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Quarterback-Ranking zum NFL-Saisonstart: Die Jagd auf Mahomes

kicker-Experte Adrian Franke sortiert die 32 Starting Quarterbacks

Quarterback-Ranking zum Saisonstart: Die Jagd auf Mahomes

Patrick Mahomes zieht in der Quarterback-Landschaft der NFL an der Spitze einsam seine Kreise.

Patrick Mahomes zieht in der Quarterback-Landschaft der NFL an der Spitze einsam seine Kreise. Getty Images

Um zumindest ein absolutes Mindestmaß an NFL Sample Size auswerten zu können, habe ich 130 NFL-Dropbacks als Minimum festgelegt. Das führt dazu, dass mehrere Starting Quarterbacks - darunter natürlich die drei Rookies - erst im ersten In-Season-Ranking nach Woche fünf eine Platzierung bekommen.

Das NFL-Quarterback-Ranking zum Saisonstart

Nicht geranked: Anthony Richardson, Indianapolis Colts

Ich bin sehr gespannt darauf zu sehen, was Shane Steichen mit Anthony Richardson in dessen erster Saison im Run Game aufs Feld bringen kann. Richardson wird sich als Passer natürlich noch deutlich entwickeln müssen, aber ich gehe davon aus, dass er allein als Runner bereits einen beachtlichen Floor als Rookie mitbringt.

Nicht geranked: Bryce Young, Carolina Panthers

Fragen als Passer gibt es bei Bryce Young eher weniger. Hier lautet das spannendste Thema, ob sich Youngs Playmaker-Qualitäten auf die NFL übertragen. Er sollte bei den Panthers eine gute Offensive Line vor sich haben - auch wenn die bisherige Preseason ein paar Zweifel daran aufwirft -, was gerade angesichts seines Frames und seiner Spielweise ein wichtiger Faktor ist. Ich traue es Young zu, aus einer eher unterdurchschnittlichen Receiver-Gruppe einiges herauszuholen.

Nicht geranked: C.J. Stroud, Houston Texans

Ich halte C. J. Stroud im Vergleich zu Richardson und Young am ehesten für den Rookie-Quarterback, der viel Hilfe braucht. Weil sein Pocket-Movement inkonstant ist und er mehr Räume benötigt, um seine beste Qualität - die Accuracy als Passer - anzubringen. Diese Hilfe sollte er in Houston bekommen, in puncto Protection und auch schematisch.

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#56: Unser Rookie-Radar (Offense)
01:00:19 Stunden
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Nicht geranked: Sam Howell, Washington Commanders

25 NFL-Dropbacks haben wir von Sam Howell bislang gesehen, in Woche 18 gegen die Cowboys. Howell hat Armtalent, er bringt eine gewisse Toughness mit und hat die Waffen und jetzt auch einen Offensive Coordinator, die gewisse Erwartungen schüren. Howell wird als Vorjahres-Fünftrunden-Pick vermutlich nicht die längste Leine haben. Dafür ist der Druck auf Head Coach Ron Rivera vermutlich zu groß, und sicher auch deshalb haben sich die Commanders Jacoby Brissett als vergleichsweise hochkarätige Absicherung geholt.

Nicht geranked: Jordan Love, Green Bay Packers

Vermutlich der am meisten diskutierte Quarterback aus dieser nicht gerankten Gruppe. Jordan Love geht in seine vierte NFL-Saison und hat erst 91 Dropbacks auf dem Konto, jetzt soll er Aaron Rodgers in Green Bay beerben. Diese Prognose wird umso schwieriger, weil das physische Talent bei Love nie in Frage stand. Sein großes Problem waren die Konstanz in seinen Reads, die Frage danach, wie schnell er Defenses lesen und diagnostizieren kann. Und diese Dinge entwickeln sich nicht nur häufig erst dann wirklich weiter, wenn ein Quarterback spielt - man kann sie dann auch erst bewerten.

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#55: Die jungen Quarterbacks der NFL - hopp oder top?
01:17:37 Stunden
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Kann Mac Jones wieder raus aus dem Liga-Keller?

27. Baker Mayfield, Tampa Bay Buccaneers

Nach dem, was Baker Mayfield über die letzten beiden Jahre gezeigt hat, fällt es mir schwer, hier noch einmal einen Sprung in eine positive Richtung zu prognostizieren. Seine mit Abstand beste Saison hatte er als Pilot für Kevin Stefanskis gut geölte Offense-Maschinerie 2020, und ich würde Mayfield immer noch für einen überdurchschnittlichen Arm und eine gewisse Aggressivität als Passer attestieren.

