WM

Queiroz: "Diese Spieler verdienen all meine Bewunderung"

Irans Aus nach der Vorrunde, aber eine bleibende Erinnerung

Queiroz: "Diese Spieler verdienen all meine Bewunderung"

Bewunderer seiner Spieler: Irans Nationaltrainer Carlos Queiroz.

Bewunderer seiner Spieler: Irans Nationaltrainer Carlos Queiroz. imago images

Aus Katar berichtet Thiemo Müller

"Unser Traum ist zu Ende", sagt Trainer Carlos Queiroz. Das Team Iran fährt nach drei Gruppenspielen in Katar wieder nach Hause, sportlich nach dem knappen 0:1 gegen die USA sicher enttäuscht. Aber in der Gewissheit: Diese Mannschaft um den Leverkusener Sardar Azmoun wird eine prägende Erinnerung an die WM 2022 in Katar bleiben. Dabei haben Queiroz und die Spieler zum einen durchaus auch sportlich denkwürdige Akzente gesetzt. Nach dem 2:6-Debakel zum Auftakt gegen England gelang binnen weniger Tage die erstaunliche Metamorphose zu einer schlagkräftigen, geschlossenen, in jeder Beziehung konkurrenzfähigen Einheit, die Wales hochverdient besiegte (2:0) und der gegen die USA am Ende nur ein Quäntchen fehlte.

Das Team meisterte einen kaum erträglichen Balance-Akt

Regelrecht imponierend wird die iranische Leistung jedoch insbesondere in Anbetracht der Umstände, unter denen sie erbracht wurde. Für den Protest gegen das Menschen verachtenden Heimatregime, den die Spieler mit ihrem Hymnenboykott vorm England-Duell zum Ausdruck brachten, drohen womöglich immer noch Repressalien, die Gedanken an Fußball im Grunde unmöglich machen.

Dieser Belastung war das Team zunächst nachvollziehbar nicht gewachsen. Verteidiger Rouzbeh Cheshmi, "Man of the Match" gegen Wales, ließ das eindeutig durchblicken. Vor Gruppenspiel zwei und drei bewegten Azmoun und Kollegen zur Hymne dann zumindest die Lippen. Und auf dem Rasen meisterte das Ensemble den kaum erträglichen Balance-Akt zwischen dem politischen Kampf gegen staatliche Unterdrückung und dem sportlichen um Tore und Punkte.

Ich habe in meiner Karriere noch nie Spieler gesehen, die so viel gegeben haben.

Carlos Queiroz

Wozu der Fußball imstande ist, zeigt derweil auch diese Bestandsaufnahme: Rund um die Spiele gab es diverse Auseinandersetzungen zwischen dem Regime treuen und oppositionellen iranischen Fans - die Nationalmannschaft aber wurde mit großer Begeisterung gemeinsam unterstützt. Queiroz' Abschiedsworte in Katar lassen sich somit bestens nachempfinden: "Ich habe schon so viele Mannschaften trainiert, in Portugal, Südafrika, England, Spanien, Kolumbien oder Ägypten", schwelgte der 69-Jährige, "aber ich habe in meiner Karriere noch nie Spieler gesehen, die so viel gegeben haben wie diese. Sie verdienen all meine Bewunderung."