Europa

"Rekord-Verschwendung": Ist Italien schon wieder satt?

Europameister verpasst zwei Siege am Stück

"Rekord-Verschwendung": Ist Italien schon wieder satt?

Chancen vergeben, Sieg verschenkt: Lorenzo Insigne und Italien drohen erneut die dramatischen WM-Play-offs.

Chancen vergeben, Sieg verschenkt: Lorenzo Insigne und Italien drohen erneut die dramatischen WM-Play-offs. imago images/AFLOSPORT

Ein 1:1 gegen den krassen Außenseiter Bulgarien und ein 0:0 gegen den ärgsten Verfolger in der WM-Qualifikationsgruppe C, die Schweiz. Zu mehr hat es der amtierende Europameister in der ersten Länderspielphase seit dem großen Triumph von Wembley (3:2 i.E. gegen England) nicht gebracht.

Das Blöde dabei: Das Team von Erfolgstrainer Roberto Mancini hat damit ein paar Trümpfe in Sachen Gruppensieg verloren, denn fortan haben eben die Eidgenossen (sieben Punkte aus drei Spielen) die bessere Hand. Die Italiener (elf Zähler aus fünf Spielen) könnten unter Umständen also am Ende auf Rang zwei einlaufen - was wie schon im Vorfeld der WM 2018 dramatische Play-offs (damals das Aus gegen Schweden unter anderem noch mit einem im Anschluss bitterlich weinenden Gianluigi Buffon) nach sich ziehen könnte.

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WMQ Europa - 6. Spieltag
WMQ Europa - Tabelle - Gruppe C
Pl. Verein Punkte
1
Italien Italien
14
Frankreich Frankreich
12
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18
Juventus Turin - Termine
SSC Neapel - Termine
Italien - Termine

Und diese Schmach hat niemand vergessen im Lager der Squadra Azzurra, da hilft auch der EM-Sieg nichts. "Der Sieg in Wembley darf uns nicht vergessen lassen, dass wir Ende 2017 dieses Ziel verfehlt haben, was die dunkelste Phase in unserer jüngeren Geschichte ausgelöst hat", hat Italiens Verbandspräsident Gabriele Gravina gegenüber der französischen Nachrichtenagentur "AFP" erst kürzlich erinnert.

"Wir schießen keine Tore mehr"

Das nächste Blöde dabei: Gerade am Sonntag gegen die Schweiz, als die Azzurri gegen einen deutlich besseren Gegner als die tiefstehenden Bulgaren auch selbst mehr Druck sowie Offensivfreude an den Tag gelegt haben, ist ein Sieg teils fahrlässig verpasst worden. Klar, Nati-Keeper Yann Sommer hat mal wieder bärenstark pariert, doch besonders bei der Großchance von Domenico Berardi und vor allem beim kläglich vergebenen Elfmeter von Europas Fußballer des Jahres Jorginho wäre der Treffer ein Muss gewesen.

Der Trost, mit dem 0:0 gegen die Schweiz einen neuen Weltrekord aufgestellt zu haben (36 Länderspiele in Folge ohne Niederlage, Spaniens und Brasiliens Serie mit jeweils 35 Partien übertrumpft), hilft da nur bedingt. Zumal im eigenen Land schon wieder Misstöne erklingen.

Die "Gazzetta dello Sport" schreibt angesichts des Chancenwuchers von einer "Rekord-Verschwendung". "Wir schießen keine Tore mehr", meint derweil die Zeitung "Corriere della Sera" festgestellt zu haben.

"Es wurde eine weiteres Kapitel Geschichte geschrieben"

Roberto Mancini

Verlangt im dritten WM-Qualifikationsspiel den dringend erforderlichen Sieg: Roberto Mancini. imago images/LaPresse

Der frühere Serie-A-Kicker und spätere Trainer Fabio Capello kommentiert in der "Gazzetta dello Sport" obendrein, dass es nichts bringe, die Tatsache zu verbergen, dass die Nationalmannschaft nicht mehr in der Verfassung ihres Saison-Höhepunkts vom Sommer ist. Den Sieg gegen die Schweiz hätten sie in seinen Augen dennoch verdient - zumal die bestehenden Probleme zu lösen seien.

Der Weltrekord lasse einen hoffnungsvoll in die Zukunft blicken und den unvergesslichen italienischen Sommer verlängern, meint deswegen der "Corriere dello Sport". Verteidiger Leonardo Bonucci von Juventus bläst ins selbe Horn, will jetzt noch nichts überdramatisieren: "36! Es wurde eine weiteres Kapitel Geschichte geschrieben." Und sein Trainer Mancini gelobt auf Twitter: "Wir werden arbeiten, um uns zu verbessern. Natürlich haben wir heute eine große Chance verpasst, doch die Jungs sind auch müde." Deswegen müsse in den nächsten Tagen geschaut werden, wer für einen weiteren Einsatz absolut in Frage kommt und wer eine Pause braucht. Satt oder gar abgehoben nach dem EM-Sieg seien seine jungen Schützlinge oder auch Routiniers wie Giorgio Chiellini aber nicht.

Denn das Blöde ist: Viel Zeit für Arbeit und Vorbereitung bleibt nicht, schon am Mittwoch (20.45 Uhr, LIVE! bei kicker) empfängt Italien in der WM-Qualifikation zu Hause mit Litauen den nächsten Außenseiter (null Punkte aus vier Spielen), der wohl wie Bulgarien tief stehen und auf die eine Chance lauern wird. Und ein drittes Unentschieden in Serie wäre wirklich fatal, die Play-offs würden dann langsam grüßen.

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