Die kommende Saison wird zeigen, inwieweit er als Nachfolger von Tom Brady bei den Tampa Bay Buccaneers hinter einer wackeligen Line aus der Pocket eine funktionierende Offense antreiben kann. Meine Vermutung ist, dass Mayfield dieser Aufgabe nicht gewachsen sein wird, und dass wir so oder so ihn und Kyle Trask im Laufe der Saison sehen werden.

26. Desmond Ridder, Atlanta Falcons

Mit vier Starts und 136 Dropbacks ist Desmond Ridder die größte Unbekannte im gerankten Part. Bei einer so kleinen Sample Size muss man selbstredend sehr vorsichtig sein - und sich zumindest ein wenig noch zusätzlich auf die College-Evaluierung stützen. Ich halte Ridder für einen verlässlichen Ballverteiler mit gut entwickelten Mechanics und einem guten Release, einem gewissen Maß an Toughness in der Pocket und Touch als Passer, mit Fragezeichen hinter seiner Accuracy und seiner Konstanz als Passer. In Atlantas Offense muss er nicht mehr als ein Game Manager in der mutmaßlich lauflastigsten Offense der NFL sein. Diese Rolle traue ich ihm zu.

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#59: Preview NFC/AFC South - unsere X-Faktoren!
01:33:04 Stunden
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25. Mac Jones, New England Patriots

Nach einer guten Rookie-Saison markierte 2022 einen klaren Rückschritt für Mac Jones. Die große Frage lautet, inwieweit bei Jones für sich betrachtet die Schuld dafür zu suchen ist. Mit der Verpflichtung von Offensive Coordinator Bill O'Brien haben die Patriots bereits einen gravierenden Fehler korrigiert - und O'Brien sollte Jones zumindest wieder eine offensive Struktur vorfinden, die es ihm erlaubt, zu funktionieren.

Und wenn wir Jones' finale College-Saison sowie seine Rookie-Saison 2021 zusammennehmen, ist der eine übergreifende Takeaway, dass er gut spielt, wenn er diese Struktur hat. Ich halte Jones für einen klar limitierten Pocket Passer, wie es nur noch wenige in der modernen NFL gibt. Deshalb bin ich bei seinem Ceiling skeptisch, selbst falls er wieder in die Spur findet.

24. Jimmy Garoppolo, Las Vegas Raiders

Jimmy Garoppolo kann noch immer ein guter Ballverteiler sein, solange das Scheme funktioniert und er entsprechende Qualität in seinem offensiven Waffenarsenal hat. Das war schon immer sein Profil, und je nachdem, wie sich die Umstände um ihn herum gestaltet haben, hat das zu mal extrem, mal weniger Offenses geführt. Aber "Jimmy G" war selten der Treiber dahinter.

Es ist eine spannende Diskussion, wie viel Value ein Quarterback hat, der gute Umstände gut umsetzen kann. Und es kann eine schwierige Übung sein, diese Art Spielmacher von den Umständen für die Bewertung zu lösen. Individuell sehe ich Garoppolo bei seinem neuen Team, den Las Vegas Raiders, maximal als Liga-Mittelmaß.

Die 32 Head Coaches und Coordinators der NFL-Saison 2023/24

Die große Unbekannte namens Brock Purdy

23. Brock Purdy, San Francisco 49ers

Mit seinen 259 NFL-Dropbacks ist Brock Purdy nach Atalantas Ridder am nächsten dran an der Dropback-Mindestmarke, und das ist natürlich auch der erste Teil seines Profils: Purdy hat acht Starts vorzuweisen, darunter das Championship Game letztes Jahr, in dem er aufgrund seiner frühen Verletzung nur vier Pässe warf. Er war ein Siebtrunden-Pick - der letzte Pick im 2022er Draft insgesamt (Mr. Irrelevant) -, und für die weitere Prognose ist es wichtig, das schrittweise mehr und mehr zu vergessen und sich auf das zu fokussieren, was er in der NFL gezeigt hat und jetzt weiter zeigt.

Und das war, als er in der vergangenen Saison verletzungsbedingt rein musste, eindrucksvoll - gemessen an seinem Draft-Status und den sehr niedrigen Erwartungen, die damit einhergehen. Aber wenn man sich eben davon löst und nur das analysiert, was Purdy gezeigt hat, dann sieht man einen guten Game Manager, der wenig selbst kreieren und wenige Big Plays in Form von schwierigen Würfen produzieren musste, aber der Shanahans Offense beachtlich schnell umsetzen konnte.

