Bundesliga

Regenbogen gegen das Vergessen

"!Nie wieder": Erinnerungstag im deutschen Fußball

Regenbogen gegen das Vergessen

Regenbogenflagge während der Partie Augsburgs gegen Union Berlin.

Regenbogenflagge während der Partie Augsburgs gegen Union Berlin. picture alliance

Gemeinsam mit den Unternehmen Daimler, Deutsche Bahn, Deutsche Bank und Volkswagen bekennt sich Borussia Dortmund zu seiner historischen Verantwortung. An Gleis 17 des Bahnhofs Berlin-Grunewald, von wo 50.000 Juden in die Todeslager der SS deportiert wurden, legten die Unternehmen am Dienstag Kränze nieder. "Gemeinsam stemmen wir uns gegen die zunehmende Verrohung unserer Gesellschaft, gegen Rechtspopulismus und Rechtsextremismus, Antisemitismus und Rassismus. Das tolerieren wir weder auf dem Fußballplatz noch in unserer Gesellschaft", erklärte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.

Fußball gedenkt der Opfer des nationalsozialistischen Terrorregimes

Mit Aktionen in den Stadien und Botschaften über die sozialen Medien beziehen zahlreiche weitere Klubs sowie die Verbände DFB und DFL Stellung gegen Antisemitismus, Hass und Hetze. Angestoßen von der Initiative "!Nie wieder" läuft derzeit die Kampagne zum 17. Erinnerungstag im deutschen Fußball. An den Spieltagen rund um den 27. Januar, dem Jahrestag der Befreiung der Überlebenden im Konzentrationslager Auschwitz, gedenkt der Fußball der Opfer des nationalsozialistischen Terrorregimes. Im Mittelpunkt steht in diesem Jahr die Leidensgeschichte der Menschen, die aufgrund ihrer sexuellen und geschlechtlichen Identität als "Abartige und Homosexuelle" gebrandmarkt und brutal verfolgt wurden.

Beim 0:0 im Zweitligaduell am Dienstagabend trugen Andre Hoffmann und Tim Leibold, die Spielführer von Fortuna Düsseldorf und Hamburger SV, spezielle Kapitänsbinden mit dem Aufdruck "Nie wieder - gemeinsam gegen das Vergessen". Freiburgs Christian Günter und Augsburgs Jeffrey Gouweleeuw trugen am Wochenende Kapitänsbinden in Regenbogenfarben, auch in Mainz waren bunte Banner auf der Tribüne zu sehen. Am Mittwochabend wird die WWK-Arena in Augsburg in Regenbogenfarben strahlen. Zeichen gegen Diskriminierung und für eine weltoffene, tolerante Gesellschaft.

Eberhard Schulz, Sprecher von "!Nie wieder", freut sich über diese Botschaften und Symbole: "Wenn die Corona-Krise in den Stadien alles kalt und grau macht, sollen die Farben des Regenbogens leuchten." Schulz hofft durch die Kampagne auf ein "erweitertes Verstehen und Verständnis im Fußball und in der Gesellschaft", denn die Bedrohung sei nach wie vor real: "Lesben, Schwule und Transgender müssen an jedem Tag und jedem Ort in Deutschland mit physischer und psychischer Gewalt rechnen, wie Studien belegen."

DFB richtete Anlaufstelle für geschlechtliche und sexuelle Vielfalt ein

Auch für den DFB ist das Thema aktuell. Der Verband richtete zu Jahresbeginn eine Anlaufstelle für geschlechtliche und sexuelle Vielfalt ein, die Christian Rudolph, Mitglied im Bundesvorstand des Lesben- und Schwulenverbands in Deutschland (LSVD), besetzt. "Antidiskriminierung lässt sich nicht auf einzelne Bereiche beschränken", betont Rudolph und begrüßt den Schwerpunkt des Erinnerungstags 2021. "Im Nationalsozialismus wurden Menschen verschiedener Gruppen verfolgt und ausgelöscht, die nicht der menschenverachtenden NS-Ideologie entsprachen. Es ist wichtig, jedes Jahr daran zu erinnern. Wir müssen gemeinsam Haltung zeigen gegen Diskriminierung, Gewalt, Hass und Hetze, damit so etwas nie wieder geschieht."

Rudolph: "Kreative Arbeit läuft das ganze Jahr"

Die Pandemie erschwert dieses Jahr gemeinsame Aktionen der Fans, große Choreografien auf den Tribünen sind unmöglich. "Es ist schade, dass die Fans nicht im Stadion sein können, um ihre Solidarität zum Ausdruck zu bringen", findet Rudolph. "Trotzdem sind viele Gruppen aktiv und kreativ, ihre Arbeit läuft das ganze Jahr." Zahlreiche Veranstaltungen, etwa im Rahmen der "Mainzer Erinnerungswochen" oder zum Thema "40 Jahre queere Sporthistorie", finden am 27. Januar und in den folgenden Tagen digital statt.

David Bernreuther