Bundesliga

Marco Richter: "Herthas Kader verspricht Großes"

Der Berliner Neuzugang über Wechsel, Wunschposition und Nationalelf

Richter: "Herthas Kader verspricht Großes"

Große Vorfreude auf die Saison bei Hertha: Marco Richter (Mi.).

Große Vorfreude auf die Saison bei Hertha: Marco Richter (Mi.). imago images/Matthias Koch

Mit knapp 15 sortierte ihn 2012 der FC Bayern aus. Nach neun Jahren beim FC Augsburg ist Marco Richter, an dem in den Vorjahren unter anderen Borussia Mönchengladbach und der 1. FC Köln großes Interesse gezeigt hatten, jetzt erstmals in seiner Profi-Karriere gewechselt. Sieben Millionen Euro Sockelablöse ließ sich Hertha den Neuzugang kosten. Der Offensiv-Allrounder strebt für sich an, was bei Hertha insgesamt die große Überschrift für die neue Saison ist: mehr Stabilität - und bislang brachliegendes Potenzial nutzen. Nach der nichtöffentlichen Trainingseinheit am Donnerstag sprach Richter in einer Medienrunde über …

… seine ersten Eindrücke von Hertha: "Den einen oder anderen meiner neuen Mitspieler kannte ich schon aus den U-Nationalmannschaften. Mit Maxi Mittelstädt hatte ich schon früher regelmäßig Kontakt. Mir gefällt alles sehr gut. Es ist alles ein bisschen größer als in Augsburg, aber daran werde ich mich schnell gewöhnen. Von der Stadt kenn‘ ich noch nicht so viel. Ich war mal auf Klassenfahrt in Berlin, für drei, vier Tage. Ich möchte hier schon einige Orte besuchen. Aber jetzt steht erstmal die Wohnungssuche ganz oben."

Spielersteckbrief M. Richter
M. Richter

Richter Marco

… seinen Wechsel: "In den letzten Jahren waren immer mal wieder Anfragen für mich da, aber der Wechsel jetzt kommt zur richtigen Zeit. Die ersten Gespräche zwischen meinem Berater und dem Verein waren gegen Ende der Japan-Reise (Olympische Spiele, d. Red.). Da ging es dann los. Dann waren es sehr turbulente, aufregende Tage. Mal war es kurz davor, dann wieder eher nicht, dann wieder kurz davor. Es ist mein erster Wechsel im Profi-Bereich, deshalb war alles vorher sehr angespannt von meiner Seite. Das war ein Schritt, den ich unbedingt machen wollte. Als es dann so weit war, war ich sehr happy. Jordan (Hertha-Profi Jordan Torunarigha, d. Red.) habe ich während Olympia kleinere Fragen gestellt zu Hertha, aber ich wollte es schon eher für mich behalten. Ich glaube, er hat es nicht so gecheckt, aber er hat sich umso mehr gefreut, als ich dann in der Kabine stand (lacht)."

… Olympia: "Ich habe ein paar Tage gebraucht, um das abzuhaken. Man fliegt da ja nicht hin, um in der Gruppenphase auszuscheiden. Die Bedingungen - auch mit dem Kader - waren schwierig. Wir wollten es trotzdem annehmen und das Beste geben. Das haben wir gemacht, so gut wir konnten."

Cunhas Goldmedaille: "Die wollte ich nicht sehen"

… die Goldmedaille von Matheus Cunha: "Die hat er in der Kabine nicht gezeigt, aber die wollte ich auch nicht sehen (lächelt). Wir haben ja 2:4 verloren gegen Brasilien. Für ihn freut es mich riesig. Matheus ist ein entspannter, geiler Typ, wir haben uns auch bei Olympia kurz unterhalten. Ich gönn’s ihm, aber hier in der Kabine die Goldmedaille zu präsentieren, das wäre nicht das Beste gewesen."

… die Aufgabe in Berlin: "Mich hat alles an Hertha gereizt. Ich wollte auf jeden Fall den nächsten Schritt machen. Die Gespräche am Telefon waren sehr gut, ich war schnell überzeugt. Berlin ist die Hauptstadt, Hertha ein geiler Verein mit einem geilen Team und einem Top-Trainer. Ich wollte unbedingt hierhin, da gab es auch keinen Plan B. Gut, dass es geklappt hat. Jetzt will ich so schnell wie möglich reinkommen, hoffentlich schon am Sonntag. Ich hatte bei Olympia ein bisschen Oberschenkelprobleme, die sind vollständig weg. Ich fühle mich sehr gut."