Sind hier noch Fortschritte möglich? Absolut! Könnte die kleine Sample Size Purdy aber besser aussehen lassen als das, was in der Zukunft von ihm kommt, inklusive unter Einbeziehung der Verletzung? Auch das ist denkbar. Purdy war letztes Jahr eine positive Überraschung. Wie viel Substanz ist dahinter?

22. Russell Wilson, Denver Broncos

Es ist fast überflüssig zu erwähnen, dass die kommende Saison für Russell Wilson ein richtungsweisendes Jahr wird. Nach einer maßlos enttäuschenden Vorsaison ist Nathaniel Hackett (inzwischen OC bei den Jets) längst weg - und die Broncos haben viel Geld investiert, um Sean Payton zu verpflichten. Sollte die kommende Saison schiefgehen, wird Wilson derjenige sein, der aus diesem Duo als erstes aufgegeben wird.

Im Laufe der kommenden Saison wird er 35 Jahre alt, und weil Wilson nicht der High-Volume-Quick-Game-Spezialist ist, wird es für ihn schwieriger sein, als Quarterback "zu altern". Kann er noch diese Big-Play-Maschine sein, wenn die Umstände wieder verbessert sind und er eine stabilere Struktur an die Hand bekommt? Oder sehen wir schlicht seit 2020 jetzt einen schrittweisen Qualitätsabfall, der letztes Jahr umso gravierender zum Vorschein kam, weil die Umstände so schlecht waren.

21. Kenny Pickett, Pittsburgh Steelers

Auf Kenny Picketts zweite Saison bin ich sehr gespannt, weil er so klar positive Tendenzen im finalen Saisondrittel gezeigt hat. Pickett hatte insgesamt eine gute Rookie-Saison, in der er insbesondere außerhalb der Struktur der Offense glänzen und Big Plays auf diese Art kreieren konnte.

Ich persönlich hatte nicht erwartet, dass sich Picketts Playmaker-Qualitäten so auf die NFL übertragen, weil seine physischen Tools schlicht nicht sonderlich stark sind. Doch nicht nur konnte er (mich) hier positiv überraschen, auch war es ermutigend zu sehen, wie er trotz wenig schematischer Hilfe klare Fortschritte hinlegen konnte. Setzt sich das fort und kann Pickett zusätzlich noch Down für Down konstanter aus der Pocket werden, klettert er noch während der Saison fraglos in die Top 20.

20. Justin Fields, Chicago Bears

Justin Fields

Will ins Rampenlicht kommen: Bears-Athlet Justin Fields. IMAGO/Icon Sportswire

1.143 Rushing Yards, über sieben Yards pro Run, 33 explosive Runs (mindestens zehn Yards), 38 verpasste Tackles erzwungen - kurzum: Justin Fields war der spektakulärste Runner unter allen Quarterbacks letztes Jahr. Das alleine katapultiert ihn auch in die Top 20, denn als Passer hat er noch einen sehr, sehr weiten Weg vor sich. Fields hält den Ball zu lange, er hat noch merkliche Probleme bei Standard Dropbacks, er war schwach gegen Pressure und Blitz und seine Accuracy bei horizontalen Pässen war nicht gut, was Yards nach dem Catch signifikant limitieren kann.

Generell war seine Accuracy als Passer mit die schlechteste unter allen Starting Quarterbacks. Die problematischen Umstände sind ein faires Argument, doch auch die können nur einen kleinen Teil der Probleme, die Fields als Passer hatte, rechtfertigen. Chicago hat jetzt deutlich in diese Umstände investiert, Fields wird also zeigen müssen, dass er als Passer einen großen Sprung machen kann. Denn der wird nötig sein, um zumindest mal im ersten Schritt ins obere Quarterback-Mittelmaß zu klettern.

19. Derek Carr, New Orleans Saints

"Solide - und nicht mehr", so würde ich Derek Carr beschreiben - und das seit vielen Jahren. Letztes Jahr war dabei fraglos ein Tiefpunkt, und jetzt bleibt abzuwarten, was man vom zu den New Orleans Saints weitergezogenen Carr in einem neuen Scheme bekommt. Carr ist ein guter Game Manager, der manchmal aggressiver als Passer sein könnte, der mit Druck Probleme bekommt, der generell Probleme bekommt, wenn er selbst aus der Pocket das Spiel machen muss. Er braucht starke Strukturen und gute Receiver, um zumindest eine Top-15-Offense zu produzieren - und das ist das Markenzeichen der meisten Quarterbacks in dieser Range.

