Bundesliga

Referee Petersen nach Ajorque-Szene: "Mehr für Elfmeter"

Mainzer Entsetzen nach Kopftreffer von Knoche

Referee Petersen nach Ajorque-Szene: "Argumente sprechen mehr für Elfmeter"

Wurde von Robin Knoche heftig an der Nase getroffen: Der Mainzer Ludovic Ajorque.

Wurde von Robin Knoche heftig an der Nase getroffen: Der Mainzer Ludovic Ajorque. IMAGO/Nordphoto

"Wenn das kein Elfmeter ist, dann weiß ich es nicht", meinte Jan Siewert, der vom Mainzer Sportvorstand Christian Heidel nach der Partie auch für das Spiel in Stuttgart am Sonntag (15.30 Uhr) eine Jobgarantie erhielt, bei DAZN erzürnt. "Anscheinend bekommt man den in der Situation, in der wir stecken, nicht. Aber das ist ein hundertprozentiger Elfmeter", so der Mainzer Coach in Anspielung der Lage seines Klubs am Tabellenende weiter. 

Worum es ging: In der zehnten Minute der Partie war Stürmer Ludovic Ajorque am gegnerischen Fünfmeterraum von Robin Knoche heftig mit der Fußspitze im Gesicht getroffen worden, blutete anschließend stark und wurde mehrere Minuten verarztet, ehe er weitermachen konnte. Das Unparteiischen-Gespann um Referee Martin Petersen und VAR Pascal Müller ließen die Partie indes mit Eckball fortsetzen. 

Amiri: "Für was haben wir denn den Video-Beweis?"

Auch die Mainzer Spieler zeigten sich nach Begutachtung der Szene erstaunt. "Ich habe keine Worte. Für was haben denn den Video-Beweis? Das war doch ganz klar Elfmeter", wunderte sich Winterneuzugang Nadiem Amiri. "Er trifft Ajorque ganz klar im Gesicht, ich glaube, seine Nase ist gebrochen. Ich verstehe es nicht, das ist klar Elfmeter. Im Spiel dachte ich, dass er vielleicht den Ball ins Gesicht bekommen hat. Das jetzt hier zu sehen und in der Situation, in der wir sind - unglaublich", sagte der Mittelfeldakteur, der sich bis vor kurzem noch mit Leverkusen im Kampf um die Meisterschaft befunden hatte. 

Im Nachgang finde ich schon, dass die Argumente mehr für Elfmeter sprechen und wäre auch glücklicher gewesen, Elfmeter zu geben.

Referee Martin Petersen

Torschütze Jonathan Burkardt erklärte zunächst noch abgeklärt zur Szene, dass er auf dem Feld schon mit dem Schiedsrichter gesprochen habe. Dieser habe "gesagt, dass der Union-Spieler den Ball wegschießt und dann unglücklich 'Ludo' am Gesicht trifft". Als er die Szene dann aber selbst noch einmal auf Video sah, kam er aus dem Kopfschütteln kaum mehr heraus: "Wow! Unser Spieler trifft doch zuerst den Ball, köpft den anderen Spieler an und dann trifft er ihn im Gesicht. Wahnsinn, so deutlich hätte ich das im Leben nicht erwartet, das ist ja unglaublich. Das tut wirklich weh. Ich weiß gar nicht, warum es da nicht noch Elfmeter gab, was da die Argumentation ist."

Dabei zielte Burkardts Kritik in erster Linie in Richtung VAR, denn er meinte hinsichtlich von Petersen: "Für ihn ist es vielleicht schwer zu sehen in dem Kuddelmuddel. Aber auf den Bildern musst du das sehen."   

Referee stellt sich der Kritik

Auch Petersen selbst stellte sich der Kritik nach dem Spiel und meinte über die Video-Bilder: "Das ist natürlich nicht die Szene, die ich im Spiel gesehen habe, ich habe von der anderen Seite darauf geguckt. Ich hatte im Spiel auch gesehen, dass der Ball gespielt wird, hatte aber durch meine Positionierung den langen Fuß nicht gesehen und da auch die Spitze des Fußes nicht, die das Gesicht trifft", beschrieb er seinen Blickwinkel - und fügte an: "Zusätzlich habe ich noch wahrgenommen, dass der Spieler (Ajorque; Anm. d. Red.) mit dem Kopf nach unten und relativ beugend dasteht. Das war dann meine Begründung zu sagen, es gibt Eckstoß." 

Doch was war mit VAR Müller? "In so einem Fall findet immer eine Kommunikation statt und ich habe meine Perspektive dargestellt. Er hat dann die Bilder angeschaut, auf meine Argumente überprüft und ist dann zu dem Ergebnis gekommen, dass man durchaus Strafstoß hätte geben können, aber es auch Argumente dagegen gibt und wir uns in einem Graubereich befinden", so Petersen. Auch wenn vielleicht etwas mehr Argumente für als gegen einen Elfmeter gesprochen hätten , sei es aber "eben nicht 100:0 oder 1:99" klar gewesen, weil auch seine Argumente als gewichtig gewertet wurden. "Das hat dazu geführt, dass der VAR nicht eingegriffen hat." 

Petersen will Vorkommnisse "kritisch aufarbeiten"

Nach dem Spiel und unter dem Eindruck der Video-Bilder sei der Unparteiische aber zu einer anderen Meinung gekommen: "Im Nachgang finde ich schon, dass die Argumente mehr für Elfmeter sprechen und wäre auch glücklicher gewesen, Elfmeter zu geben", gab Petersen zu, der mit seiner ursprünglichen Entscheidung daher nicht mehr "ganz glücklich" sei, auch wenn es Argumente für diese gebe.

"Aber da kann ich nicht gewinnen und natürlich fahre ich mit dem Gefühl nach Hause, dass es besser gewesen wäre, den Strafstoß zu geben", fuhr Petersen fort und kündigte zudem an, die Vorkommnisse - gerade auch, warum er sich die Bilder im Spiel nicht selbst noch einmal auf Video ansah - mit seinem Team "kritisch aufarbeiten" zu wollen. 

jom

Bilder zur Partie Mainz 05 gegen Union Berlin