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Porsche 911 Targa: Renner mit Retro-Bügel

Spektakuläres Dachkonstrukt - Bis zu 450 PS - Marktstart September - Preise ab 125.247 Euro

Porsche 911 Targa: Renner mit Retro-Bügel

Porsche 911 Targa

Porsche 911 Targa: Dritter im Bunde des Sportwagen-Trios, das außerdem Coupé und Cabriolet umfasst. Hersteller

Es sind nicht die besten Bedingungen, um den neuen Porsche 911 Targa kennenzulernen. Ein verhangener Julihimmel schüttet sich über dem Schwarzwald aus und schickt graue Nebelfetzen über das Asphaltband, das sich dunkelnass durch die Landschaft windet.

Das Targadach bleibt also vorerst zu. Immerhin: Wir lernen so verstehen, warum der Targa bis heute unantastbarer Teil des klassischen Sportwagen-Trios um den 911er ist. Die Ganzjahrestauglichkeit spricht für ihn; sein vollautomatisches Dachsystem, das aus einem beweglichen Targa-Top über den Vordersitzen, einem Retro-Bügel und einer zur Panoramakuppel erwachsenen Heckscheibe besteht, soll das jeweils Beste vom 911er Cabrio und -Coupé vereinen, luftiges Frischluft-Feeling einerseits, das Gefühl von Sicherheit und Komfort andererseits.

"Sicherheitscabrio mit Überrollbügel"

Vor unserer Ausfahrt mit dem Targa bekommen wir in Zuffenhausen eine kurze Geschichtsstunde: Der erste 911er dieser Art richtete sich 1965 vor allem an die US-amerikanischen Kunden, denen das Cabrio aus Sicherheitsgründen nicht recht geheuer war. Der Targa mit seinem feststehenden Überrollbügel wurde somit als "Sicherheitscabrio" positioniert, sein Name war eine Reminiszenz an das legendäre sizilianische Straßenrennen "Targa Florio"; dass der italienische Begriff "Targa" so viel wie "Schild" bedeutet, hat dabei nicht geschadet.

Porsche 911 Targa

Typisch Targa: Der Retro-Bügel. Hersteller

Nach einem Intermezzo, welches das Targadach vorübergehend zum Schiebedach machte, darf der Targa seit 2014 wieder ganz Klassiker sein. Viele halten ihn für den schönsten unter den 911ern, wir sind geneigt, dieser Auffassung zu folgen.

In diesem Sommer schließt ein neuer Targa zu Coupé und Cabrio auf, die schon seit 2019 in achter Generation bereitstehen. Es gibt ihn als Targa 4 und als Targa 4S, jeweils von einem Dreiliter-Sechszylinder-Boxer mit Biturbo-Aufladung befeuert. Im Targa 4 leistet er 283 kW/385 PS, im 4S dagegen 331 kW/450 PS. Allradantrieb ist jeweils serienmäßig, ebenso wie ein elektronisch geregeltes variables Dämpfersystem und das Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe PDK. Handschalter-Fans bekommen den 4S aber alternativ und zum gleichen Preis mit einer neu entwickelten manuellen Siebengang-Schaltung.

Wir nehmen Platz in dem 2+2-Sitzer. Einen Startknopf gibt es nicht, so was hat inzwischen ja schon jeder Kleinstwagen, stattdessen erfolgt der Motorstart via Drehschalter, denn "911er-Kunden wollen immer noch links was drehen", wie Porsche-Sprecher Oliver Hilger sagt.

Wir drehen also und entfachen einen Sound, wie ihn einfach nur dieser Boxer inszenieren kann. Schon das gewittergleiche Grollen des Fortissimos ist ein einziges Leistungsversprechen, abgegeben, ohne sich dabei ins würdelos Halbstarke zu verirren.

Bis zu 304 km/h schnell

Es geht auf die Autobahn. Wäre sie frei, könnte unser 4S hier bis zu 304 km/h vorlegen. Wir probieren das nicht aus, bekommen auf dem Beschleunigungsstreifen aber eine Ahnung von der Wucht des Vorwärtsdrangs. In beeindruckenden 3,6 Sekunden (ohne 'Sport Plus' in 3,8 Sekunden) erreicht der 4S aus dem Stand Tempo 100; beim Targa 4 lauten die entsprechenden Daten auf 4,2 (4,4) Sekunden beziehungsweise 289 km/h.