Findet Deshaun Watson nochmals zu alter Form?

18. Deshaun Watson, Cleveland Browns

Deshaun Watson ist vielleicht die größte Wildcard in diesem gesamten Ranking. Als wir Watson zuletzt über eine volle Saison gesehen haben, war er einer der besten Quarterbacks in der NFL - doch das war 2020. Es folgte ein komplett verlorenes Jahr, es folgten schwere Vorwürfe abseits des Platzes und schließlich der Trade nach Cleveland - und dann nach abgesessener Sperre eine sehr enttäuschende Rest-Saison letztes Jahr.

Wie viel davon war Rost nach der langen (Zwangs-)Pause? Wie viel davon noch schematisches Feintuning, welches zwischen Watson und Kevin Stefanski stattfindet? Oder anders gefragt: Wie viel von dem, was wir von Watson 2020 gesehen haben, hat der bald 28-Jährige noch zu bieten? Das sind kritische Fragen, auf die es Stand jetzt noch keine Antwort gibt. Insofern ergibt es für mich Sinn, ihn in dieser breiteren Mittelklasse einzusortieren. Watson hat das Talent, um 2023 wieder ein Top-10-Quarterback zu sein. Doch setzt sich seine Vorsaison fort, wird er aus der Top 20 rausfallen.

17. Ryan Tannehill, Tennessee Titans

Ryan Tannehills Total Stats aus der vergangenen Saison hauen sicher niemanden vom Hocker, und die Titans haben dieses Jahr mit Will Levis Tannehills perspektivischen Nachfolger gedraftet. Wann Levis spielt, bleibt abzuwarten - bis dahin ist Tennessee bei Tannehill in guten Händen, gerade weil sich der Kader im Umbruch befindet. Und das führt auch direkt zur Vorsaison, denn die Titans hatten wenig individuelle Receiving-Qualität und sie hatten eine der schlechtesten Offensive Lines in der NFL.

Beides wurde adressiert, gerade aber die Line kommt noch mit vielen Fragezeichen daher. Tannehill hat über die letzten vier Jahre in Tennessee nicht nur gezeigt, dass er in guten Umständen und in einem guten Scheme glänzen kann, sondern eben auch, dass er noch immer eine funktionale Offense aufs Feld bringen kann, wenn Scheme und Umstände ihm nicht helfen. Das hält ihn für mich weiter im Liga-Mittelfeld, auch wenn seine Zeit in Tennessee ihrem Ende entgegengeht.

16. Daniel Jones, New York Giants

Die kommende Saison sollte Daniel Jones' Profil signifikante zusätzliche Schärfe verleihen. Letztes Jahr, und man kann das problemlos sagen, hatte Jones erstmals einen guten offensiven Trainerstab, der das absolute Maximum aus der Offense herausholte. Doch dieser Trainerstab verlangte von Jones so auffällig wenig insbesondere als Passer, dass die Frage im Raum steht: Trauen sie Jones nicht mehr zu? Oder waren die Umstände so wacklig, dass sie Jones möglichst wenig aufbürden wollten?

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#60: Preview NFC/AFC East - unsere X-Faktoren!
01:28:16 Stunden
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Hier sollte die kommende und ab September startende Regular Season Antworten liefern, denn die Umstände wurden definitiv verbessert. Was man schon sicher sagen kann, ist, dass Jones' Rushing-Qualitäten eine größere Rolle in der Offense einnehmen - und das ergibt durchaus Sinn. Aktuell aber ist das auch sein klar wertvollstes Tool, denn als Passer war er nicht mehr als ein sicherer Ballverteiler. Kann Jones hier in besseren Umständen einen Schritt nach vorne machen, könnte er auch einige Plätze klettern.

15. Jared Goff, Detroit Lions

Die letzten beiden Jahre in Detroit fassen perfekt zusammen, was für ein Quarterback Jared Goff ist: Wenn die Umstände wacklig sind, wenn der Quarterback individuell mehr kreieren, mehr machen, einen größeren Teil der offensiven Production schultern muss, dann wird mit Goff bestenfalls eine mittelmäßige, möglicherweise noch darunter anzusiedelnde Offense herausspringen. Das war 2021 zu beobachten.

