Bundesliga

Polizei fordert Spielverbote

Fußball will nicht für Polizeieinsätze aufkommen

Polizei fordert Spielverbote

Polizeieinsatz beim Fußball: Die Politik will Vereine und Verbände nun zur Kasse bitten.

Polizeieinsatz beim Fußball: Die Politik will Vereine und Verbände nun zur Kasse bitten. imago

Für 12,5 Millionen Euro wurde um den Tagungsort 15 Kilometer vor Rostock ein Zaun mit Stacheldraht, Bewegungsmeldern und Kameraüberwachung errichtet, insgesamt kostete der Gipfel mehr als 100 Millionen Euro. Kein Mensch wäre auf die verrückte Idee gekommen, dass diese Kosten für die Sicherheit der Politiker von den Parteien statt vom Steuerzahler hätten getragen werden müssen.

"Musterpolizeiverordnung Fußball"

Die im Juni so geschützten Politiker wollen nun den Fußball nach Ausschreitungen von Hooligans für Polizeieinsätze zur Kasse bitten. Das Innenministerium in Sachsen, das vor einiger Zeit gerade die Zuschüsse für Fanprojekte um 150000 Euro gekürzt hat, erarbeitet momentan eine "Musterpolizeiverordnung Fußball". Rainer Wendt, Vorsitzender der Deutschen Polizeigesellschaft, fordert sogar ein Verbot von Fußballspielen: "Städte und Kommunen müssen in Zukunft das Recht haben, Fußballspiele zu verbieten, bei denen mit gewalttätigen Ausschreitungen zwischen Anhängern der konkurrierenden Klubs zu rechnen ist. Davon sollten sie auch Gebrauch machen, damit den Vereinen endlich klar wird, dass die Polizei nicht länger für ihre Versäumnisse herhalten kann."

Der neue DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach sagte am Wochenende gegenüber dem kicker: "Wenn wir in diesem Land dahin kommen, dass jeder Veranstalter Sicherheit durch die Polizei erkaufen muss, dann Gute Nacht Deutschland!" Der DFB-Sicherheitsbeauftragte Helmut Spahn weist die Forderungen von Politik und Polizei scharf zurück: "Es ist völlig deplatziert und fahrlässig, den Eindruck erwecken zu wollen, dass bei gewalttätigen Ausschreitungen die Versäumnisse dafür auf Seiten der Vereine liegen und die Polizei dafür herhalten muss."

Die Diskussion ist neu entflammt durch die schweren Krawalle beim Landesligaspiel Dynamo Dresden II gegen Lok Leipzig vor einer Woche. Am Dresdner Hauptbahnhof waren Polizisten von Vermummten mit Steinen beworfen worden. 1300 Polizisten waren im Einsatz, 229 Personen wurden in Gewahrsam genommen, es gab ein Dutzend Verletzte. Zwei Krawallmacher wurden am Donnerstag in Haft genommen.

"Wenn sich an einem Bahnhof oder Flughafen oder in der Innenstadt Wirrköpfe zusammenrotten, fällt das nicht in die Verantwortung von Verband oder Verein", behauptet Niersbach. Deren Verantwortung sieht er für die "Ordnung und Sicherheit in den Stadien". Dafür habe der Verband während der WM 2006 etwa 40 Millionen Euro investiert, so Niersbach, der Vizepräsident des WM-OK war.

460 Millionen Euro Steuern pro Jahr

In einem indirekten Zusammenhang erwähnt Niersbach auch andere Transferleistungen des Fußballs wie Steuern in Höhe von 100 Millionen bei der WM 2006, etwa 500000 Euro, die jede Stadt bei der Ausrichtung eines Länderspiels vom DFB erhält, oder das aktuelle Steueraufkommen der 36 Lizenzvereine mit zuletzt 460 Millionen Euro im Jahr. "Alle Weltmeisterschaften in Deutschland werden mit Steuergeldern subventioniert, mit Ausnahme des Fußballs. Die Fußball-WM hat Geld in die Staatskasse gespült." Selbst bei Länderspielen im Ausland nimmt der DFB Ordnungskräfte mit, zahlte dafür beim Englandspiel in London am 22. August etwa 25000 Euro.

Die Liga investiert zudem im Zusammenspiel mit Ländern und Kommunen pro Jahr drei Millionen Euro in Fanprojekte. Dazu kommen Investitionen und Subventionen der 36 Klubs für ihre Fans in ihren eigenen Bereichen in etwa der gleichen Größenordnung.

Liga: Keine Doppelbesteuerung

Auch deshalb weist der Fußball Forderungen zurück, für die Polizeieinsätze aufkommen zu müssen. Das käme in den Augen der Liga einer Doppelbesteuerung gleich.

"Der DFB hat mehrfach betont, dass bei diesem diffizilen Thema keinerlei einseitige Schuldzuweisungen hilfreich sind, sondern hier alle aufgefordert sind, sich im Kampf gegen ein negatives Phänomen in unserer Gesellschaft zu engagieren", sagt Spahn, der einst Chef des Spezialeinsatzkommandos (SEK) der Frankfurter Polizei war.

Rainer Franzke