Bundesliga

Regelauslegung sorgt für Gladbacher Frust - Schlager spricht

Aufregung nach aberkanntem Tor in Bochum

Regelauslegung sorgt für Gladbacher Frust - Schiedsrichter Schlager erklärt sich

Sein Tor zum 2:2 zählte nicht - und sorgte für viel Frust bei den Fohlen: Ramy Bensebaini.

Sein Tor zum 2:2 zählte nicht - und sorgte für viel Frust bei den Fohlen: Ramy Bensebaini. IMAGO/Team 2

Was war passiert? Jonas Hofmann brachte beim 1:2 in Bochum in der 82. Minute eine Ecke von rechts rein, Marvin Friedrich köpfte quer an den Fünfer, wo Vasilios Lampropoulos den Ball unter großer Bedrängnis nach außen zurück zu Hofmann spitzelte. Die Kugel kam postwendend als präzise Flanke zurück und landete bei Ramy Bensebaini, der zum vermeintlichen 2:2 einköpfte. Schiedsrichter Daniel Schlager gab den Treffer zunächst, wurde dann aber vom VAR auf eine mögliche Abseitsstellung hingewiesen.

Sowohl bei den Gladbacher Spielern als auch im Stadion machte sich Verwunderung breit, denn niemand verstand offenbar so recht, was geprüft werden sollte. Nach Sichtung der Bilder aber entschied der Schiedsrichter auf Abseits und nahm den Treffer zurück. Die Frage: War Lampropoulos' Abwehraktion kontrolliert oder nicht? Im ersteren Fall wäre es kein Abseits gewesen, da sich eine neue Spielsituation ergeben hätte, im zweiteren Fall hingegen schon - und Schlager entschied sich für "unkontrollierte Aktion". 

Einhellige Kritik der Gladbacher

Das sorgte für großes Unverständnis bei den Fohlen. "Auch wenn ich meine Gladbach-Brille in die letzte Ecke werfe und die Bochum-Brille aufziehe, muss ich sagen: Es ist kein Abseits", sagte Christoph Kramer bei "Sky" und bezog sich auch auf die neue Regel. "Meines Erachtens sieht es nicht aus wie ein unkontrollierter Ball. Er ist halt nur unkontrolliert, weil er ihn nicht richtig trifft. Dafür kann die Regel nichts, dafür kann nur der Spieler was."

Ähnlich bewertet Jonas Hofmann die Szene. "Der Abwehrspieler kann sein Bein setzen und den Ball wegspielen, er trifft ihn aber nicht richtig und deshalb geht er nach links", fasste der Mittelfeldmann zusammen und bezeichnete es als "Witz, wenn es eine unkontrollierte Abwehraktion sein soll, dass ein Abwehrspieler den Ball nicht mit seinem Spann wegschießen kann."

Kramer kommentierte noch süffisant: "Jeden Tag im Training treffe ich Bälle unkontrolliert, obwohl ich sie kontrolliert hätte treffen können - das ist halt im Fußball so." Die Bewertung des Unparteiischen sei für ihn daher "natürlich vollkommener Blödsinn".

Farke widerspricht Schlager

Schiedsrichter Schlager erklärte sich ebenfalls öffentlich und sagte: "Aufgrund der neuen Regelauslegung handelt es sich nicht um ein kontrolliertes Spiel, weil er im Zweikampf ist - und deshalb war für uns die Entscheidung Abseits die Konsequenz. Natürlich versucht der Spieler, den Ball in höchster Not zu klären, aber das macht er nicht kontrolliert. Wenn er das kontrolliert macht, dann spielt er den irgendwo in Richtung Mittelkreis oder nach vorne. Wenn er aber in höchster Bedrängnis ist und attackiert wird, dann hat er nicht die Zeit und nicht die Kontrolle über die Situation, deshalb ist es unkontrolliert."

In der Tat gab es zu Saisonbeginn eine Veränderung in der Auslegung des absichtlichen Spielens des Balles (der kicker berichtete). Die Aktion des Verteidigers hebt demnach eine Abseitsstellung auf, wenn er den Ball "in einer kontrollierten Art und Weise" spielt. Bedeutet: Der verteidigende Spieler ist unbedrängt, befindet sich nicht in einem Zweikampf und spielt den Ball nicht als Abwehraktion in "höchster Not".

Früher war es anders, da wäre es kein Abseits gewesen.

Christopher Antwi-Adjej

Während Bochums Trainer Thomas Letsch die "Bewertung anderen überlassen" wollte, hatte Gladbachs Coach Daniel Farke eine klare Position. Seiner Meinung nach wurde die "Szene fachlich falsch bewertet" und ist demnach eine "krasse Fehlentscheidung. Wenn man sich die Szene ansieht, dann ist es natürlich eine beabsichtige Abwehraktion. Der Ball ist im Fünfmeterraum, der Bochumer Spieler will natürlich den Ball rausschlagen", erläuterte der 46-Jährige und meinte: "Es wäre das erste Mal in der Geschichte, dass ein Spieler dafür kritisiert wird, dass er einen Ball nach außen rausspielt. Natürlich spielt er den nicht in die Mitte, wo unsere Spieler lauern, sondern deshalb nach draußen."

So oder so: Das nicht gegebene 2:2 sorgt für Diskussionen - bei Spielern, Verantwortlichen und ganz sicher unter den Fans. Das dürfte auch an der "komplizierten" Regel liegen, wie Bochums Christopher Antwi-Adjei zusammenfasste, denn: "Früher war es anders, da wäre es kein Abseits gewesen."

drm

Bilder zur Partie VfL Bochum - Bor. Mönchengladbach