2022 dann erhielt das offensive Playcalling mit Ben Johnson ein massives Upgrade, die Stars in der Offensive Line blieben fit und Amon-Ra St. Brown machte einen Sprung zum Nummer-1-Receiver in seiner Slot-Rolle. Kurzum: Die Umstände wurden deutlich besser, und mit diesen Verbesserungen steigerte sich Goff dann auch deutlich, sodass Detroit am Ende eine Top-10-Offense stellte. Goff ist eines von mehreren guten Beispielen in der NFL aktuell für Quarterbacks, die eine funktionierende Offense gut aufs Feld übertragen, aber mehr ein Zahnrad in einer rund laufenden Maschine sind, weniger der maßgebliche Treiber dahinter.

14. Tua Tagovailoa, Miami Dolphins

Dass Tua Tagovailoa ein guter Ballverteiler gerade über die Mitte des Feldes ist, mit guter Antizipation und einem schnellen Release, das steht außer Frage. Das macht ihn zu einem wertvollen Quarterback innerhalb eines funktionierenden Schemes - und genau das war er in der vergangenen Saison. Miami nutzte Motion beim Snap bei fast der Hälfte seiner Plays (45,9 Prozent), mit weitem Abstand Liga-Höchstwert - und unter allen Quarterbacks mit mindestens 400 Dropbacks hatte Tagovailoa die mit deutlichem Abstand höchste Play-Action-Quote: Über 43 Prozent seiner Dropbacks kamen via Play Action, Bears-Anführer Fields stand mit knapp 33 Prozent auf dem zweiten Platz.

Das sind nur zwei Beispiele, um aufzuzeigen, dass Tagovailoa in der vergangenen Saison zwar großartige Zahlen auflegte, dies aber auch in einer herausragenden Struktur machte. Und das beschreibt ihn vielleicht am besten: In einem Elite-Scheme mit Elite-Waffen kann Tua Elite-Zahlen auflegen. Ob er eine Offense tragen kann, Offense kreieren kann? Das ist eine ganz andere Frage. In der Hinsicht halte ich ihn für zu limitiert.

Murray, Stafford, Geno: Große Ungewissheiten für 2023

13. Kyler Murray, Arizona Cardinals

Einige Punkte sind hier für die Einordnung wichtig: Ja, Kyler Murray wird voraussichtlich zum Start der Saison noch nicht fit sein - ich hielt es trotzdem sinnvoller, in diesem Ranking über Murray und dessen potenzielle Einordnung zu schreiben, als über Colt McCoy oder Rookie Clayton Tune, die ganz am Ende dieses Rankings zu finden gewesen wären und im Fall von Tune generell noch nicht viel Info zu bieten haben. Murray kommt aus seiner schlechtesten NFL-Saison, in welcher er sich seit dem Camp unter anderem mit Problemen am Handgelenk herumgeplagt hatte und sich dann spät in der Saison das Kreuzband riss.

Nur ein Jahr vorher war er bis etwa Woche 10 ein legitimer MVP-Kandidat, und obwohl die Cardinals ihn bereits bezahlt haben, könnte 2023 ein richtungsweisendes Jahr für ihn werden: Murray ist, wenn er fit ist, ein spektakulärer Playmaker, und unter Kliff Kingsbury hing zu viel davon ab, dass Murray individuell kreieren kann.

Gelingt es dem neuen Trainerstab, Murrays Rushing-Qualitäten sowie sein Armtalent in ein Scheme zu packen, das ihn mehr unterstützt? Dann könnte er ein starkes Comeback hinlegen, denn das physische Talent bietet mehr Möglichkeiten als bei mehreren der Quarterbacks auch vor ihm in der Liste. Doch falls Murray selbst sich zu sehr auf Improvisationen stützt und zu sehr von seinen Playmaker-Qualitäten leben will, könnte Arizona ihn nach der Saison ersetzen.

12. Geno Smith, Seattle Seahawks

Sollte Geno Smith seine Vorsaison bestätigen können - jetzt in noch besseren offensiven Umständen in Seattle -, dann sind die Seahawks ein Team, das potenziell auch in den Play-offs für Furore sorgen könnte. Und es gibt Argumente, um zu sagen, dass Smiths Vorsaison, auch wenn es der seltene Breakout im zehnten Jahr in der NFL war, in einigen Bereichen so stabil war, dass er darauf aufbauen kann. Das Armtalent war bei ihm nie das Problem, jetzt schien er aus der Pocket deutlich komfortabler zu spielen, er öffnete die Mitte des Feldes für diese Offense und war auch sicher aus Empty-Formationen.

