Bundesliga

Hertha-Manager Michael Preetz über Salomon Kalou: "Ich war schockiert"

Hertha geht mit mehr als 30 Spielern ins Trainingslager

Preetz über Kalou: "Ich war schockiert"

Hat sich nochmals über Salomon Kalou und dessen "Facebook-Live-Video" geäußert: Hertha-Manager Michael Preetz.

Hat sich nochmals über Salomon Kalou und dessen "Facebook-Live-Video" geäußert: Hertha-Manager Michael Preetz. imago images

Kalou hatte am Montagnachmittag in einem live bei Facebook gestreamten Video gegen mehrere DFL-Vorgaben verstoßen. Der ivorische Stürmer hatte sowohl Fitnesstrainer Henrik Kuchno als auch Hertha-Kapitän Vedad Ibisevic per Handschlag begrüßt, andere Profis in der Umkleide mit der Faust. Später war er in einen Corona-Abstrich geplatzt, den Physiotherapeut David de Mel bei Verteidiger Jordan Torunarigha vornahm.

Hertha hatte Kalou, der 2014 vom französischen Erstligisten OSC Lille gekommen war und dessen Vertrag zum 30. Juni ausläuft, noch am Montagabend mit sofortiger Wirkung vom Spiel- und Trainingsbetrieb suspendiert.

Spielersteckbrief Kalou
Kalou

Kalou Salomon

Spielersteckbrief Baak
Baak

Baak Florian

Spielersteckbrief P. Dardai
P. Dardai

Dardai Palko

Spielersteckbrief Kiprit
Kiprit

Kiprit Muhammed

Spielersteckbrief Albrecht
Albrecht

Albrecht Julian

Spielersteckbrief O. Rekik
O. Rekik

Rekik Omar

Trainersteckbrief Labbadia
Labbadia

Labbadia Bruno

"Ich war einigermaßen schockiert über das, was da passiert ist. Ich hatte im ersten Moment keine Erklärung dafür und habe die bis heute nicht, wie es zu diesem Video gekommen ist", erklärte Preetz nun an diesem Donnerstag. "Dass wir über ein gravierendes Fehlverhalten eines Spielers sprechen, ist unstrittig. Aus unserer Sicht gab es keine andere Möglichkeit, als dieses Fehlverhalten so zu sanktionieren, wie wir das gemacht haben. Mir ist es aber auch wichtig, darauf hinzuweisen, dass wir Salomon sechs Jahre bei uns hatten und er in dieser Zeit nicht nur ein tadelloser Sportsmann war, sondern mir ans Herz gewachsen ist - einfach, weil er ein besonderer Typ ist und jemand, der über den Tellerrand hinausguckt. Trotzdem ist klar, dass wir keine andere Wahl hatten, als ihn zu suspendieren. Er hat einen schweren Fehler gemacht. Dafür hat er die Verantwortung voll übernommen und sich entschuldigt. Aber wir werden ihn nicht verdammen, das muss man auch klar sagen."

"Jeder hat seine eigene Interpretation der Bilder"

Dass sich nicht nur Kalou nicht an die Vorschriften hielt, räumte Preetz ein: "Es sind einige Fehlverhalten dagewesen. Jeder hat seine eigene Interpretation der Bilder. Keiner konnte davon ausgehen, dass Salomon live mit einem Video unterwegs ist. Er hat den einen oder anderen überfallen. Nichtsdestotrotz haben sich nicht alle regelkonform verhalten."

Physiotherapeut de Mel, der Kalou mehrfach erfolglos zum Beenden und Löschen des Videos aufgefordert hatte, nahm der Manager ausdrücklich in Schutz: "Er hat sich komplett korrekt verhalten, das hat uns die DFL bestätigt. Er trug den notwendigen Mundschutz und die notwendigen Handschuhe bei symptomfreien Testspersonen. Der Schutzanzug ist dann nötig, wenn Symptome auftreten."

Michael Preetz und Salomon Kalou

Ein Bild aus vergangenen Tagen: Michael Preetz und Salomon Kalou, laut Preetz eigentlich "ein tadelloser Sportsmann", klatschen sich ab. imago images

Am Tag nach dem Vorfall, der die gesamte Branche mit Blick auf die nahende Entscheidung der Politik in Aufruhr und Sorge versetzt hatte, hatte Preetz die Hertha-Profis abermals eindringlich gebrieft: "Wir haben nochmal intensiv mit der Mannschaft das Fehlverhalten von Salomon aufgearbeitet und darauf hingewiesen, dass wir jederzeit die Abstands- und Hygieneregeln, die jedem Spieler aus dem Handbuch der medizinischen Taskforce der DFL vertraut waren und sind, beachten müssen. Wir haben zweisprachig Schulungen gemacht, in Deutsch und in Englisch - und diese Schulungen wurden und werden immer angepasst, wenn das Handbuch angepasst wird. Wir haben zwei Mannschaftsärzte, die das mit den Spielern machen. Wir tun alles in unserer Macht Stehende, um die Regeln einzuhalten."

