Bundesliga

Preetz: "Ich erwarte, dass sich die Mannschaft am Riemen reißt"

Herthas Manager nimmt Team und Trainer in die Pflicht

Preetz: "Ich erwarte, dass sich die Mannschaft am Riemen reißt"

Sieht nach der Leipzig-Klatsche viel aufzuarbeiten: Hertha-Manager Michael Preetz

Sieht nach der Leipzig-Klatsche viel aufzuarbeiten: Hertha-Manager Michael Preetz picture alliance

Die Darbietung in Leipzig müsse man "gründlich aufarbeiten", bilanziert Preetz: "Das war von der ersten bis zur letzten Minute ein miserabler, desolater Auftritt. Es hat alles gefehlt. Wir hatten vor allem im Zentrum nie Zugriff und haben zu wenig investiert. Man weiß, dass Leipzig auch über die Athletik kommt und gerade zu Hause extrem scharf ist. Da muss man dann als Gegner mehr investieren." Die Teamlaufleistung (RB 114,3km, Hertha 108,4km) war nur einer der Punkte auf der langen Mängelliste einer Berliner Mannschaft, die nahezu übers komplette Spiel mutlos und fehlerhaft agierte. Herthas dritte Niederlage in Folge hat die Hoffnung auf einen Europa-League-Platz in der Hauptstadt endgültig beerdigt. Keeper Rune Jarstein, der in Leipzig bester Berliner war und mit seinen Paraden ein mögliches 0:7 oder 0:8 verhinderte, brachte es nach dem Debakel auf den Punkt: "Wir funktionieren als Mannschaft gerade nicht gut genug."

Ein Hauptproblem bei der Vorführung am Samstag waren die großen Abstände auf dem Platz. "Entweder musst du früh draufgehen oder du musst tief stehen, aber du musst es im Block machen", sagt Preetz. "Uns zeichnet sonst unsere Kompaktheit aus. Die hat am Samstag komplett gefehlt."

Wechsel kommen erstaunlich spät

Die angesichts der Unterlegenheit eigentlich dringend gebotene Korrektur - personell wie taktisch - erfolgte überraschend spät. Erst nach 59 Minuten - nach Lukas Klünters Einwechslung für den insdisponierten Fabian Lustenberger - wechselte Hertha vom 3-5-2 in ein 4-1-4-1. "Wir haben uns nicht angepasst, wie wir den Ball anlaufen", monierte Valentino Lazaro, der 2017 vor seinem Wechsel von RB Salzburg nach Berlin auch in Leipzig ein Thema war. "Man hat gesehen, dass sich Kevin Kampl, wie er das immer gerne macht, nach fünf, sechs Minuten auf die Seite rausfallen ließ, um den Ball abzuholen und das Spiel aufzubauen. Da waren wir nicht schlau genug, einen Mann rauszustellen, und haben sie in Überzahl aufbauen lassen. Wenn man das nicht korrigiert, kann es auch nicht besser werden im Spielverlauf."

Das schlechteste Spiel unter Pal Dardai.

Michael Preetz

Die mit dem 3:1 in Nürnberg hoffnungsvoll begonnene Rückrunde droht wie in den Jahren zuvor zu einer Enttäuschung zu werden. Preetz: "Im Moment wiederholt sich das Muster der Vorjahre. Der Auftakt in die Rückrunde war ordentlich, aber davon sind wir jetzt ein Stück weg. Elf Punkte aus zehn Spielen, das ist keine zufriedenstellende Ausbeute." Dardai war am Sonntag einer bereits vor Wochen zugesagten Einladung in die Sky-Sendung "Wontorra - der o2 Fußballtalk" gefolgt, das Auslaufen in Berlin leitete in Dardais Abwesenheit Co-Trainer Rainer Widmayer, der konstatierte: "Wir haben den Gegner durch unsere Fehler eingeladen." Unmittelbar nach dem Abpfiff in Leipzig hatte Dardai mit Blick auf Platz 10 gesagt: "Die Stimmung im Team war nicht ganz so in Ordnung. Ich glaube, dass die Spieler spüren, dass nach vorne nichts mehr geht, dass nach hinten nichts mehr geht." Preetz indes kann mit Begriffen wie Niemandsland "nichts anfangen", er sagt: "Es geht um Punkte, um Prestige, um Prämien. Wir haben jedes Wochenende uns und unseren Fans gegenüber eine Verpflichtung. Und im Übrigen hindert uns niemand daran, mal eine Serie zu starten."

Preetz will Reaktion gegen Düsseldorf sehen

Sein klarer Auftrag: "Ich erwarte, dass sich die Mannschaft in den restlichen sieben Spielen am Riemen reißt und am Samstag gegen Fortuna Düsseldorf eine Reaktion kommt. Das ist ein gut organisierter Gegner, der eine tolle Runde spielt, mit viel Selbstvertrauen kommt und schnell umschaltet." Es wird für den gebürtigen Düsseldorfer Preetz das Wiedersehen mit dem Verein, bei dem er sich in den 80er Jahren als junger Angreifer unter Aleksandar Ristic erste Sporen in der Bundesliga verdiente. Für nostalgische Anwandlungen ist in dieser Woche aber kein Platz, Hertha will die Kurve kriegen. Dardais Aufgabe wird es sein, die Mannschaft trotz der Tabellenkonstellation wieder unter Spannung zu bringen. Den vom Coach gern geäußerten Verweis auf die Zukunft ("Wenn die Mannschaft zusammenbleibt, kann etwas entstehen.") kontert Preetz: "Im Moment ist die Mannschaft zusammen. Da darf gern jetzt mehr kommen." Für Dienstag hat Dardai ("Das war ein schwarzer Tag") seinen Profis "einen ehrlichen Dialog" angekündigt. Nach dem Klartext vom Manager dürfte es dann Klartext vom Trainer geben.

Steffen Rohr