Europa League

Reifeprüfung im Paradies für die unerfahrene Werkself

Früherer Hitzfeld-Assistent Henke sieht Gefahr für Leverkusens junges Team

Reifeprüfung im Paradies für die unerfahrene Werkself

Schauplatz für das Leverkusener Europa-League-Spiel am Donnerstagabend: der Celtic Park.

Schauplatz für das Leverkusener Europa-League-Spiel am Donnerstagabend: der Celtic Park. SNS Group via Getty Images

Aus Glasgow berichtet Stephan von Nocks

Betrachtet man es rein sportlich, stellt sich am Donnerstag die Frage nach dem Favoriten nicht wirklich. Denn während Bayer 04 in der Bundesliga auf Platz 2 rangiert, hält sich Celtic in der eher zweitklassigen Scottish Premiership mit zehn Punkten aus sieben Partien gerade noch so über dem Strich der 12-er-Liga.

Den Glanz vergangener Jahre versprüht der 51-malige schottische Meister und Gewinner des Europapokals der Landesmeister aus dem Jahr 1967 nicht mehr. "IT CAN ONLY GET BETIS" titelte The Scottish Sun am Mittwoch in Anspielung auf Celtics 3:4-Niederlage bei Betis Sevilla im ersten Gruppenspiel, nachdem die Schotten bereits 2:0 geführt hatten. Es kann also nur besser werden.

Denn Celtic schwächelt und stellt dennoch eine Gefahr für die Werkself dar. Zum einen, da diese beim 2:1-Sieg gegen Ferencvaros Budapest als klarer Favorit lange nach dem richtigen Umgang mit jener Partie suchte und sich damit selbst mit dem 0:1-Rückstand in Bedrängnis brachte. Zum anderen könnte die Spielstätte am Donnerstag ein bedeutender Faktor werden.

Leverkusen ist gewarnt

Um die Wucht, die die Schotten im Celtic Park entwickeln können, weiß man in Leverkusen zu genüge. Schließlich holte man im Januar Rechtsverteidiger Jeremie Frimpong von Celtic. Zudem war sich Bayer im Sommer bereits mit Celtic-Abwehrchef Kristoffer Ajer einig, ehe Premier-League-Aufsteiger FC Brentford dazwischenfunkte. Man habe viele Spiele von Celtic gesehen, erklärt Trainer Gerardo Seoane. Sportdirektor Simon Rolfes ergänzt: "Deshalb ist uns die Mannschaft ganz gut bekannt." Und auch die Stimmung im Celtic Park.

Rolfes warnt vor der Atmosphäre in der 60.832 Zuschauer fassenden Arena, die aufgrund der Nähe zu einem Friedhof von den Fans nur "Paradise" (das Paradies) genannt wird. "Wir wissen um Celtics Stärke zuhause mit dem Stadion", erklärt Rolfes, der aber gleichzeitig auch auf einen Push für seine Profis setzt.

Besondere Stimmung in Glasgow? Rolfes: "Erwarte, dass uns das antreibt"

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Diese werden erstmals seit dem März 2020, als Bayer unmittelbar vor dem Lockdown in der Europa League bei den Glasgow Rangers vor über 45000 Zuschauern mit 3:1 Toren triumphierte, wieder vor einer so gewaltigen Kulisse spielen. 55 000 Zuschauer, darunter 166 Bayer-Anhänger, werden erwartet.

Die ungewohnte Kulisse sieht Rolfes einzig als Vorteil: "Das befeuert die Emotionen und den Ehrgeiz nochmal zusätzlich. Das sieht man ja auch in der Bundesliga schon, auch wenn die Stadien noch nicht ganz voll sind, aber eine gute Atmosphäre herrscht, dass die Spieler das lieben und auch vermisst haben."

In Glasgow sollte dies noch mehr gegeben sein. Schließlich gilt der Celtic Park spätestens seit 2015 auch unter den Profis als das Nonplusultra in Sachen Stimmung, nachdem Superstar Lionel Messi nach dem Gastspiel mit Barca erklärte: "Im Celtic Park herrscht die beste Atmosphäre in ganz Europa."

Die Konsequenz ist für Rolfes klar: "Das ist auch das, wofür man Profi geworden ist. Um das zu erleben und auch mitzunehmen. Und deshalb erwarte ich auch, dass wir hier alles raushauen."

Ob die Bayer-Profis die Stimmung wirklich positiv für sich nutzen können, stellt Michael Henke zumindest infrage. "Jeder weiß, was dieser Lautstärke-Pegel für die gegnerischen Mannschaften bedeuten kann. Ich glaube nicht, dass die jungen Leverkusener Spieler irgendetwas in dieser Intensität schon einmal erlebt haben", erklärte der Fußballlehrer gegenüber The Scottish Sun, "das könnte Celtics Chancen erhöhen." Zumindest in dieser Hinsicht steht die unerfahrene Werkself im "Paradise" vor ihrer nächsten Reifeprüfung.