Gleichzeitig ist es für den vollen Kontext essentiell zu erwähnen, dass Smith in einigen Bereichen herausragend war, die selten von Jahr zu Jahr sonderlich stabil sind. Tiefe Touchdown-Pässe etwa, in denen Smith die Liga mit Abstand anführte. Auch hatte er vergleichsweise großes Turnover-Glück. Es gehört nicht viel Fantasie dazu, sich vorzustellen, dass Smiths riskanter Spielstil in der kommenden Saison zu mehr Interceptions führen kann, während die Big Plays eine leichte Regression erfahren.

11. Kirk Cousins, Minnesota Vikings

Es gibt eine Gruppe Quarterbacks in der NFL, die für mich das Mittelmaß auf der Position prägen, aus der je nach Umständen aber in einer beliebigen Saison ein, zwei Quarterbacks Top-10-Zahlen auflegen - und dann die jährliche Debatte beginnt, ob es ein Top-10-Quarterback ist, oder ob der Quarterback in erster Linie in guten Umständen gut funktioniert.

Tua war für mich das Paradebeispiel in der vergangenen Saison. Goff gehört in diese Gruppe, Jones, Tannehill - und eben Kirk Cousins, den ich an die Spitze dieses Tiers setzen würde. Denn Cousins legt nicht nur als Passer das größte Maß an Konstanz aus dieser Gruppe an den Tag, von Cousins haben wir auch am ehesten schon gesehen, dass er in mittelmäßigen Umständen immer noch solide Zahlen auflegen kann. Und gleichzeitig ist auch Cousins in meinen Augen eben kein Quarterback, der eine Offense trägt oder sie gar prägt. Da sehe ich den Unterschied zu den Quarterbacks in der Top 10.

10. Matthew Stafford, Los Angeles Rams

Nach einer verkorksten Vorsaison ist Matt Stafford endlich wieder fit - und will auch mit einem Rams-Team im Umbruch angreifen.

Nach einer verkorksten Vorsaison ist Matthew "Matt" Stafford endlich wieder fit - und will auch mit einem Rams-Team im Umbruch angreifen. Getty Images

Matthew Stafford ist eine große Wildcard, und ähnlich wie bei Murray ist es schwer, ihn infolge seiner Verletzungen (Ellbogenprobleme, mehrere Gehirnerschütterungen, Verletzung an der Wirbelsäule) vernünftig einzuordnen. Der einzige sinnvolle Weg für dieses Ranking liegt für mich darin, den Berichten aus der Saisonvorbereitung Glauben zu schenken, wonach Stafford fit ist - mehr noch als in den vergangenen Jahren.

Stafford selbst sprach darüber, dass er jetzt über zwei Jahre mit Schmerzen zu kämpfen hatte und dass er sich endlich wieder fit fühlt. Ausgehend davon gehört Stafford für mich klar in die Top 10 als noch immer einer der besseren reinen Passer ligaweit, und auch individuell eben vor die Gruppe Quarterbacks, die ich zu großen Teilen als klar scheme-abhängig beschreiben würde.

9. Dak Prescott, Dallas Cowboys

Dak Prescott ist der klare "Trenner" zwischen den obersten Quarterback-Tiers und der oberen Mittelklasse - mit Tendenz näher Richtung Cousins und Co. als nach oben. Prescott ist ein guter Pocket Passer, ein guter Game Manager, der aber nicht nur nach wie vor seine Aussetzer hat, sondern der auch mehr als die Quarterbacks vor ihm von den Umständen abhängig ist.

Prescott hat sich in den Kernkompetenzen eines Pocket Passeres - also dem Lesen von Defenses, dem schnellen Identifizieren von Matchups unter anderem - über die Jahre deutlich gesteigert, sodass diese Art zu spielen mittlerweile sein Spiel prägt. Er bringt nicht die herausragenden physischen Tools mit, wie sie andere Quarterbacks vor ihm haben, und er ist anfälliger etwa unter Druck. Doch wenn nach dem achten Platz ein klarer Cut erfolgt, so wie ich es hier einordne, führt Prescott die nächste Gruppe an.

Top-8 als eigene Gruppe: Wie hoch klettert Trevor Lawrence?

8. Trevor Lawrence, Jacksonville Jaguars

Innerhalb der Top 10 ist Lawrence für mich der Nummer-1-Kandidat, um im Laufe der kommenden Saison mehrere Plätze nach oben zu klettern. Bereits in seinem zweiten Jahr in der NFL gehörte Lawrence zu den besten Quarterbacks, was Pocket-Movement und Pocket-Verhalten generell angeht. Das in Kombination mit einem sehr guten Arm, der es ihm auch erlaubt, "Off-Platform"-Würfe akkurat zu setzen - und mit seinem schnellen Release führt es schon jetzt zu einem sehr effizienten Passer.

