Bundesliga

Richards erstes Jahr beim FC Bayern in einer surrealen Welt

Bleiben als Ersatz oder wechseln und spielen?

Richards' erstes Jahr in einer surrealen Welt

Omar Richards fühlt sich in München sehr wohl.

Omar Richards fühlt sich in München sehr wohl. IMAGO/ULMER Pressebildagentur

Seine Verpflichtung im vergangenen Sommer kam überraschend. Schließlich bedient sich der FC Bayern nicht all zu oft in der Zweiten Liga Englands. Bei Omar Richards aber war es so. Doch auch der Spieler selbst konnte es anfangs überhaupt nicht glauben, wie er in einem Times-Interview im Februar verriet: "Dann rief mein Berater an und sagte mir, dass Bayern München mich beobachtet, dass sie interessiert sind, und ich dachte: Was? Das kann doch nicht wahr sein." Seinen Agenten, so schilderte es der Außenverteidiger, "hätte ich fast abgewürgt. Ich habe es buchstäblich nicht geglaubt, bis ich ein Zoom-Gespräch mit Bayern geführt habe".

Ich dachte: Was ist hier los? Ich muss in einem Traum sein.

Omar Richards

Als er dann in München ankam, war der 24-Jährige ein weiteres Mal total verblüfft. "All diese Leute, all diese Namen, die ich im Fernsehen gesehen und mit denen ich bei FIFA gespielt hatte, liefen an mir vorbei und klatschten mich ab", erzählte Richards: "Und ich dachte: Was ist hier los? Ich muss in einem Traum sein oder so." War er aber nicht.

Nun, nach einem Jahr in der Realität, wird er Bilanz ziehen. Zwölf Ligaspiele stehen auf der Haben-Seite, viermal durfte er starten, zudem vier Einsätze in der Champions League. Scorerpunkte konnte Richards keine sammeln. Ob er damit zufrieden sein kann?

Richards hat die deutsche Sprach schnell gelernt - eine "Sache des Respekts gegenüber dem Land"

Für einen Spieler, der von der zweiten englischen Liga in die Bundesliga wechselt, ist der FC Bayern natürlich ein riesiger Sprung; ob fußballerisch, medial oder hinsichtlich des Umfelds. Er hat die Herausforderung angenommen, eifrig die deutsche Sprache gelernt. Das sei für ihn eine "Sache des Respekts gegenüber dem Land und den Leuten". Er fühlt sich wohl in Deutschland. "München ist eine wunderschöne Stadt", sagt er: "Ich komme aus dem Süden Londons, hier ist alles anders. Hier ist alles sauberer, mein Leben einfacher."

Die Aufgabe als Back-up auf der Linksverteidiger-Position hat er erfüllt; eine Soforthilfe, und davon konnte niemand vor der Unterschrift des Engländers ausgehen, war er allerdings nicht. Aber seine demütige Art macht ihn im Team beliebt. Auch weil er nicht meckert, keine Ansprüche stellt, sondern seine Rolle annimmt. Jetzt kommt es darauf an, worauf er in Zukunft seinen Fokus legt. Will Richards die drei weiteren Jahre seines bis 2025 laufenden Vertrags erfüllen, dabei als Ersatzprofi auf Spielzeit verzichten, aber auch den Reiz der Champions League und der prominenten Kollegen genießen? Oder möchte er mehr Minuten auf dem Feld - in einer vielleicht weniger surrealen Welt? Mit diesen Fragen wird sich der Brite gewiss über den Sommer intensiv beschäftigen. Wenngleich er strahlend im Vereins-Interview sagt: "Gestern war ich noch in der zweiten englischen Liga und heute spiele ich vor 60.000 Fans. Das ist sehr verrückt, aber auch echt schön."

Georg Holzner

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