Frauen

Alexandra Popp im Interview: "Jetzt hat Bayern noch mehr Druck"

Vor dem Topspiel in Wolfsburg am Sonntag

Popp im Interview: "Jetzt hat Bayern noch mehr Druck"

Hofft, am Sonntag spielen zu können: Alexandra Popp.

Hofft, am Sonntag spielen zu können: Alexandra Popp. imago images

Lange Zeit standen die Chancen des VfL Wolfsburg nicht gut, seinen Meistertitel zu verteidigen. Zu souverän zog der FC Bayern an der Tabellenspitze seine Kreise. Zuletzt schwächelten die Münchnerinnen aber, unterlagen in der Bundesliga Hoffenheim, schieden gegen Wolfsburg im Pokal aus und in der Champions League gegen Chelsea. Wolfsburg wittert drei Spieltage vor Saisonende seine Titelchance im direkten Duell am Sonntag, muss aber gewinnen, um an den Bayern vorbeizuziehen.

Frau Popp, Sie waren zuletzt angeschlagen. Wie ist der aktuelle Stand, können Sie gegen Bayern auflaufen?

Es ist alles noch in Arbeit, und ich hoffe, dass ich am Sonntag spielen kann. Ich habe eine Überlastung. Meine Oberschenkelmuskulatur ist zu fest und lässt nicht locker.

Haben Sie am Sonntag das Halbfinale der Bayern bei Chelsea gesehen?

Ja, und es hat mich an unsere Spiele gegen Chelsea im Viertelfinale erinnert. Bayern war grundsätzlich besser, so wie wir auch. Aber es gelang ihnen nicht, den Ball über die Linie zu drücken. Und Chelsea ist dann brutal effektiv. Die Bayern hätten auch gewinnen können. Es ist bitter für sie.

Haben die Spiele gegen Chelsea gezeigt, dass die Bundesliga sich nicht verstecken muss?

Nee, wir müssen uns nicht verstecken. Wenn man sich nur die nackten Zahlen anguckt, sind die Ergebnisse eindeutig. Normalerweise hätten aber sowohl wir als auch Bayern gegen Chelsea weiterkommen müssen. Das ist unglaublich ärgerlich! Klar ist: Wir müssen weiter dranbleiben. Chelsea hat uns und Bayern nun wahrlich nicht zerstört.

Chelsea hat uns und Bayern nun wahrlich nicht zerstört.

Hat Ihnen das Bayern-Spiel neue Erkenntnisse für Sonntag geliefert?

Die Bayern haben mit einem anderen System gespielt als im Hinspiel. Mal gucken, wie sie gegen uns agieren. Um ihre Qualität wissen wir ja. Wenn wir unsere Marschroute durchziehen, bin ich sehr guter Dinge, dass wir erfolgreich sein werden.

So wie Anfang April im Pokal-Halbfinale?

Genau. Wir müssen mit der gleichen Körpersprache und Aggressivität zu Werke gehen. Ich bin gespannt, wie die Bayern mit der Niederlage gegen Chelsea umgehen. Jetzt hat Bayern noch mehr Druck nach der unglaublich konstanten Saison, die das Team vorher gespielt hat. Sie stehen mehr in der Pflicht als wir. Eigentlich können wir am Sonntag nur gewinnen.

Eine mögliche Wachablösung im deutschen Frauenfußball war in den vergangenen Monaten immer wieder ein Thema. Motiviert Sie das zusätzlich?

Ja, klar! Wir wollen zeigen, dass es keine Wachablösung gibt. Das wäre auch nicht so, wenn Bayern in diesem Jahr Meister wird. Aber Bayern hat gut gearbeitet, und bei uns wird es einen großen Umbruch geben mit vielen neuen Spielerinnen und einem neuen Trainerteam. Ich bin guter Dinge, es kommen Spielerinnen zu uns, die den nächsten Schritt gehen wollen. Es wird anders und spannend. Darauf habe ich richtig Lust!

Der VfL Wolfsburg steht seit Monaten auf Platz 2, lange Zeit fünf Punkte, aktuell zwei hinter den Bayern. Haben Sie immer damit gerechnet, noch mal eine reelle Chance auf den Titel zu bekommen?

Wir haben immer auf unsere Chance gewartet. Auch im Wissen, dass im Frühjahr viele englische Wochen auf dem Programm stehen. Damit gehen die Mannschaften auch unterschiedlich um, und wir wussten, dass es Bayern in diesen intensiven Wochen auch noch mit sehr starken Gegnern zu tun hat. Da waren wir in diesem Jahr schon im Vorteil. Und wir sind immer drangeblieben, haben unsere Spiele gewonnen. Jetzt haben wir eine gute Ausgangsposition.

Hoffen Sie darauf, dass die Bayern noch müde und enttäuscht sind?

Ja, das ist nicht auszuschließen. Es war ja ein sehr intensives Spiel für sie. Und das Mentale ist ja auch wichtig. In den vergangenen Wochen haben sie von drei möglichen Titeloptionen zwei verspielt, und hinzu kommt in der Bundesliga die Niederlage gegen Hoffenheim.

Hat der VfL seine Souveränität verloren?

Ja, unsere Saison läuft nicht so souverän wie in den Jahren zuvor. Ich glaube, das liegt daran, dass wir im Sommer keine richtige Pause hatten, keine Möglichkeit, mal durchzuatmen und mental zu regenerieren. Aber eine schlechte Saison ist es auch nicht. Dennoch: Es gab nicht so viele klare Ergebnisse. Aber die sind auch nicht immer notwendig, um am Ende oben zu stehen.

Hilft die Spannung an der Tabellenspitze der Frauen-Bundesliga beim Kampf um Aufmerksamkeit?

Grundsätzlich schon. Wünschenswert wäre aber, dass kontinuierlich noch ein dritter oder vierter Verein dazukäme.

Wer gewinnt am Sonntag?

Ich hoffe doch, dass wir das sein werden!

Und wie viele Titel holen Sie?

Wenn wir am Sonntag gewinnen: zwei.

Interview: Gunnar Meggers