Handball

Prokops Wechsel zünden: Bitter führt DHB-Team zum Prestigesieg

Deutschland lässt Österreich keine Chance

Prokops Wechsel zünden: Bitter führt DHB-Team zum Prestigesieg

Man of the Match: Johannes Bitter.

Man of the Match: Johannes Bitter. imago images

Bundestrainer Christian Prokop startete mit der selben Startaufstellung wie am Samstag, als das DHB-Team sich nach intensiven 60 Minuten Kroatien denkbar knapp 24:25 geschlagen geben musste. Bereits vor dem Beginn der Partie hatte Spanien durch ein souveränes 37:28 gegen Weißrussland auch die letzten theoretischen Chancen auf ein Halbfinale mit deutscher Beteiligung beendet. Die Frage stand im Raum, ob sich Deutschlands Handballer für das Aufeinandertreffen mit Österreich überhaupt noch motivieren könnten. DHB-Vize Bob Hanning sprach bei der "ARD" von einem "Schlüsselspiel" für den deutschen Handball.

Deutschem Mittelblock fehlt die Abstimmung

Ein nervöser Auftakt und der gut aufgelegte österreichische Torhüter Thomas Eichberger (HSG Graz) bestärkten die leisen Zweifel am DHB-Team. Angetrieben von euphorisierten Fans in der mit 9000 Zuschauern ausverkauften Wiener Stadthalle setzte sich Österreich nach sechs Minuten erstmals auf zwei Tore (4:2) ab und hielt die deutsche Defensive in der Folge mit vielen Positionswechseln auf Trab.

Bitter kommt zur richtigen Zeit

Große Abstände im Zentrum und die fehlende Körpersprache seiner Vorderleute machten DHB-Keeper Andi Wolff (eine Parade nach 15 Minuten) das Leben schwer. Prokop reagierte mit einer aggressiveren 5:1-Deckung und brachte zudem Johannes Bitter für Wolff ins Tor. Die Veränderungen griffen: Deutschland kämpfte sich in die hitzige Begegnung hinein und übernahm durch Jannik Kohlbachers Treffer zum 11:10 (21. Minute) erstmals die Führung.

"Einfache" Tore sichern Halbzeitpolster

Dass zur Halbzeit ein 16:13-Vorsprung für Deutschland auf der Anzeigetafel stand, war zum Großteil der nun funktionierenden Abwehrarbeit zu verdanken. Österreichs Rückraum um Kapitän Nikola Bylik (THW Kiel) fand in den letzten zehn Minuten vor dem Pausengang kaum noch ein Durchkommen - und gelang es dem ÖHB-Team doch einmal, stand wie bei Robert Webers Versuch nach 23 Minuten Bitter, der sein Team emotional anpeitschte, im Weg. Das ermöglichte einige "einfache" Tore über den Gegenstoß und ein Drei-Tore-Polster nach 30 Minuten.

DHB-Motor läuft - Bitter, immer wieder Bitter

Nach dem Seitenwechsel sorgte Johannes Golla, der bereits im ersten Abschnitt für den angeschlagenen deutschen Abwehrhünen Patrick Wienczek in die Partie gekommen war, mit seinem ersten Tor direkt für ein Ausrufezeichen. Deutschland knüpfte dort an, wo es in Hälfte eins aufgehört hatte. Bitter wurde für den österreichischen Angriff zu einer großen Hürde und das Offensivspiel lief. Nach 40 Minuten führten die Prokop-Schützlinge 23:16.

Bitter glänzt mit 15 Paraden - "Jogi"-Rufe in Wien

Timo Kastening traf sechsmal

Bester Torschütze der Partie: Deutschlands Rechtsaußen Timo Kastening. imago images

Die Verhältnisse wurden nun immer deutlicher - Hendrik Pekeler sorgte nach 49 Minuten erstmals für eine beruhigende Zehn-Tore-Führung (29:19). In der Schlussphase holte sich das DHB-Team Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben. Bester Torschütze der Partie wurde Timo Kastening mit sechs Treffern, Bitter glänzte mit 15 Paraden und Tobias Reichmann verwandelte alle fünf Siebenmeter eiskalt.

DHB spielt in Stockholm um Platz fünf

Zum Abschluss der Hauptrunde geht es für Deutschland am Mittwoch (20.30 Uhr) gegen Tschechien. Das Finalwochenende ist dem DHB-Team aber nicht mehr zu nehmen. In der schwedischen Hauptstadt geht es dann noch um Platz fünf.

Der Deutschland-Sieg im Stenogramm

Österreich : Deutschland 22:34 (13:16)

Österreich: Bauer, Eichberger - Bilyk 5, Posch 4, J. Bozovic 3, R. Weber 3, Frimmel 2, Zivkovic 2, Herburger 1, Santos 1, Zeiner 1, Dicker, Hutecek, Jochmann, Wagner, Wöss
Deutschland:Bitter (TVB Stuttgart), Wolff (KS Vive Kielce) - Kastening (TSV Hannover-Burgdorf) 6, Reichmann (MT Melsungen) 5/5, Kohlbacher (Rhein-Neckar Löwen) 4, Pekeler (THW Kiel) 4, Böhm (TSV Hannover-Burgdorf) 3, Ph. Weber (DHfK Leipzig) 3, Gensheimer (Rhein-Neckar Löwen) 2, Golla (SG Flensburg-Handewitt) 2, K. Häfner (MT Melsungen) 2, Drux (Füchse Berlin) 1, D. Schmidt (TVB Stuttgart) 1, Zieker (TVB Stuttgart) 1, Kühn (MT Melsungen), Wiencek (THW Kiel)
Schiedsrichter: Nachevski/Nikolov (Mazedonien)
Zeitstrafen: 4:2
Siebenmeter: 1/0:5/5
Zuschauer in Wien: 9000

tow