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"Regelmäßigkeit ist extrem wichtig" - Wie Gamer ihren Schlaf verbessern können

Gespräch mit Neurobiologin Dr. Verena Senn

"Regelmäßigkeit ist extrem wichtig" - Wie Gamer ihren Schlaf verbessern können

Dr. Verena Senn von Emma verrät, wie Schlaf verbessert werden kann.

Dr. Verena Senn von Emma verrät, wie Schlaf verbessert werden kann. Emma Sleep GmbH

Den ganzen Tag vor dem flackernden Bildschirm zu sitzen und zu zocken, kann nicht gut für den Schlaf sein. Ist es auch nicht, laut Experten. Trotzdem können Gamer und eSportler einiges tun, um gut zu schlafen und ihre Leistungsfähigkeiten zu verbessern.

Denn auf lange Screentime "kann man im eSport und Gaming nicht verzichten, das gehört dazu," weiß Neurobiologin und Schlafwissenschaftlerin Dr. Verena Senn. Es sei zwar "nicht empfohlen, viel vor dem Bildschirm zu sitzen, vor allem vor dem Schlafengehen." Jedoch "muss man dann das Programm entsprechend anpassen."

Wie so etwas für Gamer aussehen kann, hat Dr. Senn mit ihrer Kollegin Theresa Schnorbach und ihrem Team von Schlafforschern bei dem Matratzen-Unternehmen Emma untersucht. Zusammen mit FC Schalke 04 Esports haben sie eine Studie durchgeführt und gezeigt, wie eSportler ihren Schlaf verbessern können.

Regelmäßigkeit ist der Schlüssel

Universelle Maßnahmen, die bei jedem funktionieren, gibt es nicht wirklich. Auch können sich nicht alle besondere Matratzen, Decken und Kissen, die teils mit ausgefeilter Technologie ausgestattet sind, leisten.

Nichtsdestotrotz kann Alt und Jung etwas dafür tun, um seinen Schlaf zu verbessern. Wie Dr. Senn in unserem Gespräch immer wieder bekräftigt, funktioniert das aber für jeden anders und ist eine individuelle Angelegenheit.

Daher solltet Ihr "euch selbst beobachten, Chronotyp-Tests im Internet machen und euch kennenlernen." Zu wissen, wie lange die Nachtruhe andauert, wie oft Ihr wach werdet und wie lange es dauert, um einzuschlafen, soll dabei helfen ein gesünderes Programm aufzustellen.

Einer der wichtigsten Aspekte, der den Schlaf verbessern kann, ist ein geregelter Tagesablauf: "Regelmäßigkeit ist für jeden enorm wichtig. Das ist etwas, was man einhalten sollte: immer zu einer ähnlichen Zeit ins Bett zu gehen und aufzustehen."

Sie zeigt auf, woran das liegt: "Das hat mit dem Chronotyp, der inneren Uhr, zu tun und die liebt es, wenn wir Dinge regelmäßig tun. Das geht über den Schlaf hinaus. Unsere innere Uhr möchte, dass wir jeden Tag zur gleichen Zeit essen und am besten jeden Tag zur gleichen Zeit Sport machen."

Um besser zu ruhen, sollte also nicht nur die Nacht im Auge behalten werden, sondern auch die Zeit, in der Ihr wach seid. Denn, "der Weg zum besseren Schlaf läuft immer über den Tag" und "gesunde Rhythmen über den Tag, helfen Dir, besser zu schlafen", betont die Forscherin.

Abends abschalten, besser schlafen

Dabei besonders zu beachten ist "die mentale Einstellung zum Schlaf." Genauer bedeutet das, abends Geschehnisse abschütteln zu können: "Man schläft generell gut, wenn man gut vom Tag abschalten kann und den Stress nicht mit in den Schlaf nimmt."

Wie das gelingt, funktioniert bei allen anders. Jedoch gehören "Meditation und Atemübungen tatsächlich zu den bewiesenen Dingen, die beim Schlaf helfen können."

Was womöglich etwas banal klingen könnte, soll tatsächlich merklich helfen. Die mentale Gesundheit darf nicht vernachlässigt werden, wie die Expertin erklärt: "Es ist eine wichtige Sache, dass man vorm Schlafengehen bewusst abschaltet vom Tagesgeschehen - und nicht in Gedankenkarussells hängen bleibt."

Wie sehr unterscheiden sich hier Sport und eSport?

Die Zusammenhänge zwischen Sport und Gaming sind noch größtenteils unerforscht. Studien wie die von Emma und Schalke Esports sind bislang rar gesät und finden erst seit wenigen Jahren statt. Es können jedoch Erkenntnisse aus der traditionellen Sportforschung gezogen werden, denn "Sport und Gaming haben einiges gemeinsam."

Gemeinsamkeiten, die besonders die Kondition der Gamer im eSport beeinflusst, sind "der Wettkampf im Team und eine hohe Konzentrationsfähigkeit. Das findet man auch im Sport." Diese beeinflussen die mentale Konstitution und - vor allem bei professionellen Gamern - die Regelmäßigkeit des Tagesablaufs.

Dr. Senn stellt aber heraus: "Bei all der Vergleichbarkeit gibt es natürlich auch Unterschiede." Ein augenscheinlicher Unterschied ist "der physische Aspekt, der fällt beim eSport ja komplett weg." Neben der Screentime hat die mangelnde Bewegung einen "direkten Einfluss auf den Schlaf."

Das haben die Forscher von Emma in der Studie ebenfalls festgestellt und den Spielern empfohlen, jeden Tag zu einer ähnlichen Zeit leichte Übungen wie Hampelmänner einzustreuen. Zwar kann die Zeit vor dem Bildschirm schwer reduziert werden, für Atemübungen und Sportübungen sollten sich Gamer jedoch etwas Zeit nehmen. Dann wird auch der Schlaf besser.

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