Bundesliga

Rauball und Tönnies: Anderbrügges Buch-Debüt mit Prominenz

"Ich bin sehr stolz, dass sie bei diesem Projekt dabei sein wollten"

Rauball, Ginter, Tönnies: Anderbrügges Buch-Debüt hat prominente Mitstreiter

Er hat für sein Buch prominente Wegbegleiter begeistern können: Ingo Anderbrügge.

Er hat für sein Buch prominente Wegbegleiter begeistern können: Ingo Anderbrügge. imago images

Bevor am Donnerstag die große Premiere von "Das Runde lehrt das Leben" im Dortmunder Fußball-Museum gefeiert wird, hat Ingo Anderbrügge mit dem kicker über den Antrieb hinter seinem ersten Buch gesprochen. Der frühere Profi des FC Schalke 04 - Mitglied in der Jahrhundertelf der Königsblauen und UEFA-Cup-Sieger von 1997 - spricht unter anderem darüber, wieso er auch als Autor ein Teamspieler geblieben ist und wie er so prominente Protagonisten wie BVB-Präsident Dr. Reinhard Rauball, Ex-Schalke-Chef Clemens Tönnies, Sternekoch Christian Jürgens, Dressur-Olympiasiegerin Nicole Uphoff und Fußball-Weltmeister Matthias Ginter für sein Projekt gewinnen konnte und welche Botschaft in dem Buch steckt.

Herr Anderbrügge, Ihr erstes Buch heißt "Das Runde lehrt das Leben" - wie ist der Titel gemeint?

Seit etwa 2008 verfolgen wir in der "Fußballschule Ingo Anderbrügge" das Credo: Training. Lernen. Leben! In unseren Fußballcamps wollen wir keine Profis ausbilden, sondern wir wollen den Kindern und Jugendlichen Botschaften und Werte vermitteln. Natürlich stehen Spaß und Freude im Vordergrund, es gibt auch einen sportlichen Anspruch. Aber es geht auch um Dinge wie Pünktlichkeit, Disziplin, Demut und Respekt. Werte also, die mich in meiner Karriere als Fußballer überhaupt erst dahin gebracht haben, wo ich war. Und deren Vermittlung heute in meinen Augen wichtiger denn je sind, weil es in der Familie oft nicht mehr in dem Maße geschieht wie etwa zu meiner Jugendzeit.

Und dann dachten Sie sich: Warum nur in den Fußballcamps davon reden, wenn ich es auch aufschreiben kann?

Ganz so war es nicht. Ich habe als Kind eigentlich nie gelesen, selbst dann nicht, als meine Mutter mir mal ein Fußballbuch geschenkt hat. Mein Ding war immer eher Mathematik. Deshalb lag es für mich auch nicht unbedingt auf der Hand, dass ich mal ein Buch schreibe.

Aber?

Dann kam der Autor Peter Oßwald auf mich zu und fragte mich, ob ich nicht genau das mit ihm machen möchte: Ein Buch schreiben. Ich war zunächst skeptisch, wollte auf keinen Fall eine reine Autobiographie verfassen. In unseren Gesprächen entwickelte sich dann die Idee, darüber zu schreiben, wie man Widerstände überwindet, dranbleibt und sein Ziel weiterverfolgt, auch wenn es mal schwierig ist.

Es ist vermutlich kein Zufall, dass das Buch nach anderthalb Jahren Corona-Pandemie erscheint.

Die Planungen liefen schon vorher an, aber es passt durch die vergangenen Monate natürlich gut in die Zeit. Ich habe es selbst erlebt, dass man von heute auf morgen nicht mehr das machen konnte, was einem wichtig ist. Wir hatten keine Schulprojekte mehr, keine Fußballcamps, keine Projekte mit Langzeitarbeitslosen oder der AWO. Ich war eine Zeit lang richtig down. Aber der Sport hat mir geholfen. Irgendwann habe ich mir gesagt: Wenn ich gesund und fit bleibe, dann kann Corona mir gar nichts.

Ich fand es charmant, auch bei meinem Buch elf Akteure dabei zu haben. Am Ende sind es sogar ein paar mehr geworden.

Ingo Anderbrügge

Als Fußballer sind Sie Mannschaftssport gewohnt. Haben Sie sich deshalb mehrere prominente Protagonisten dazugeholt?

Ich war immer ein Teamplayer und will heute ein Trainer für meine 16 Angestellten sein. Wenn ich Vorträge halte, habe ich immer eine Mannschaft aus elf Spielern dabei. Die heißen dann "Freude", "Vorbilder" oder "Selbstvertrauen". Ich fand es charmant, auch bei meinem Buch elf Akteure dabei zu haben. Am Ende sind es sogar ein paar mehr geworden.

Insgesamt 14 Namen finden sich im Buch - darunter der von BVB-Präsident Dr. Reinhard Rauball.

Mit ihm fing es an. Er war der Erste, den ich angerufen habe. Bei ihm habe ich damals bei Borussia Dortmund auch meinen ersten Profi-Vertrag unterschrieben. Bis heute nenne ich ihn "Herr Präsident". Danach habe ich Huub Stevens angerufen, Werner Hansch, Clemens Tönnies. Leute, die ein Teil meines Lebens sind und waren. Mal ein größerer, mal ein kleinerer. Ich bin sehr stolz, dass sie und so viele andere bei diesem Projekt dabei sein wollten.