… Herthas Kader: "Jordan hat mir gesagt, dass es nach den letzten zwei Jahren, die nicht so prickelnd waren, eine große Veränderung geben soll und dass er ein gutes Gefühl hat. Ich denke auch, dass die letzten ein, zwei Jahre nicht so gut waren und wir jetzt erstmal eine gewisse Stabilität reinbringen wollen. Ich glaube, der Kader verspricht Großes. Wir haben Super-Einzelspieler dabei. Ich glaube, dass das Team in den nächsten Tagen noch enger zusammenrücken wird. Ich glaube auf jeden Fall, dass etwas Gutes passieren kann."

Wohnungstausch mit Maier?

… den im Gegenzug nach Augsburg gewechselten Arne Maier: "Ich hätte mich gefreut, wenn er noch hier gewesen wäre. Wir haben uns super verstanden bei Olympia und bei der U-21-EM in Italien (2019, Deutschland wurde Vize-Europameister, d. Red.). Wir waren im Austausch, jeder hat dem anderen Glück gewünscht. Wir haben uns auch ein bisschen über die Wohnungen ausgetauscht. Vielleicht geht er in meine, ich in seine. Wir haben ein gutes Verhältnis, aber so ist der Fußball."

… seine stärkste Position: "Offensiv traue ich mir alles zu, ob rechts, links, in der Mitte. Lieblingsposition ist der Zehner. Aber ich versuche, immer dort Vollgas zu geben, wo der Trainer mich haben will. Da gehört auch die Außenbahn dazu, ganz klar."

… seine Entwicklung: "Ich habe jetzt 97 Bundesliga-Spiele. Ich hab‘ mir tatsächlich mehr Tore, Assists und Einsatzminuten vor allem in der letzten Saison erhofft. Das ist nicht mein Anspruch. Da will ich den nächsten Schritt machen. Jetzt der Wechsel zu einem großen Klub kommt genau richtig. Ich will überall besser werden und kann überall noch ein bisschen draufpacken. So, wie ich das Trainerteam hier kennengelernt habe, werden die mich richtig pushen und alles aus mir herausholen."

Augsburg "hat mein Papa mit eingefädelt"

… die Ausmusterung im Nachwuchs des FC Bayern: "Heute kann man sagen: alles richtig gemacht. Aber damals war das eine sehr schwierige Phase. Ich bin dann mit knapp 15 nach dem Ende bei Bayern zum FC Augsburg gegangen. Der FCA war nicht der größte Name in Deutschland, aber ich war dankbar, dass sie mich direkt genommen haben. Das hat mein Papa mit eingefädelt, der Trainer der U 9/U 10 war beim FCA. Da lief für mich erstmal auch nicht alles rund, ich bin dann später unter Manuel Baum hoch zu den Profis gerutscht. Bis auf das letzte Jahr unter Heiko Herrlich hatte ich immer relativ viel Spielzeit."

… das Fernziel A-Nationalmannschaft: "Ich habe für Deutschland bei der U-21-EM und Olympia gespielt. Auf jeden Fall ist die A-Nationalmannschaft ein großes Ziel für mich. Bei Hertha will ich mit guten Leistungen auf mich aufmerksam machen."

… den Liga-Start am Sonntag in Köln: "Es kribbelt unglaublich, das kann ich nicht in Worte fassen. Es ist etwas Neues mit einer neuen Mannschaft. Ich hoffe natürlich, dass ich dabei bin, auch wenn ich hier erst zwei Trainingstage mitgemacht habe. Ich brenne, ich will Vollgas geben von Anfang an. Köln wird eine eklige Truppe sein, da müssen wir dagegenhalten. Aber Köln ist auf jeden Fall schlagbar. Der Start ist extrem wichtig. Wir haben gute Trainingseinheiten hinter uns mit viel Tempo, viel Kampf. Und so müssen wir das Spiel auch angehen. Köln wird dazwischenhauen. Aber unser einziges Ziel ist es, den Dreier einzufahren."

Aufgezeichnet von Steffen Rohr

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