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Kommentar: Reis hat Bundesliga-Zukunft, Bochum eher nicht

Kommentar

Reis hat eine Bundesliga-Zukunft, Bochum eher nicht

Bochums Ex-Trainer Thomas Reis.

Bochums Ex-Trainer Thomas Reis. IMAGO/Kirchner-Media

Zu Beginn seiner Amtszeit im September 2019 sei er am Zaun von den Fans auch schon mal durchbeleidigt worden, erinnerte sich Thomas Reis mal. Nach kurzer Eingewöhnung aber startete der Ex-Profi eine Erfolgsgeschichte an der Castroper Straße, und die Renaissance des quasi ewigen Underdogs ist eng mit seinem Namen verbunden.

Eigentlich hatte der VfL Bochum hier den idealen Trainer gefunden, einen erfolgreichen Übungsleiter mit der Castroper-DNA. Reis förderte junge Spieler und brachte auch Routiniers noch weiter nach vorne. Er schaffte den kaum für möglich gehaltenen Aufstieg und ein ganz bemerkenswertes erstes Jahr in der Bundesliga.

Der Klub hätte sein Erfolgs-Trio binden müssen

Zu besichtigen war in Bochum, dass sich auch mit bescheidenen finanziellen Mittel sportliche Erfolge einstellen können. Das gelang vor allem durch die bemerkenswerte Zusammenarbeit eines Trios, mit Reis als Trainer, Sebastian Schindzielorz als Vorstand Sport und Ilja Kaenzig als erfahrenem Mann für die Finanzen.

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Dieses Trio hätte der Klub langfristig binden müssen, bevor es zu Verwerfungen kam. So spürte Schindzielorz zum Beispiel nicht die erwünschte Rückendeckung durch die Vereinsoberen und kündigte. Reis ist nun ebenfalls Geschichte, es bleibt nur Finanzchef Kaenzig, der seinen Vertrag verlängerte.

Sportliche Gründe für die Entlassung wirken hanebüchen

Selbst die sechs Niederlagen an den ersten sechs Spieltage hätten die Entscheider an der Castroper Straße nicht kopflos machen dürfen. Gewiss hat auch Reis Fehler gemacht; sein Umgang mit der Offerte des FC Schalke im Sommer war nicht sehr klug, zudem hätte er nicht leugnen dürfen, dass es bereits Gespräche mit der VfL-Führung über eine Vertragsverlängerung gegeben hatte.

Nun aber ausschließlich sportliche Gründe für die Trennung von Reis zu benennen, wirkt hanebüchen. Schließlich hätte der VfL mit einer Portion Matchglück in fünf von sechs bisherigen Spielen punkten können oder sogar müssen; desolat waren die Leistungen jedenfalls nicht.

Die Qualität wird nicht reichen für den Klassenerhalt

Verwerfungen zwischen Trainer und Team waren ebenfalls nicht zu erkennen, nicht zuletzt Schlüsselspieler wie Kapitän Anthony Losilla und Torjäger Simon Zoller hatten sich auch nach der Derby-Niederlage auf Schalke am Samstag pro Reis ausgesprochen.

Die Fans schließlich waren und sind offensichtlich nach wie vor aufseiten des Trainers. In den üblichen Foren jedenfalls wird die Trennung von Reis mit Spott, Ironie, Unverständnis und großem Ärger begleitet.

Es hält sich nach wie vor der Eindruck, dass die sportliche Qualität des Kaders nicht reichen wird, um die Klasse zu halten; ganz egal, wie der Trainer heißt. So könnte es spätestens im Sommer zu einer bemerkenswerten Konstellation kommen: Thomas Reis, der mit seinem Auftreten und seinen Erfolgen in der Branche natürlich aufhorchen ließ, dürfte alsbald wieder einen Job übernehmen.

Reis taucht als Trainer demnächst gewiss wieder in der Bundesliga auf. Und sein Ex-Klub VfL Bochum wird sich nach dieser verpassten Chance wieder in der 2. Liga einreihen.

kicker Wochenendrückblick vom 5.12.2022
05. Dezember 202204:01 Minuten

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