Es finden sich auch Sternekoch Christian Jürgens und die Dressur-Olympiasiegerin Nicole Uphoff in Ihrem Buch. Wie kam es dazu?

Nicole Uphoff habe ich mal bei einer privaten Veranstaltung kennengelernt. Ich war beeindruckt von ihr und ihrem Lebensweg. Ihre Karriere basiert auf Disziplin. Sie erzählte mir, dass sie früher nie in den Urlaub gefahren ist, dass sie stets den Stall ausfegen muss. Viele denken ja, für erfolgreiche Menschen gehe die Kurve immer auch nach oben. Aber es gehören eben auch Entbehrungen und Opfer dazu. Genauso wie Niederlagen.

Jürgens berichtet von den Testern des Guide Michelin - und vergleicht die Arbeit in der Küche mit der Champions League.

Einer seiner ersten Sätze zu mir war: Für mich ist jeder Teller ein Finale. Da wusste ich sofort: Das muss ins Buch. Er erzählte mir von der Spannung, die in der Küche herrscht. Davon, wie akkurat gearbeitet werden muss. Denn draußen könnte ja der Schiri sitzen - also in dem Fall derjenige, der die Sterne vergibt und sie auch wieder wegnimmt, wenn die Qualität nicht mehr stimmt. Christian Jürgens sagte mir aber auch, dass er genau diesen Druck gewollt habe. Er wollte nicht immer nur Jägerschnitzel machen. Auch das zeichnet erfolgreiche Menschen aus, dass sie dranbleiben und sich durchbeißen. Auch dann, wenn es Hürden zu überwinden gibt. Das kommt heutzutage manchmal zu kurz. Deshalb sage ich: Wenn ein Leser dieses Buches - den ich nicht persönlich kenne - mir sagt, dass ihm das Lesen von "Das Runde lehrt das Leben" durch eine schwere Situation in seinem Leben geholfen hat, dann habe ich mein Ziel schon erreicht.

Wie kommen Sie darauf?

Ich habe das Gefühl, dass es den Kindern heute manchmal zu leicht gemacht wird. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Vor einiger Zeit bekam ich einen Anruf zu einem unserer Fußballcamps. Ob es denn auch eine Halle zum Trainieren gäbe? Wieso, habe ich dann zurückgefragt - obwohl ich eigentlich schon wusste, worum es ging. Letztlich wurde das betreffende Kind nicht angemeldet, denn es sollte im Herbst nicht draußen trainieren. Dabei gibt es für schlechteres Wetter doch warme Jacken, Mützen, Schals…

Ich war als Kind ja Gladbach-Fan und wollte unbedingt jemand dabeihaben, der diesen Bereich meines Lebens abdeckt.

Ingo Anderbrügge

Sie haben allerdings auch einen Vertreter der jüngeren Fußballgeneration dabei: Gladbachs Matthias Ginter, der 27 Jahre alt ist und 2014 Weltmeister wurde.

Ich war als Kind ja Gladbach-Fan und wollte unbedingt jemand dabeihaben, der diesen Bereich meines Lebens abdeckt. Mit Matthias, der ein sehr feiner Kerl ist, hatten meine Frau Katrin und ich das erste Mal im Rahmen einer Spendengala Kontakt. Als ich ihn gefragt habe, ob er nicht mitmachen möchte, war er sofort dabei. Und seine Botschaft halte ich für sehr wichtig: Er war nie der Beste, hat er mir gesagt, aber er war immer der Erste, der vor dem Training in die Kabine kam, und der Letzte, der danach ging. Dank seines Fleißes hat er es bis ganz nach oben geschafft. Genau solche Spieler brauchst du in jeder Mannschaft.

Auch im Mannschaftssport Fußball gibt es individuelle Bestmarken: Sie sind mit 36 Treffern Schalkes Rekordtorschütze in der 2. Bundesliga. Fürchten Sie derzeit darum, dass Ihnen Simon Terodde den Rekord streitig macht?

Über dieses Thema habe ich bis eben noch nicht eine Sekunde nachgedacht. (lacht) Nein, der soll ruhig weiter so viele Tore für Schalke schießen und den Klub wieder in die 1. Bundesliga führen. Das allerdings wird schwer, ein Terodde allein reicht nicht zum Aufstieg. Aber bislang läuft es in der Liga gut für den S04 in dieser Saison, diese Entwicklung darf gerne so weitergehen.

Überall wird der rote Teppich ausgerollt, wenn einer der Eurofighter kommt.

Ingo Anderbrügge

Sie gehörten jener Interessensgruppe an, die im März Ralf Rangnick nach Schalke holen wollte. Dazu kam es nicht. Hat Ihr Verhältnis zu Schalke darunter gelitten?

Mein Engagement galt immer dem Verein. Und zu diesem zählen ja nicht nur zwei, drei handelnde Personen, sondern auch die Fans, die Schalke lieben. Das bekomme ich immer wieder zu spüren, wenn ich mit Fanclubs zusammentreffe. Egal ob in Leipzig, im Sauerland oder oben an der See: Überall wird der rote Teppich ausgerollt, wenn einer der Eurofighter kommt. Da denke ich manchmal: Ich bin doch nicht der Papst. Das ist ein extremer Wert, den man erhalten muss. Ich wünsche dem Verein auch weiterhin das Beste. Er hat mein Leben geprägt.

Interview: Matthias Dersch