Bundesliga

Raiolas Spielchen und der BVB: Was Haaland und Sancho unterscheidet

Das Trommeln des Beraters wird den BVB noch lange begleiten

Raiolas Spielchen: Was Haaland und Sancho unterscheidet

Im Dortmunder Jubel vereint: Erling Haaland (re.) und Jadon Sancho.

Im Dortmunder Jubel vereint: Erling Haaland (re.) und Jadon Sancho. picture-alliance

Erling Haaland ging mit, Erling Haaland jubelte, Erling Haaland hielt sich vor Schreck die Hand vors Gesicht: Der Norweger, der am Samstag aufgrund eines Pferdekusses aussetzen musste, war beim Pokalhalbfinale des BVB mittendrin, als seine Teamkollegen Tor um Tor erzielten, sich Mateu Morey schwer am Knie verletzte und am Ende der Finaleinzug feststand - obwohl er hoch oben auf der Tribüne des Signal Iduna Parks saß.

Der Stürmer zeigte an diesem Abend für alle ersichtlich gelebte Identifikation mit seinem Klub, mit dem er in dieser Saison noch sportliche Ziele hat: Haaland will mit dem BVB die Qualifikation zur Champions League schaffen - und am 13. Mai in Berlin den DFB-Pokal in die Höhe stemmen.

Haaland soll ab Mitte der Woche wieder trainieren

Vier Pflichtspiele stehen in dieser Saison noch an, und in Dortmund sind sie hoffnungsfroh, dass der Klub sie mit Haaland bestreiten kann. Mitte der Woche soll er einen Versuch starten, ins Training zurückzukehren. Einem Einsatz bereits im ersten der beiden kommenden Pflichtspiele gegen Leipzig am Samstag stünde dann nichts im Wege.

Auch wenn die BVB-Offensive gegen Kiel ohne Haaland wirbelte: Mit dem Toptorjäger dürften die Chancen wesentlich besser stehen, alle verbliebenen Spiele tatsächlich zu gewinnen, wie man es sich intern als Marschroute gesetzt hat. Der 20-Jährige traf in dieser Spielzeit in 38 Pflichtspielen für den BVB 37 Mal. Gegen Leipzig ist seine Quote sogar noch besser. In seinen bisherigen zwei Duellen mit RB traf er jeweils doppelt.

Sollte im Finale einer turbulenten Saison tatsächlich noch die Königsklasse erreicht und der Pokal gewonnen werden, wäre das aufgrund der ganzen Abs und Aufs der vergangenen Monate tatsächlich bemerkenswert. Ein Ende der immerwährenden und von dessen Berater Mino Raiola fast täglich medial unterfütterten Wechselgerüchte um Haaland würde das aber mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit nicht bedeuten. Da können sich die Bosse der Borussia - wie am Wochenende abermals geschehen - noch so deutlich positionieren.

Erschwerte Planungen für die Klubs - und die Spieler

In einer Saison, in der alle Klubs unter finanziellen Einschränkungen leiden - die Großen noch deutlich mehr als die Kleinen -, wird vieles, was sonst bereits in der ersten Jahreshälfte abgewickelt wird, nach hinten verschoben werden müssen. Die Planungen sind erschwert, alle Seiten warten ab, wie sich die Corona-Pandemie entwickelt, wann was wieder möglich ist. Die Klubs, weil sie auf die Zuschauereinnahmen angewiesen sind. Die Spieler, weil sie auf höhere Gehaltsabschlüsse hoffen, wenn der Rubel erst wieder so richtig rollt.

Raiolas Trommeln und die Reaktion des BVB

Das Trommeln Raiolas, der das mediale Spiel perfekt beherrscht, wird den BVB daher noch einige Monate begleiten. Die richtig großen Transfers haben in der Branche noch nicht stattgefunden, das Super-League-Fiasko zeigte zudem, wie angespannt die finanzielle Lage besonders bei den italienischen und spanischen Topklubs derzeit ist. Irgendwann wird der erste Stein dennoch ins Rollen kommen, wird der Geldfluss einsetzen. Raiola wird dann versuchen, sich seinen Teil daraus abzupumpen - und Haaland ist nun mal einer der derzeit spektakulärsten und entsprechend begehrtesten Spieler der Welt. Er verspricht den meisten Profit. Auf all das sind sie in Dortmund vorbereitet. Sie haben in der Vergangenheit gelernt, mit solchen Themen umzugehen - und sie gegebenfalls schlicht auszusitzen. Oft mit Erfolg.

Geht mit vollen Emotionen mit: Erling Haaland am Samstagabend gegen Kiel.

Geht mit vollen Emotionen mit: Erling Haaland am Samstagabend gegen Kiel. picture alliance

Im Vorjahr beispielsweise begleiteten die Borussia bis zum Abflug ins Sommer-Trainingslager Wechselspekulationen um Jadon Sancho. Am Ende blieb der Engländer, mit dem der BVB damals eine klare Absprache hatte, unter welchen Bedingungen er wechseln dürfe, weil niemand bereit war, die Konditionen zu erfüllen. Sancho benötigte einige Zeit, sich damit abzufinden, die Form war erst einmal im Keller. Inzwischen aber ist der 21-Jährige wieder ein entscheidender Faktor.

Mit Sancho ein "Gentlemen's Agreement" - mit Haaland nicht

Im Sommer, das ist nicht erst seit der erneuten Bekräftigung von Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc ("Wir haben mit Jadon ein Gentlemen's Agreement") am Wochenende bekannt, darf Sancho ebenfalls wechseln - falls Zeitpunkt und die den allgemeinen Umständen angepassten Konditionen stimmen. Bei Haaland, der erst 2022 per Ausstiegsoption aus seinem bis 2024 datierten Vertrag herauskommt, gibt es diese Absprachen nicht. Umso lauter muss und wird Raiola trommeln.

In Dortmund indes beobachten sie genau, wie sich Haaland verhält - und erkennen bislang keine Ansätze dafür, dass er sich querstellen und mit Gewalt auf einen Wechsel drängen könnte. Nicht auf dem Platz, wo er zuletzt gegen Wolfsburg ackerte wie ein Büffel. Und auch nicht - wie am Samstag zu beobachten war - auf der Tribüne.

Matthias Dersch

Bilder zur Partie Borussia Dortmund - Holstein Kiel