf die Situation bei Union in der Saison 2021/22.

Der Keeper, der seine Stärken im Eins-gegen-eins und im Coachingverhalten sieht, hätte nichts dagegen, wenn er im Laufe der Saison ebenfalls die Chance bekäme, die Nummer 1 zu werden.

Andreas Hunzinger

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