Eishockey

Reaves über NHL-Spieler: "Ich könnte kaum stolzer sein"

Weiße stoßen Spielabsagen im Eishockey an

Reaves über NHL-Spieler: "Ich könnte kaum stolzer sein"

Zusammen gegen Rassismus: Nazem Kadri, Pierre-Edouard Bellemare, Ryan Reaves, Jason Dickinson und Bo Horvat (v.l.n.r.).

Zusammen gegen Rassismus: Nazem Kadri, Pierre-Edouard Bellemare, Ryan Reaves, Jason Dickinson und Bo Horvat (v.l.n.r.). Getty Images

Die NHL folgte damit dem Beispiel aus der NBA (Basketball), MLB (Baseball), MLS (Fußball) und WNBA (Frauen-Basketball), die am Mittwoch auf ihre Wettkämpfe verzichteten. Die Play-off-Spiele am Donnerstag und Freitag wurden abgesagt und sollen später nachgeholt werden.

Den Anstoß für diese Protest-Aktion gaben weiße Spieler. Das bestätige Ryan Reaves, Stürmer der Golden Knights, auf einer Pressekonferenz. "Die Konversation hat angefangen, weil weiße Spieler aus den anderen Teams über dieses Thema reden wollten. Ich denke, das ist das stärkste Zeichen, das heute gesetzt wurde", sagte Reaves. Der 33-jährige Kanadier mit US-Pass ist selbst schwarz.

National Hockey League - Woche 2
Vancouver Canucks - Vereinsdaten
Vancouver Canucks

Gründungsdatum

01.01.1945

Vereinsfarben

Blau-Grün-Silber-Weiß

Dallas Stars - Vereinsdaten
Dallas Stars

Gründungsdatum

09.02.1966

Vereinsfarben

Grün-Silber-Schwarz-Weiß

Colorado Avalanche - Vereinsdaten
Colorado Avalanche

Gründungsdatum

01.01.1972

Vereinsfarben

Burgund-Blau-Weiß

Vegas Golden Knights - Vereinsdaten
Vegas Golden Knights

Gründungsdatum

22.06.2016

Vereinsfarben

Gold-Grau-Rot-Schwarz

NHL steht geschlossen gegen Rassismus auf

Um ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen, wurden nicht nur die Spiele abgesagt, sondern auch die Spieler selbst versammelten sich geschlossen in einem Raum, um die Öffentlichkeit darüber zu informieren. Reaves stand neben Colorados Nazem Kadri und Pierre-Edouard Bellemare, Dallas' Jason Dickinson und Vancouvers Bo Horvat vor einer Wand aus NHL-Profis. "Du siehst, dass wir alle hier zusammengekommen sind", betonte Reaves. "Wenn du dich in diesem Raum umsiehst, dann sind hier viele weiße Athleten. Ich denke, dass wir hier ein Zeichen setzen. Es ist großartig, dass die NBA, MLB und WNBA das gemacht haben, es gibt viele schwarze Spieler in diesen Ligen. Aber auch alle Athleten hier stellen sich hin und sagen: 'Wisst ihr was? Wir sehen diese Probleme auch und wir stehen hinter euch!'"

In der NHL ist der Anteil an schwarzen Spielern im Vergleich zu anderen US-Sport-Ligen sehr gering. Entsprechend gilt sie als "weiße Liga" und stand bereits in der Kritik, zu langsam oder gar nicht auf etwaige Aktionen zu reagieren.

Die Hockey-Familie: In den Farben getrennt, in der Sache vereint

Jetzt positionierten sich die NHL-Spieler selbst in aller Deutlichkeit gegen Rassismus. "Ich ziehe gegen diese Jungs in den Krieg und hasse sie auf dem Eis. Aber jetzt könnte ich kaum stolzer auf sie sein", so Reaves, der als physischer Spieler (1,85 Meter groß, 102 Kilogramm schwer) selbst das Image des "Bad Boys" pflegt, harte Checks fährt und immer wieder Gegenspieler provoziert. "Das Zeichen, dass sie heute gesetzt haben, wird anhalten. Diese zwei Tagen werden zwar nichts reparieren, aber die daraus entstehenden Gespräche und die getätigten Aussagen sind sehr kraftvoll, besonders, wenn sie aus dieser Liga kommen."

Die getätigten Aussagen sind sehr kraftvoll, besonders, wenn sie aus dieser Liga kommen.

Ryan Reaves

Reaves erhielt großen Zuspruch aus dem eigenen und aus den anderen Teams. "Ich bin mir sicher, dass er letzte Nacht nicht viel geschlafen hat. Diese Sache nimmt ihn sehr mit", sagte sein Trainer Peter DeBoer. "Es gibt Dinge, die wichtiger sind als Sport", betonte auch Vancouvers Coach Travis Green. "Ich war nicht überrascht, als ich mit unseren Spielern gesprochen habe und sie Ryan unterstützen wollten. Auch wenn sie in anderen Mannschaften spielen, die Spieler kümmern sich umeinander. Auch wenn sie auf dem Eis hart gegeneinander spielen, sind sie trotzdem eine Familie. Es ist schwer, nicht stolz auf sie zu sein."

cru