3. Liga

Einordnung: Dennis Erdmanns Rückzieher riecht nach Kuhhandel

Neuverhandlung nach Rassismus-Urteil

Rest-Sperre zur Bewährung ausgesetzt: Erdmanns Rückzieher riecht nach Kuhhandel

Ab sofort wieder für den 1. FC Saarbrücken spielberechtigt: Dennis Erdmann.

Ab sofort wieder für den 1. FC Saarbrücken spielberechtigt: Dennis Erdmann. Getty Images

Verteidiger Erdmann darf ab sofort wieder für Drittligist 1.FC Saarbrücken auflaufen. Vorm DFB-Bundesgericht wurde die in erster Instanz auf acht Wochen festgelegte Sperre des mit Rassismus-Vorwürfen belegten Verteidigers zwar im Grundsatz bestätigt, die noch ausstehenden zwei Partien aber zur Bewährung ausgesetzt. Zudem wurde die zunächst verhängte Geldstrafe in Höhe von 3000 Euro aufgehoben.

Die Berufungsverhandlung im Fall Erdmann war mit großer Spannung erwartet worden - und begann gleich mit einer faustdicken Überraschung. Anders als bis kurz vor Prozessbeginn am Mittwochvormittag vorgesehen, ging es in der Frankfurter DFB-Zentrale nun doch nicht mehr darum, ob der Saarbrücker Verteidiger im Spiel gegen Magdeburg (2:1) am 25. August Gegenspieler rassistisch beleidigt hat oder nicht. In erster Instanz hatte das DFB-Sportgericht dies aufgrund Magdeburger Zeugenaussagen als erwiesen angesehen und Erdmann zu acht Wochen Sperre verurteilt.

Erdmann selbst hatte die Vorwürfe komplett bestritten, außer den Magdeburger Aussagen gab es keinerlei Indizien für die im Raum stehenden Vorwürfe. Der Profi, so hieß es nun über Wochen, fühle sich zu Unrecht gebrandmarkt und wolle mit einem erneuten Aufrollen des Sachverhalts vorm Bundesgericht nicht in erster Linie gegen die verhängte Sperre kämpfen - sondern um seinen Ruf. Grundsätzliches schien damit auf dem Spiel zu stehen. Bis hin zur Frage, ob die erste Instanz im vom damaligen Richter beschworenen "gemeinsamen Kampf gegen Rassismus" womöglich ein politisch motiviertes Urteil gefällt hatte, das dem ehernen Rechtsgrundsatz "im Zweifel für den Angeklagten" zu wenig Beachtung schenkte.

Erdmanns Einlassung kommt rechtlich einem Geständnis gleich

All das spielte am Mittwoch dann aber doch gar keine Rolle mehr. Erdmanns Anwalt Horst Kletke erklärte im Namen seines Mandanten, die Berufung allein auf die Rechtsfolgen - also die Dauer der Sperre - beschränken zu wollen. Seine Begründung: Eine erneute Beweisaufnahme sei für die Zeugen zu belastend, schließlich seien die ja "alle Berufskollegen".

Erdmann bleibe zwar dabei, die ihm vorgeworfenen Beleidigungen nicht ausgesprochen zu haben, aber: "Wenn es angesichts des hektischen Spielgeschehens zu Missverständnissen kam, tut es ihm leid." Einlassungen, die letztlich irrelevant bleiben. Faktisch hat Erdmann den in erster Instanz festgestellten Sachverhalt - nämlich rassistische Beleidigungen aus seinem Munde - anerkannt. Von einer "Geständnisfunktion" sprach auch der Vorsitzende Richter Achim Späth, rechtlich bleibe der Rassismus-Vorwurf somit weiterhin bestehen.

Die 13 aufgebotenen Zeugen durften unverrichteter Dinge wieder die Heimreise antreten. Erdmann ging es nun nur noch darum, die Sperre auf die bislang bereits abgesessenen fünf Spiele zu reduzieren bzw. die noch ausstehenden zwei Partien zur Bewährung auszusetzen. Letztgenanntem Vorschlag schloss sich auch der Kontrollausschuss an, ebenso einer Aufhebung der Geldstrafe von 3000 Euro.

Dem Kampf gegen Rassismus ist damit nicht gedient

Dem kurzfristigen Seelenfrieden Erdmanns, der von einem "vernünftigen Ende" sprach, mag nun gedient sein. Dem Kampf gegen Rassismus auf Fußballplätzen dagegen sicher nicht. Sich auf ein mögliches "Missverständnis" zurückzuziehen, wird der Bedeutung des Themas nicht gerecht. Zudem bleibt die Frage offen: Inwieweit müssen Rassismus-Vorwürfe überhaupt noch belegt werden, um einen - womöglich unschuldigen - Angeklagten zu verurteilen ?

Der Fall Erdmann wäre geeignet gewesen, eine breite und produktive Diskussion zum Thema anzustoßen und vielleicht sogar Grundsätzliches zu klären. Der Profi selbst wollte sich diesen Stress offenbar nicht antun. Falls er sich seiner Sache überhaupt so sicher war, wie nach der ersten Instanz behauptet. So oder so: Der völlig überraschende Rückzieher erweckt angesichts der über den Einzelfall hinaus weisenden Relevanz der Angelegenheit einen unangenehmen Eindruck: Den eines reinen Kuhhandels.

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