Regionalliga

Ponomarev und der KFC: Welche Rolle spielte die Avio GmbH?

Der Verkauf an armenische Investoren platzte

Ponomarevs Rückzug vom KFC Uerdingen: Welche Rolle spielte die Avio GmbH?

Er wirft in Uerdingen noch immer Fragen auf: Mikhail Ponomarev.

Er wirft in Uerdingen noch immer Fragen auf: Mikhail Ponomarev. imago images

Der Verkauf von Ponomarevs Anteilen am damaligen Drittligisten KFC Uerdingen an die armenische Noah-Gruppe im vergangenen Frühjahr wirft weiter Fragen auf. Der russische Investor hatte nach rund fünf Jahren und dem Aufstieg von der Oberliga bis in die 3. Liga angekündigt, seine Anteile an der hochverschuldeten Spielbetriebs-GmbH abzugeben. Doch wie ernst war das Interesse der Armenier wirklich an dem Klub, der bereits im Insolvenzverfahren steckte? Laut Insolvenzbericht war ein Vertrag geschlossen worden mit der Avio GmbH in Wien.

Warum Avio und nicht Noah? Das ist eine relevante Frage. Der KFC-Insolvenzverwalter rechnete die GmbH der Noah-Gruppe zu. Gegründet allerdings wurde Avio von einer Bulgarin, die keine öffentlich nachvollziehbaren Verbindungen zur Noah-Gruppe aufweist. Die Dame ist alleinige Geschäftsführerin und Gesellschafterin. Eine E-Mail-Adresse oder Telefonnummer der Firma scheint nicht zu existieren. Der Geschäftsführer einer an derselben Adresse gemeldeten Firma erklärt sich bereit, Fragen an die Bulgarin weiterzuleiten, doch eine Rückmeldung bleibt aus. Dabei wären Antworten höchst spannend, etwa auf die Frage, ob hinter der Avio GmbH wirklich die Noah-Gruppe und Roman Gevorkyan, der sich mehrfach beim KFC als möglicher Ponomarev-Nachfolger gezeigt hat, stecken? Weder die Bulgarin noch die Armenier antworten darauf.

Weitere Anhaltspunkte verstärken den Eindruck, dass die Avio GmbH nichts mit der Noah-Gruppe zu tun hat. Denn die armenischen Investoren achten penibel genau auf die Namensgebung im Sinne ihrer Marke. Ihr Investment beim italienischen Viertligisten AC Noah Siena etwa führen sie über die Unternehmen "Noah Investments Holding SRL" und die "ACN Siena 1904 SSD". Zudem haben sie in Guildford im Vereinigten Königreich die "Noah Football Group Ltd." gegründet.

Erneuter Abstieg in die Oberliga droht

Warum also ausgerechnet in Deutschland über eine Firma mit anderslautendem Namen investieren? Auch die Chronologie erhärtet den Verdacht: Die Keimzelle der Investitionen der Noah-Gruppe ist der FC Noah Jerewan in Armenien, der offiziell am 26. Juli 2019 gegründet wurde, die Firmen in Italien und England wurden allesamt später eingetragen. Nur die Avio GmbH existierte schon vorher, und zwar seit dem 26. September 2018. Darauf aufmerksam gemacht, schreibt Ponomarev, er glaube, dass die Armenier eine dafür geeignete Bestandsgesellschaft genutzt hätten.

Doch wie hätte die Avio GmbH die Investition in Deutschland überhaupt stemmen wollen bei einer Bilanzsumme von gerade einmal 10.984,31 Euro zum 31. Dezember 2020? Fakt ist: Der Deal platzte, dem KFC wurde trotz des sportlichen Klassenerhalts die Drittligalizenz verweigert, weil die neuen Geldgeber eine Sicherheitsleistung verweigerten. Inzwischen ist die GmbH liquidiert, der eingetragene Verein (e.V.) steht in der Regionalliga vor dem erneuten Abstieg in die Oberliga.

Lesen Sie vollständige Geschichte über den Verkauf des KFC Uerdingen und die Rolle Ponomarevs in Krefeld im gedruckten kicker (Montagausgabe) oder bereits am Sonntagabend im eMagazine.

BH/jim