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Rangnick zu fragwürdigen Umstellungen: "Hinterher ist man immer klüger"

Kritik an Auswechslungen

Rangnick zu fragwürdigen Umstellungen: "Hinterher ist man immer klüger"

Ralf Rangnick musste seine Entscheidung erklären.

Ralf Rangnick musste seine Entscheidung erklären. GEPA pictures

Österreichs Nationalteam hat im Heimspiel gegen Kroatien eine bittere 1:3-Niederlage kassiert. Damit blieb der Mannschaft von Trainer Ralf Rangnick nur der Gang in Liga B. Mehr noch: Durch den Abstieg in der Nations League wandert Österreich auch in Topf 2 für die Auslosung der EM-Qualifikation.

Nations League

Dabei hatte das Abenteuer in der hochkarätig besetzten Gruppe mit Frankreich, Dänemark und den Kroaten ausgezeichnet begonnen. Anfang Juni feierte die ÖFB-Elf noch einen 3:0-Achtungserfolg in Kroatien, keine vier Monate später ist der Abstieg aus Liga A die bittere Realität.

Das Spiel im Wiener Ernst-Happel-Stadion begann mit einem Feuerwerk. Österreich, das mit der Dreierkette Posch-Danso-Alaba begann, musste einen frühen Rückstand hinnehmen. Real Madrids Luka Modric nutzte eine Lücke in Österreichs Hintermannschaft eiskalt aus und stellte auf 1:0. Doch Christoph Baumgartner, einer der besten ÖFB-Akteure, hatte eine schnelle Antwort parat. Mit dem Hinterkopf traf der 23-Jährige zum Ausgleich.

Noch vor der Pause hatte Österreich zwei Großchancen durch Baumgartner und Arnautovic, der mit seinem 104. Einsatz zum alleinigen Rekordteamspieler aufstieg. "Normalerweise muss einer der beiden drin sein und wenn wir hier in Führung gehen, haben wir gute Chancen, das Spiel zu gewinnen", äußerte sich Ralf Rangnick zur mangelnden Effizienz am "ORF"-Mikrofon.

"Baumi (Christoph Baumgartner, Anm.) macht den normalerweise. So wie ich ihn im Training gesehen habe oder heute beim Warm-up vor dem Spiel, da hat er drei oder vier solche in den Winkel geschweißt", haderte Rangnick. Auch Arnautovic habe Torjägerqualitäten. "Das waren schon zwei Sitzer, wie man in Österreich sagt."

Fragwürdige Umstellungen

Dennoch war man auf österreichischer Seite mit den ersten 45 Minuten zufrieden. "Ich glaube, in der ersten Halbzeit haben wir das auf den Platz gebracht, wie wir uns das im Vorhinein vorgestellt haben", erklärte David Alaba. Doch das sollte sich bald ändern. Vor allem aufgrund eines Dreifachwechsels nach einer gespielten Stunde.

Überraschenderweise musste Arnautovic vom Platz. Auch Christopher Trimmel, der bis zu diesem Zeitpunkt eine gute Partie gemacht hatte, und Stefan Posch wurden ausgewechselt. Rangnick brachte Debütant Muhammed Cham, Stefan Lainer und Maximilian Wöber und stellte auf eine Viererkette um. "Zum einen hatte Posch Gelb. Zum anderen wollten wir einfach auch frisches Blut und frische Spieler bringen und mit dieser Umstellung dafür sorgen, dass wir über beide Flügel doppelt besetzt sind und auch selbst noch einmal torgefährlicher werden", begründete der Teamchef seine Entscheidung.

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Arnautovic war über seine Auswechselung hingegen alles andere als begeistert: "Ich bin ein Spieler, der auf dem Platz stehen möchte und ich weiß, dass ich der Mannschaft helfen kann. Da bin ich natürlich im ersten Moment sauer, aber der Trainer trifft seine Entscheidungen und die muss man respektieren."

Bis auf eine gute Chance durch Gregoritsch per Kopf blieb Österreich im Anschluss blass. Und Kroatien schlug binnen weniger Sekunden doppelt zu. Der eingewechselte Marko Livaja und Innenverteidiger Dejan Lovren trafen jeweils per Kopf. "Ich glaube, dass wir zweimal nicht so wach waren auf der zweiten Stange. Das zweite Tor ist ein Standard. Da ist es egal, ob du mit vier, fünf oder sechs hinten spielst. Das müssen wir einfach besser verteidigen", meinte Baumgartner.

Rangnick würde ich Nachhinein anders handeln

Die Wechsel und der Umbau zur Viererkette wollte sich Baumgartner aber nicht als Grund für die Niederlage ankreiden lassen. "Ich würde die Umstellung auf die Viererkette nicht als Alibi heranziehen." Ein Stück weit kritischer sah dies Rangnick, der zugab: "Die Umstellungen und Wechsel haben uns nicht weitergeholfen. So würde ich das im Nachhinein nicht mehr so machen, aber hinterher ist man immer klüger."

In der Schlussphase hielt Kroatien defensiv dicht. Zwingende Chancen konnte sich Österreich nicht mehr erarbeiten. Damit blieb es am Ende bei einer enttäuschenden 1:3-Niederlage. "Man kann schon sagen, dass wir unverdient verloren haben", resümiert Arnautovic.

Viel Potential

Österreich wird im Trainingslehrgang wohl an der einen oder anderen Schraube zu drehen haben. Rangnick weiß bereits, wo es anzusetzen gilt. "Wir haben nach wie vor so ein bisschen Mühe auf den Wingback-Positionen. Marcel Sabitzer hat es gut gemacht, es ist aber dennoch nicht seine 1-A-Position. Von daher müssen wir auf bestimmten Positionen ein bisschen improvisieren und Out-of-the-Box denken." Und weiter: "Wir müssen schauen, was wir auf den Außenpositionen machen. Und zwar unabhängig davon, ob wir mit einer Dreierkette spielen (...) oder mit der Viererkette (...). Da müssen wir versuchen, die jeweils beste Lösung zu finden."

In den kommenden Wochen wird sich Rangnick seine Gedanken machen, wohl auch, was den Kader betrifft: "Wir haben auf bestimmten Positionen fast schon ein Überangebot an richtig guten Spielern im zentralen Abwehrbereich. Wenn Konrad Laimer wieder zurück ist, sind wir im zentralen Mittelfeld auch richtig gut besetzt."

mc

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