Handball

Remis gegen Russland: DHB-Team gibt Sieg aus der Hand

Handball-WM, 3. Spieltag

Remis gegen Russland: DHB-Team gibt Sieg aus der Hand

Lieferte ein starke Partie ab: Uwe Gensheimer.

Lieferte ein starke Partie ab: Uwe Gensheimer. imago

Aus Berlin berichtet Maximilian Schmidt

Die erste gute Nachricht für das deutsche Spiel am frühen Montagabend trudelte noch vor Anpfiff ein: Der Sieg der Brasilianer im Vorspiel gegen Serbien (24:22) bedeutete, dass die DHB-Auswahl das Ticket für die Hauptrunde bereits gegen Russland lösen konnte. Mit ohrenbetäubendem Applaus wurde der Europameister von 2016 bei der Mannschaftsaufstellung gefeiert, der 2,10 Meter große Finn Lemke stach dabei mit breitem Grinsen heraus.

Mit Sergei Gorpishin (HC Erlangen) stand anschließend auch ein Bundesligaprofi in der Startformation der Russen. Diese begegneten der deutschen Mannschaft mit einer extrem offenen 3-2-1-Deckung, Superstar Timur Dibirov (Vardar Skopje) agierte dabei als "Indianer" weit vor dem russischen Kreis. So gehörten Kiels Steffen Weinhold, ein Paradespieler gegen offensive Deckungsvarianten, die ersten Minuten: Ball an den Kreis, auf Linksaußen, auf Rechtsaußen - oder einfach selbst. Fast alles konzentrierte sich im deutschen Angriff auf den gebürtigen Mittelfranken.

Wiedes spektakuläres Anspiel sorgt für 12:10-Pausenführung

Auf der Gegenseite hielten die Russen mit Rückraum-Talent Sergei Kosorotov und Rechtsaußen Daniil Shishkarev dagegen. Im Angriff leistete sich das DHB-Team zu viele Fehler. Doch das Publikum trug den Gastgeber auch durch schwere Phasen, der treffsichere Uwe Gensheimer stellte mit seinem vierten Tor auf 8:7 (17.). In der Folge blieb Bundestrainer Christian Prokop seiner Linie treu und wechselte durch: Füchse-Profi Paul Drux tankte mit einem Doppelschlag Selbstvertrauen, aber die bissigen Russen blieben unbequem (10:10, 26.). Kurz nach dem Ausgleich betrat Berlins Publikumsliebling Silvio Heinevetter erstmals das Parkett und sorgte dafür, dass Dibirov zum ersten Mal vom Siebenmeterstrich scheiterte (28.). Fabian Wiede, dritter Füchse-Profi im Bunde, fand mit einem spektakulären Rückhandpass Hendrik Pekeler - 12:10, der Halbzeitstand.

Nach dem Seitenwechsel setzte der in der ersten Hälfte teils unglücklich agierende Spielmacher Martin Strobel das erste Ausrufezeichen und tankte sich erfolgreich durch. Kurz darauf kochte die Stimmung in der Arena am Berliner Ostbahnhof erstmals richtig über: Mit einem überragenden Tor sorgte Weinhold für einen explosionsartigen Jubel, Sekunden später wurde der Kieler Linkshänder fast von der kompletten Bank euphorisch abgeklatscht (15:11).

Drux' fataler Fehlpass: Schlussphase geht an Russland

Dem deutschen Spiel mangelte es allerdings an Konstanz, sodass sich Prokop nach 42 Minuten genötigt sah, seine Timeout-Karte zu zücken (16:14). Die Partie blieb eng, weil neben Andreas Wolff auch Russlands Keeper Viktor Kireev (zehn Paraden nach einer Dreiviertelstunde) auftrumpfte. Gensheimer zeigte sich davon unbeeindruckt und baute den Vorsprung mit einem sagenhaften Dreher wieder auf drei Tore aus (17:14). Als Hannovers unerfahrener Rückraumshooter Fabian Böhm sehenswert netzte, schien die Begegnung endgültig in Richtung der DHB-Auswahl zu kippen, ein aufreizend lässiger Heber von Gensheimer vom Siebenmeterpunkt beruhigte die Nerven zusätzlich (20:17).

Doch die Russen kamen noch einmal heran. Patrick Wiencek kassierte in der Schlussphase eine Zeitstrafe, ein Fehlpass von Drux hatte unbequeme Folgen - und im Angriff ging nicht mehr viel zusammen. Fünf Sekunden vor Schluss traf Kosotorov zum Ausgleich, der letzte deutsche Angriff verpuffte. Am Ende reichte es nur zu einem 22:22 für den WM-Gastgeber, der am Dienstag (20.30 Uhr, LIVE! bei kicker.de) mit Frankreich auf das größte Kaliber in Gruppe A trifft.

Deutschland - Russland 22:22 (12:10)

Deutschland: Heinevetter (Füchse Berlin), Wolff (THW Kiel) - Gensheimer (Paris St. Germain) 8/4, Weinhold (THW Kiel) 3, Böhm (TSV Hannover-Burgdorf) 2, Drux (Füchse Berlin) 2, Groetzki (Rhein-Neckar Löwen) 2, Pekeler (THW Kiel) 2, Fäth (Rhein-Neckar Löwen) 1, Kohlbacher (Rhein-Neckar Löwen) 1, Strobel (HBW Balingen-Weilstetten) 1, F. Lemke (MT Melsungen), Musche (SC Magdeburg), Semper (DHfK Leipzig), Wiede (Füchse Berlin), Wiencek (THW Kiel)
Russland: Grams, Kireev - Dibirov 8/3, Shishkarev 4, Kosorotov 3, Kiselev 2, Zhitnikov 2, Gorpishin 1, Kalarash 1, Shkurinskiy 1, Dereven, Evdokimov, Fokin, Komogorov, Kovalev, Ostrashchenko
Schiedsrichter: Mirza Kurtagic (Schweden)/Mattias Wetterwik (Schweden)
Zuschauer: 13500 (ausverkauft)
Strafminuten: 10 / 6

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