DFB-Pokal

BVB: Kapitän Marco Reus entkräftet den ihn begleitenden Vorwurf

BVB-Kapitän überragt im Finale des DFB-Pokals

Reus entkräftet den ihn begleitenden Vorwurf

Er spielte in Berlin am Donnerstagabend groß auf: BVB-Kapitän Marco Reus.

Er spielte in Berlin am Donnerstagabend groß auf: BVB-Kapitän Marco Reus. imago images

Langsam trabte Marco Reus zur Außenlinie. Es liefen die letzten Minuten der angezeigten Nachspielzeit. Dortmunds Kapitän wusste: Das Spiel ist entschieden, die 4:1-Führung seiner Mannschaft holt RB Leipzig in der verbliebenen Spielzeit nicht mehr auf. Der 31-Jährige genoss den Moment sichtlich - und wurde dann, als er an der Bank des BVB angekommen war, erst einmal von Edin Terzic in die Höhe gestemmt.

Der 38-Jährige hatte ein feines Gespür: Jadon Sancho und Erling Haaland hatten zwar jeweils zwei Treffer erzielt, doch es war Reus (kicker-Note 1), der den BVB an diesem Abend zum Sieg führte - und damit den ihn lange begleitenden Vorwurf seiner Kritiker entkräftete, er tauche in großen Spielen ab. Bereits 2017 hatte Reus zwar seinen ersten Titel mit der Borussia gewonnen, doch das damalige DFB-Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt beendete er auf Krücken, weil er sich bereits in der ersten Hälfte das Kreuzband gerissen hatte. Dennoch freute er sich anschließend wie der sprichwörtliche Schneekönig.

Besser, wacher, effektiver hat man Reus selten gesehen

Der Triumph am Donnerstagabend allerdings hatte noch mal eine andere Qualität. Denn diesmal war Reus voll da. Mehrmals bewies er seine Cleverness gegen den Ball, etwa vor dem 1:0, als er Kevin Kampl die Kugel stibitzte. Beim 2:0 durch Haaland setzte er den Norweger, der anschließend wie eine Naturgewalt durch Leipzigs Abwehr walzte, in Szene. Beim 3:0 schaltete er schnell und legte nach einem Sprint clever auf Sancho ab. Besser, wacher, effektiver als in dieser ersten Hälfte hatte man Reus selten gesehen.

"Wir sind unheimlich stolz, dass wir das Spiel so bestreiten konnten", sagte Reus später, nachdem er erst den Pokal in den Berliner Nachthimmel gereckt und dann mit gefühlt jedem aus dem Dortmunder Betreuerstab ein Erinnerungsfoto gemacht hatte. Vermutlich hätte er auch für jeden Anhänger für ein Selfie bereitgestanden, wenn denn Zuschauer da gewesen wären. Die Pandemie ließ das bekanntlich nicht zu, doch Reus schickte eine Botschaft an die schwarz-gelbe Anhängerschaft: "Wir haben den Pott - und der ist für die Fans."

Noch vor Kurzem prasselte beißende Kritik auf das Team ein

Noch vor ein paar Wochen hatte wenig darauf hingedeutet, dass diese Saison noch so eine Wendung für den BVB nehmen könnte. Nach der 1:2-Heimniederlage gegen Frankfurt prasselte beißende Kritik auf das Team ein, besonders Reus stand damals im Fokus. Doch der Dortmunder, der in seiner Karriere schon oft Rückschläge verkraften musste, kämpfte sich auch diesmal zurück. Sein Treffer im Champions-League-Viertelfinale gegen Manchester City zerschlug den unsichtbaren Knoten in seinen Beinen. Fortan lief es. Für Reus. Und den BVB.

Bundestrainer Joachim Löw, der am Donnerstag auf der Tribüne des Olympiastadions saß, dürfte aufmerksam zugeschaut haben, wie Reus dem Finale seinen Stempel aufdrückte. Bei den jüngsten Länderspielen zählte der 44-malige Nationalspieler nicht zum DFB-Aufgebot. Doch zuletzt stieg die Wahrscheinlichkeit wieder, dass Reus' Name fällt, wenn der Bundestrainer am kommenden Mittwoch seinen vorläufigen, 30 Mann starken Kader für die bevorstehende Europameisterschaft bekannt gibt. Löw allerdings wollte sich am Donnerstag noch nicht in die Karten schauen lassen, auch wenn er Reus für dessen "guten Rhythmus" lobte. Ein paar Tage wird sich der Dortmunder also noch gedulden müssen, ehe er seinen Sommer final planen kann.

Matthias Dersch