Der doppelt aufgeladene Boxer agiert schlicht phänomenal. Nahtlos stürmt er durch die acht Gänge des blitzschnell schaltenden Doppelkupplungsgetriebes, als wir den Schwarzwald erreichen, schiebt die Maschine den Targa mit fabelhafter Leichtigkeit die bergigen Sträßchen hinauf. Serienmäßig verfügt der 4S über eine elektronisch geregelte Hinterachs-Quersperre, wunderbar ausbalanciert lässt er sich mithilfe der hochpräzisen Lenkung über das kurvige Terrain dirigieren, die Physik scheint Pause zu machen, selbst auf dem regennassen Asphalt verlieren wir nie das Vertrauen in den Sportler.

Porsche 911 Targa

Porsche 911 Targa 4S: Mit 450 PS markiert er die stärkere Version, der Targa 4 leistet 385 PS. Hersteller

Dass wir nicht zu weit gehen, stellt ein neues Fahrprogramm sicher. Sensoren in den vorderen Radhäusern erkennen die Nässe, eine Anzeige empfiehlt dem Fahrer dann, in den serienmäßigen "Wet Modus" zu wechseln, woraufhin die Antriebskräfte so sensibilisiert an die Räder transferiert werden, dass das Optimum an Fahrstabilität gewährleistet bleibt.

"Wet-Modus" für Sicherheit bei Nässe

Folgsam setzen wir die Aufforderung um und passen das Tempo sowieso an die Straßenverhältnisse an. Dennoch machen uns auf der Schwarzwald-Hochstraße immer wieder Urlauber aus Belgien oder den Niederlanden geradezu ehrfürchtig Platz, ganz ohne dass wir ihnen an der Stoßstange kleben. Auch ein nicht-aggressiver 911er besitzt Überholprestige, wie es scheint.

Als der Regen aufhört, setzt sich der Targa für die Touristen erst richtig in Szene. In 970 Metern Höhe, auf der Passhöhe Alexanderschanze, setzen sie begeistert die Handykameras in Gang, als wir das Dach öffnen. Tatsächlich ein filmreifes Spektakel: Zuerst erhebt sich die Glaskuppel im Heck, um dem Targadach Platz zu machen, das sich dann Z-förmig über dem Motorraum zusammenfaltet. Im letzten Schritt des Prozederes senkt sich die Kuppel wieder sanft in ihre Ausgangsposition herab. 19 Sekunden dauert der Vorgang, anders als das Cabrio muss der Targa dabei stehen.

Porsche 911 Targa

Blick ins Cockpit: Digitale Instrumente treffen auf klassisch-analoge Bedienelemente. Hersteller

Vom nunmehr freundlicheren Schwarzwaldhimmel verleitet lassen wir auf der Weiterfahrt die Seitenscheiben herunter, woraufhin der Fahrtwind allerdings recht ungestüm durchs Cockpit rauscht. Eher was für heiße Tage, heute ist keiner, also wieder rauf mit den Scheiben und den Windabweiser hochgeschoben, es kehrt Ruhe ein, das Interieur wird zur sturmfreien Bude. Eine ganze Bandbreite von insgesamt fünf Rundinstrumenten tut sich vor dem Fahrer auf, teils analog, teils digital, ein schöner Mix aus Tradition und Moderne.

Zur Moderne gehören auch die vorausschauende Geschwindigkeitsregelung "InnoDrive" inklusive Abstandsregeltempostat sowie der programmierbare Smartlift: Mithilfe der GPS-Daten speichert er regelmäßig befahrene Problemstellen wie Schweller ab, hebt - wenn sie erreicht werden - die Bodenfreiheit automatisch und vorübergehend um vier Zentimeter an, um zu verhindern, dass der Frontspoiler unschön ruiniert wird.

Preislich gleichauf mit dem Cabrio

Mit 125.247 Euro beziehungsweise 140.327 Euro kosten Targa 4 und Targa 4S exakt so viel wie die entsprechenden Cabrio-Versionen. Wir stellen den wohl schönsten 911er in Zuffenhausen ab und verabschieden uns von ihm - wohlwissend, dass ihn nur Gutsituierte zu ihrem ständigen Begleiter machen können.

Ulla Ellmer

Porsche 911 Targa in Kürze: Wann er kommt: Kann bereits bestellt werden, Auslieferung ab Mitte September

Wen er ins Visier nimmt: Für das Targa-Konzept gibt es keinen unmittelbaren Konkurrenten

Was ihn antreibt: Dreizylinder-Sechszylinder-Boxer-Benziner mit 283 kW/385 PS (Targa 4) bzw. 331 kW/450 PS (Targa 4S)

Was er kostet: 125.247 Euro (Targa 4) bzw. 140.327 Euro (Targa 4S)

Porsche 911 Targa: So schön kann schnell sein