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Reals Versäumnis: Wie Simeone aus Marcos Llorente einen Nationalspieler machte

Zidane ließ den Shootingstar im Sommer 2019 ziehen

Reals Versäumnis: Wie Simeone aus Llorente einen Nationalspieler machte

Vom frustrierten Königlichen zum Helden von Anfield: Marcos Llorente.

Vom frustrierten Königlichen zum Helden von Anfield: Marcos Llorente. imago images

Mehr Real Madrid als Llorente geht eigentlich nicht - allein schon wegen der Wurzeln: Sein Großonkel war Francisco Gento, ein wesentlicher Bestandteil des glorreichen Real-Teams in den fünfziger und sechziger Jahren. Sein Großvater Ramon Grosso gewann mit den Königlichen 1965/66 den Landesmeisterpokal. Vater Paco Llorente wurde dreimal Meister mit Real Madrid.

Auch Sohn Marcos trat in die Fußstapfen, ab 2008 spielte der gebürtige Madrilene für Real. 2016/17 wurde er mal für ein Jahr zu Deportivo Alaves ausgeliehen, denn der Durchbruch beim Starensemble gelang ihm nie. Ganze 25 Real-Pflichtspiele bestritt er zwischen seinem Profidebüt im Oktober 2015 und seinem Wechsel im Sommer 2019. Dann folgte ausgerechnet der Transfer zum Stadtrivalen: zu Atletico Madrid.

Spielersteckbrief Llorente
Llorente

Llorente Marcos

Seitdem ist dieser Marcos Llorente nicht wiederzuerkennen. Er schoss Liverpool im Alleingang aus der Champions League, wurde Nationalspieler und schickt sich gerade an, Atletico Madrid zur Meisterschaft zu führen. Und das liegt hauptsächlich an Diego Simeone.

Denn der Argentinier erkannte als Einziger in Llorente etwas, was kein Benitez, kein Lopetegui, kein Solari und auch kein Zidane in zwei Amtszeiten erkannt hatten: einen Angreifer. "Wenn man mir das vor einem Jahr gesagt hätte, hätte ich denjenigen für verrückt erklärt", sagte Llorente in einem Interview mit "Club del Deportista". "Ich war fast mein ganzes Leben lang Mittelfeldspieler oder auch mal defensiv." Simeone habe ihm seinen Plan schon vor langer Zeit unterbreitet. "Er sagte, eines Tages stellt er mich weiter vorne rein. Das haben wir dann in Anfield gemacht. Und danach blieb ich da auch."

Die "magischste Nacht" in Anfield

Llorente kam in Liverpool erst in der 56. Minute ins Spiel, in der Verlängerung geriet Atletico zunächst in Rückstand. Es wäre das Aus gewesen. Doch nach zwei Llorente-Schlenzern ins rechte untere Eck kehrte Ruhe ins im März 2020 noch vollbesetzte Anfield Stadium ein. Liverpool verlor letztlich sogar mit 2:3, der Titelverteidiger war im Achtelfinale ausgeschieden. "Das war die magischste Nacht in meiner Karriere", sagte Llorente, und "mein bestes Spiel".

Ich bin nicht überrascht, er ist ein Topspieler. Er zeigt nun eine Seite, die er bei Real nicht gezeigt hat.

Zinedine Zidane am Freitag über Llorente

Am 11. November durfte Llorente erstmals für die Seleccion auflaufen, er hatte sich mit weiteren starken Leistungen in der Liga empfohlen. Vier Ligatore und zwei Vorlagen gehen in dieser Saison bereits auf sein Konto, in der Champions League traf er beim 3:2 gegen Salzburg und assistierte beim 1:1 gegen den FC Bayern. Eine Quote, die womöglich noch besser wäre, würde die Nummer 14 von Atletico nicht aus der Tiefe kommen. In vorderster Front spielt Atletico mal mit einem, mal mit zwei klassischen Stürmern. Llorente folgt dahinter.

Llorentes Seitenhieb Richtung Real

Am Samstag (21 Uhr, LIVE! bei kicker) spielt er nun bei seinem Ex-Klub, der für ihn viel mehr ist als das. Mit einem Sieg würde Atleticos Vorsprung auf Real auf neun Punkte anwachsen, Barcelona ist aktuell sogar zwölf Punkte entfernt. Verdirbt ausgerechnet Llorente den Königlichen die erste Titelverteidigung seit 2008?

Real hätte es sich selbst zuzuschreiben. "Für mich war völlig klar, dass ich gehen musste. Nach Atleticos Angebot habe ich nicht gezögert", sagte Llorente. Die folgende Aussage darf dann auch durchaus als Kritik an Real verstanden werden: "Wenn Spieler Minuten bekommen, dann wachsen sie, sie werden bessere Spieler. Und das ist bei mir passiert."

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Christoph Laskowski