Lawrence hat die physischen Tools, um sich im zweiten Jahr mit Head Coach Doug Pederson noch zu steigern, nachdem seine Rookie-Saison unter Urban Meyer als verschwendetes Jahr verbucht werden musste.

7. Aaron Rodgers, New York Jets

Die vergangene Saison war Aaron Rodgers' schwächstes Jahr unter Matt LaFleur in Green Bay, nach aufeinanderfolgenden MVP-Titeln gab es einen klaren Rückschritt - und Rodgers wird im Laufe der kommenden Saison 40 Jahre alt. Ein wenig ist bei dieser Platzierung also die potenzielle Regression im Hinterkopf, auch wenn das nicht als Headliner für Rodgers' Profil fungieren sollte. Denn bislang hat Rodgers physisch nicht abgebaut, auch letztes Jahr war deutlich zu sehen, dass das Armtalent noch da ist - inklusive für den Deep Ball.

Es wird spannend sein zu sehen, wie Rodgers mit Hackett als Play-Caller funktioniert - und was passiert, sollte die Offensive Line der Jets wackeln. Aber Rodgers für sich betrachtet gehört noch ganz klar in die Top 8 unter den NFL-Quarterbacks - und vielleicht zeigt er nach dem Tapetenwechsel, dass sogar nochmals mehr als das geht.

6. Jalen Hurts, Philadelphia Eagles

Jalen Hurts hat innerhalb eines Jahres einen rasanten Aufstieg hingelegt.

Jalen Hurts hat innerhalb eines Jahres einen rasanten Aufstieg hingelegt. Getty Images

Es gibt zwei berechtigte Gegenargumente für alle, die bei Hurts noch skeptischer sind und ihn noch nicht ganz so hoch einsortieren würden: Wir haben erst eine Saison auf allerhöchstem Level von Hurts gesehen - und diese Saison kam in den vielleicht besten Umständen, was die Kombination aus Receiving-Waffen und Offensive Line angeht in der gesamten NFL. Das führt auch dazu, dass wir Hurts nur vergleichsweise selten in Situationen gesehen haben, in denen er Spiele aus der Pocket in offensichtlichen Passing-Situationen gewinnen musste.

Einige dieser Rest-Zweifel wird Hurts vielleicht in der kommenden Saison ausräumen können, gleichzeitig muss man aber auch den Ist-Zustand betrachten: Hurts hat als Passer signifikante Fortschritte hingelegt, er ist ein sehr guter Deep Passer und war letztes Jahr gut darin, seine Matchups zu identifizieren. Und das Rushing ist selbstredend ein zentraler Part seines Spiels, wodurch der inzwischen teuer bezahlte QB der Offense eine Dimension gibt, wie es nur wenige Quarterbacks in der NFL können.

5. Lamar Jackson, Baltimore Ravens

Zwischen Platz 4 und Platz 5 sehe ich einen Tier-Break mit Lamar Jackson, Hurts, Rodgers und Lawrence in einem Tier. Jackson ist aus dieser Gruppe für mich der spannendste Quarterback vor der kommenden Saison, weil wir ihn in einer Rolle sehen werden, in der wir Jackson noch nie in der NFL gesehen haben: in einer Offense mit mehr Fokus auf das Passing Game - und umgekehrt gesagt aber auch einem ausgeprägteren Passing Scheme, welches mehr Antworten bereitstellen sollte.

Jacksons Qualitäten als Runner sind unbestreitbar, hiermit öffnet er, ähnlich wie Hurts, auch Dinge für die gesamte Offense, am Boden und in der Luft. Und wenn die Ravens mal eine vernünftige Passing-Struktur hatten, war Jackson auch als Passer gefährlich - zu häufig in den letzten Jahren aber musste er hier zu viel alleine tragen.

Und selbst dann war Jackson in der Lage, die Offense zu tragen: Bis zu seiner Verletzung im Vorjahr hatte Baltimore nach DVOA die Nummer-4-Offense und stand in puncto Passing Success Rate auf Platz 16, gleichauf mit den Eagles und vor etwa den Packers mit Rodgers oder den Chargers mit Justin Herbert. Die größte Frage ist jetzt: Funktioniert der letztlich doch in Baltimore gebliebene Jackson in dem Ausmaß auch als Passer mit größerem Fokus auf das Passing Game?

