Bundesliga

Polters Weigerung ist moralisch äußerst fragwürdig

Kommentar von kicker-Reporter Andreas Hunzinger

Polters Weigerung ist moralisch äußerst fragwürdig

Verlässt Union als Aufstiegsheld mit einem gehörigen Makel: Sebastian Polter.

Verlässt Union als Aufstiegsheld mit einem gehörigen Makel: Sebastian Polter. imago images

Viereinhalb Jahre hat Sebastian Polter insgesamt beim 1.FC Union Berlin zugebracht. In dieser Zeit hat der bullige Angreifer für die Eisernen in der 1. und der 2. Bundesliga 104 Partien bestritten, in denen er 46 Tore erzielte. Das ist eine sehr respektable Quote, und nicht nur deshalb hat sich Polter bei Union auch den Status des Publikumslieblings erworben. Der Stürmer war beliebt, weil er neben Toren auch stets vollen Einsatz brachte, sich zudem volksnah gab und Union Berlin als Herzenssache bezeichnete.

Nun ist Polters Zeit als Stürmer bei den Eisernen vorbei. Zumindest wird er nicht mehr für Union spielen, sein inklusive Nachspielzeit 20-minütiger Einsatz am vergangenen Freitag im Derby bei Hertha BSC war sein letzter. Union hat Polter am Donnerstag vom Spielbetrieb freigestellt, weil er sich gegenüber Mitspielern, Trainern, Betreuern, Management und den Mitarbeitern des Vereins nicht solidarisch gezeigt haben und das in der Corona-Krise vom Team beschlossene Modell des Gehaltsverzichts der Profis nicht mitgetragen haben soll.

Auf dem Platz konnte man Polter nie etwas vorwerfen, abseits des Fußballfeldes erweckte er zuletzt bisweilen den Eindruck, als stünden persönliche Interessen bei ihm obenan. So beklagte er im Februar in einem Interview, dass er sich nicht gebührend wertgeschätzt fühle, und kündigte seinen Abschied von Union an.

Verbindung zu den Werten des Arbeiterklubs und seiner Anhängerschaft?

Mag der Frust über die - seines Erachtens ungerechtfertigte - sportliche Nebenrolle, die er unter Trainer Urs Fischer spielte, nachvollziehbar sein. Eine Verweigerung gegenüber einem Solidarmodell des - wenn auch freiwilligen - Gehaltsverzichts ist in diesen Zeiten, da Solidarität in der Gesellschaft mehr denn je gefragt ist, moralisch äußerst fragwürdig. Gerade, weil Polter mit manch großer Geste und manch pathetischem Wort seine Verbindung zu den Werten des Arbeiterklubs aus Berlin-Köpenick und seiner Anhängerschaft kundtat.

Polter hätte Union im Sommer hoch erhobenen Hauptes verlassen und als Identifikationsfigur in bester Erinnerung bleiben können. Nun geht er als Aufstiegs- und Derby-Held - aber auch mit einem deutlichen Makel.