Tennis

"Respektlosigkeit": Kyrgios gesteht Spuckattacke - und entschuldigt sich nicht

Australier sorgt für Skandal in Wimbledon

"Respektlosigkeit": Kyrgios gesteht Spuckattacke - und entschuldigt sich nicht

Fuhr sprichwörtlich einmal mehr aus der Haut: Nick Kyrgios.

Fuhr sprichwörtlich einmal mehr aus der Haut: Nick Kyrgios. IMAGO/Shutterstock

Sein Erstrundenmatch gegen den Briten Jubb, der nur dank einer Wild Card im Hauptfeld stand, hatte sich Kyrgios sicher leichter vorgestellt, am Ende kam er aber nach fünf umkämpften Sätzen mit 3:6, 6:1, 7:5, 6:7 (3:7), 7:5 weiter. Nach Spielende drehte sich aber nicht mehr viel ums Sportliche, vielmehr rückte Kyrgios' negatives Verhalten ins Rampenlicht. Denn nach dem verwandelten Matchball hatte dieser in Richtung eines Zuschauers gespuckt, ohne dabei aber irgendjemand zu treffen. Die Szene wurde von den TV-Kameras aufgenommen, war zunächst aber nicht eindeutig als Spuckattacke zu werten. Bei der anschließenden Pressekonferenz bestätigte der Australier darauf angesprochen, dass er es getan hat - und er sich dafür nicht entschuldigen wolle.

Rassistisch sei er diesmal nicht beleidigt worden, aber es gab sehr viel "Respektlosigkeiten aus der Menge", sagte der 27-Jährige während er sein Essen zu sich nahm und wies - teils mit vollem Mund - jedwede Verantwortung von sich: "Ich hatte nichts gesagt, ehe sie begonnen haben. Ich verstehe nicht, warum Zuschauer denken, so etwas machen zu dürfen. Einmal schrie jemand, dass ich scheiße wäre. Ist das normal? Ich verstehe es nicht, warum das immer und immer wieder geschieht."

Ich gehe ja auch nicht an die Kasse im Supermarkt, wenn sie Scheiße scannen und sage ihnen 'Oh boo, jeder denkt, dass du scheiße bist!

Nick Kyrgios

Schuld daran seien die sozialen Medien, wo "eine ganze Generation das Gefühl hat, ein Recht darauf zu haben, alles negativ zu kommentieren - es gibt da auch keine echten Konsequenzen. Das geht dann über ins echte Leben. Ich kann dann nichts machen oder sagen, weil ich Ärger bekommen würde und sie denken, dass sie sagen können, was sie wollten", erklärte Kyrgios, der sich das aber nicht bieten lassen wollte. "Unmittelbar als ich das Match gewonnen habe, habe ich mich zu ihm gedreht.  … Ich habe schon lange mit Hass und Negativität zu tun, ich denke nicht, dass ich dieser Person irgendetwas schulde. Ich würde das nie bei jemandem machen, der mich unterstützt."

Der Weltranglisten-40. betonte, dass der betroffene Zuschauer seiner Meinung nach nur im Stadion war, um zu provozieren und "nicht um irgendjemand zu unterstützen, er wollte aufwiegeln und respektlos sein. Das ist ok, aber wenn ich es dir zurückgebe, dann ist es, wie es ist. Ich bekomme immer sehr viel ab. Was ich aber nicht verstehe ist, dass, wenn ich mich revanchiere, wie in Stuttgart, ich sofort bestraft werde." Der Australier ließ damit durchblicken, dass er die Unterstützung der Veranstalter gegenüber den Athleten vermissen würde.

Temperamentsausbrüche während des Spiels

Bereits während des Matches hatte sich der für sein heißblütiges Temperament bekannte Kyrgios bei der Unparteiischen Marija Cicak (Kroatien) bitter beklagt und darum gebeten, den Störenfried aus dem Zuschauerbereich "zu entfernen. Ich gehe ja auch nicht an ihren Nine-to-five-Job oder an die Kasse im Supermarkt, wenn sie Scheiße scannen und sage ihnen 'Oh boo, jeder denkt, dass du scheiße bist!' - die haben kein Recht, so etwas zu tun. Warum passiert es immer wieder?"

Immer wieder fällt aber auch Kyrgios mit negativem Verhalten auf, wie etwa, als er relativ zu Beginn des Matches eine Linienrichterin, die zuvor der Hauptrichterin ein Fehlverhalten seitens des Australiers reklamiert hatte, beleidigte. "Quick Nick" erboste dies so sehr, dass er die Linienrichterin  als "Verräterin" betitelte und unterstellte dieser "Selbstsucht. Nicht ein Mensch ist heute im Stadion, um sie zu sehen. Nicht ein Mensch." Später empfahl Kyrgios, der auch wegen eines Schmetterballs, der aus dem Stadion flog, verwarnt wurde, besagter Linienrichterin nach einer Fehlentscheidung ihrerseits, sie möge doch bitte "den Court verlassen".

Alles in allem dürfte Kyrgios noch ein Nachspiel erwarten. So bestätigte ein Turniersprecher, dass man den Schiedsrichterbericht wie auch die Mitschrift der anschließenden Pressekonferenz gemeinsam mit dem Supervisor prüfen und gegebenenfalls Strafen aussprechen werde.

drm

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