Aus der - am Montag angesichts der Live-Bilder aus Berlin aufgeschreckten - Liga habe Preetz "keine Reaktion erreicht", wie er am Donnerstag betonte. Zu DFL-Direktor Ansgar Schwenken hatte Preetz am Montag unmittelbar nach Kalous Aktion telefonischen Kontakt aufgenommen.

Re-Start: "Total einverstanden mit der Vorgehensweise der Liga"

Dass inzwischen finale Klarheit besteht, dass die Bundesliga am 16. Mai - Hertha gastiert dann bei der TSG Hoffenheim - wieder startet, begrüßte Preetz: "Darüber freuen wir uns." Den vom neuen Trainer Bruno Labbadia erhofften Vorlauf von 14 Tagen Mannschaftstraining wird es somit nicht geben. Preetz: "Das ist eine Entscheidung, die das DFL-Präsidium vor der heutigen Mitgliederversammlung getroffen hat. Es gibt gute Argumente für beide Termine (16. und 23. Mai; Anm.d.Red.). Aber das Wichtigste ist, dass der Ball wieder rollt." Hertha stehe "voll und ganz zu dem Termin der Wiederaufnahme am 16. Mai" und sei "total einverstanden mit der Vorgehensweise der Liga".

Rückkehr ins Training: "Wir warten noch auf die Freigabe"

Am Donnerstagnachmittag lag vom Berliner Senat derweil noch keine Erlaubnis für die Rückkehr ins reguläre Mannschaftstraining vor. "Wir warten noch auf die Freigabe", sagte Preetz. "Wir hoffen, dass wir so schnell wie möglich in den Mannschaftsbetrieb zurückkehren können. Wir wissen, dass wir dann eine sehr überschaubare Anzahl an regulären Trainingseinheiten haben werden. Aber wir wussten vorher, dass wir Dinge in Kauf nehmen müssen. Wir sind froh, dass es wieder losgehen kann." Die DFL habe einen "tollen Job gemacht", lobte Preetz. "Ihr einmaliges Konzept ist die Grundlage, dass der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden kann. Es war immer klar, dass der Fußball nicht darauf besteht, Extra-Würste gebraten zu kriegen, sondern dass wir uns dem Diktat der Politik unterwerfen. Die Politik hat die Ampel auf Grün geschaltet unter Einhaltung der entwickelten Vorgaben."

Noch im Laufe des Donnerstag soll es weitere abstimmende Gespräche zwischen Hertha und dem Hotel "Palace", in das sich Hertha zeitnah und bis zum Hoffenheim-Spiel in die geforderte einwöchige Quarantäne zurückziehen will, geben. "Wir werden zwischen dem Hotel und unserem Trainingsgelände am Olympiapark hin- und herreisen unter Einhaltung der gängigen Abstands- und Hygieneregeln. Das wird die einzige Wegstrecke sein, die wir in der Woche zurücklegen", kündigte Preetz an.

Jung-Profis Dardai, Kiprit, Baak, Albrecht, Rekik im Visier

Hertha will sich nach den Worten des Managers mit einem Kader von mehr als 30 Spielern ins Trainingslager begeben: "Wir sind gerade dabei, die finale Liste zusammenzustellen." Zuletzt hatten neben Top-Talent Lazar Samardzic (18) auch die im vergangenen Sommer zur U 23 abgeschobenen Jung-Profis Palko Dardai (21), Muhammed Kiprit (20) und Florian Baak (21) wieder mit den Profis trainiert, ebenso Julian Albrecht (18). Zudem hatte Neu-Coach Labbadia mit Blick auf die von der DFL empfohlene Verbreiterung des Kaders weitere Talente aus dem A-Jugend-Bereich wie Omar Rekik (18), Bruder des Hertha-Profis Karim Rekik, nach oben geholt. Verletzte Spieler beklagt der Bundesliga-Dreizehnte aktuell nicht.

Steffen Rohr

So geht es weiter: Das Restprogramm der Bundesligisten