4. Justin Herbert, Los Angeles Chargers

Nicht nur, weil er bezahlt wurde, sondern in erster Linie, weil sein häufig (zurecht) kritisierter Offensive Coordinator ausgetauscht wurde, steht Quarterback Herbert 2023 unter besonderer Beobachtung. Es stimmt, dass Joe Lombardis Offense ihm nicht nur wenig unter die Arme griff, was das vertikale Passspiel angeht, sondern auch ein immens hohes Maß an Konstanz als Down-für-Down-Passer von ihm verlangte.

Und Herbert spielte in den strikten Parametern dieser Offense gut - mehr noch, nur weil er so ein konstanter, disziplinierter Pocket-Passer ist, war die Offense selbst mit zahlreichen Ausfällen noch funktional. Doch um sich als dieser sichere Top-5-Quarterback - wo ich ihn aktuell sehe - zu bestätigen, muss er zeigen, dass er mehr sein kann. Und dass die Struktur der Offense hauptverantwortlich für die Art und Weise war, wie die Chargers zuletzt offensiv gespielt haben. Herbert hat einen Elite-Arm und ist einer der besten Quarterbacks ligaweit, was Pocket-Management angeht. Aus seinen Tools müsste man noch mehr machen können.

Das QB-Spitzentrio auf einem eigenen Level

3. Joe Burrow, Cincinnati Bengals

Joe Burrow und Josh Allen machen für mich ein eigenes Tier aus, sodass die Wadenverletzung von Joe Burrow für den Moment ein willkommener Tie-Breaker ist. Burrow ist ein unheimlich guter Pocket Passer, der Defenses schnell lesen und diagnostizieren kann, der als Passer aus der Pocket Defenses sezieren, aber auch kreieren kann.

Hier ist er am ehesten ein Outlier in dieser absoluten Spitzengruppe: Burrow hat keinen Elite-Arm und auch nicht die Athletik, die Allen, Hurts, Jackson oder auch zu einem gewissen Grad Mahomes mitbringen. Das limitiert ihn in einzelnen Szenarien, doch gleichzeitig zu sehen, wie er sein Spiel vom Big-Play-Passer 2021 hin zum Chirurgen aus der Pocket letztes Jahr umstellen konnte, war mehr als eindrucksvoll.

2. Josh Allen, Buffalo Bills

Josh Allen und die Buffalo Bills werden erneut um die AFC-Krone mitspielen

Josh Allen und die Buffalo Bills werden erneut um die AFC-Krone mitspielen Getty Images

Im direkten Vergleich zu Burrow ging die vergangene Saison an den Bengals-Quarterback, auch weil bei Allen der mittlerweile vermutlich größte Kritikpunkt gerechtfertigt war: die gelegentliche Inkonstanz in seinem Spiel. Und das ist eine berechtigte Kritik, allerdings muss man bei Allen dazu sagen, dass er aus diesem Top-Trio die größte Last selbst schultern muss.

Er hat nicht die Offensive Line oder den Playcaller wie Mahomes, er hat nicht das Elite-Waffenarsenal wie Burrow. Allen war der einzige Quarterback, der in der vergangenen Saison über 500 Rushing Yards und gleichzeitig über 4800 Passing Yards auflegte; zu häufig braucht die Bills-Offensive von Allen diese Auftritte, in denen er ein Spiel an sich reißt.

Das macht sein ohnehin risikofreudiges Spiel nochmals anfälliger, doch ist es wichtig, diese Fehler im Gesamtkontext richtig einzuordnen. Die Dimension, der er der Offense zusätzlich als Runner geben kann, bringt in dem Ausmaß kein anderer Quarterback aus der Top 4 mit.

1. Patrick Mahomes, Kansas City Chiefs

Ich halte es für fair, Mahomes in sein eigenes Tier einzuordnen. Die Kombination aus Armtalent, Playmaking-Qualitäten innerhalb und außerhalb des Schemes, Kreativität als Passer innerhalb und außerhalb der Pocket und zusätzlich der Konstanz, um auf einem hohen Level im Scheme zu spielen, diese Kombination bringt so kein anderer Quarterback mit. Aktuell jedenfalls nicht - und selbst in den letzten 20 Jahren ist diese Liste sehr, sehr kurz. Die Mischung aus Playmaker und In-Structure-Quarterback ist faszinierend und macht Kansas City zum jährlichen Titelanwärter.

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