Confederations Cup

Ribbecks "furchtbare" Erinnerungen an den Confed Cup

Ex-Bundestrainer feiert am Dienstag seinen 80. Geburtstag

Ribbecks "furchtbare" Erinnerungen an den Confed Cup

Feiert am Dienstag seinen 80. Geburtstag: Erich Ribbeck.

Feiert am Dienstag seinen 80. Geburtstag: Erich Ribbeck. imago

Rot-Weiss Essen, Eintracht Frankfurt, Borussia Dortmund, 1. FC Kaiserslautern, Bayer Leverkusen, Bayern München: Kaum ein großer Verein, bei dem Ribbeck als Trainer nicht unter Vertrag stand. Und eigentlich war seine Trainerkarriere so gut wie beendet, als der DFB 1998 anklopfte und Ribbeck zum Nachfolger von Berti Vogts als Bundestrainer machte.

Doch schon der Start misslang völlig. DFB-Präsident Egidius Braun erklärte bei Ribbecks Vorstellung erst einmal ausführlich, welche Trainer zur Debatte gestanden hatten, Ribbeck saß daneben und nahm's irritiert zur Kenntnis. "Das war natürlich ein katastrophaler Start für mich, zumal ich ja bereits eine Karriere vorzuweisen hatte und nicht als Hilfsarbeiter anfing", erinnert er sich. "Meine Ausgangslage war bescheiden, der deutsche Fußball war an einem Scheideweg."

Und nahm letztlich die falsche Abzweigung. Die DFB-Elf rumpelte sich durch die EM-Qualifikation 2000, musste als amtierender Europameister auch beim Confed Cup 1999 antreten. Für Ribbeck schlicht ein Turnier zum Vergessen. "Ausnahmslos furchtbare" Erinnerungen habe er an die Spiele in Mexiko. "Nach dem Aus bei der EM 2000 war das der Tiefpunkt in meiner Zeit als Nationaltrainer." Gar als "Todeskommando" bezeichnete er das Turnier im Nachhinein, auch wenn er diesen Ausdruck jüngst zurücknahm.

Franz sagte: 'Erich, ist doch auch ganz egal, wen du mitnimmst, Hauptsache, ihr fahrt dahin!'

Erich Ribbeck

Drastische Worte, doch in der Tat reibt man sich verwundert die Augen, wenn man den Ausführungen Ribbecks zuhört. Die Gründe für die Teilnahme seien politischer Natur gewesen, so Ribbeck. "Wenn wir nicht angetreten wären, wäre Deutschland niemals in den Topf mit den Bewerbern für die Austragung der WM 2006 gekommen." Entschieden wurde bei einer Sitzung der Bundesliga-Präsidenten inklusive Franz Beckenbauer allerdings auch, dass Ribbeck von jeder Mannschaft nur drei Spieler mitnehmen durfte. "Da schwante mir schon Böses. Franz sagte in seiner typisch lässigen Art: 'Erich, ist doch auch ganz egal, wen du mitnimmst, Hauptsache, ihr fahrt da hin!' Und ich hatte den Salat."

"Die Deppen der Nation"

In der Tat. Das Turnier startete mit einem 0:4 gegen Brasilien. Laut Ribbeck hatte die Selecao vier Wochen Trainingslager hinter sich, er selbst "musste Spieler wie Heiko Gerber oder Ronald Maul mitnehmen. Nichts gegen die Jungs, tolle Fußballer, aber sie taten mir dennoch leid, weil ich wusste, dass es nicht reichen würde." Die DFB-Elf gewann zwar das zweite Spiel gegen Neuseeland mit 2:0, verlor aber das letzte Duell gegen die USA mit 0:2. Und schon, erinnert sich Ribbeck, "waren wir die Deppen der Nation".

Hängende Köpfe: Markus Babbel, Erich Ribbeck und Jens Jeremies nach dem 0:3 gegen Portugal. Im Hintergrund Wolfgang Niersbach.

Hängende Köpfe: Markus Babbel, Erich Ribbeck und Jens Jeremies nach dem 0:3 gegen Portugal. Im Hintergrund Wolfgang Niersbach. imago

Immerhin gelang Ribbeck später noch die EM-Qualifikation. Doch auch dieses Turnier endete alles andere als erfolgreich. Nach einem 1:1 gegen Rumänien und einem 0:1 gegen England verlor das Team um Kapitän Lothar Matthäus gegen eine portugiesische B-Elf mit 0:3. Es war Ribbecks letztes Spiel als Bundestrainer, der jedoch glaubt, "dass in diesen Jahren auch kein anderer Trainer mehr aus den vorhandenen Möglichkeiten gemacht hätte als ich".

Inzwischen bewertet Ribbeck den Confed Cup übrigens anders. "Löw hat so viele Spieler zur Auswahl und kann das Turnier nutzen, um auf Wettkampf-Niveau die Jungs zu finden, die 2018 den WM-Titel verteidigen sollen." Mit den derzeitigen Möglichkeiten sei er ein "Geschenk für Löw und sein Team". Und eben nicht mehr "ausnahmslos furchtbar" wie noch zu seiner Zeit.

Alex Raack/las

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