Int. Fußball

Nach den Ausschreitungen bei AS Saint-Etienne: Eine Bilanz

Über 30 Verletzte nach Abstieg

Polizei-Eskorte und Verletzte in Saint-Etienne: Erste Bilanz nach den Ausschreitungen

Unwürdige Szenen nach dem Abstieg: Chaoten stürmen das Spielfeld.

Unwürdige Szenen nach dem Abstieg: Chaoten stürmen das Spielfeld. AFP via Getty Images

Während die Spieler mit ihren letzten Kräften unverletzt in die Katakomben flüchten konnten, trugen andere Blessuren davon. Am Tag nach der Krawallnacht in Stade Geoffroy-Guichard meldete die Loire-Präfektur insgesamt über 30 Leichtverletzte: 17 Fans sowie 14 Polizisten und zwei Gäste-Profis von AJ Auxerre. Videobilder aus dem Stadion verdeutlichten, dass nur pures Glück weit schlimmere Folgen des indiskutablen Gewaltausbruchs verhinderte. Zahlreiche Bengalos wurden teils mitten in die Menge abgefeuert, teils auch auf die noch mit Fans gefüllten Zuschauerränge.

St. Etienne kündigt rechtliche Schritte an

Relegation in Frankreich

Der Klub distanzierte sich in einer Stellungnahme von den Ausschreitungen seines Anhangs und unternahm den Versuch einer Entschuldigung. "Gäste unseres Stadions sind Gewalttätigkeiten ausgesetzt und erniedrigt worden. Wir verurteilen diese Aktionen aufs Schärfste und werden die notwendigen juristischen Schritte einleiten", hieß es in der Erklärung.

Die ohnehin gereizte Stimmung eskalierte, nachdem das Relegationsspiel gegen Auxerre mit 4:5 im Elfmeterschießen verloren ging und damit der Absturz in die Zweitklassigkeit besiegelt war.

Als Gäste-Kapitän Birama Toure den letzten Elfmeter verwandelt hatte, brach ein Platzsturm los. Laut Angaben des Vereins seien insgesamt 500 Ordnungskräfte vor Ort gewesen, doch die waren binnen weniger Sekunden überfordert. Rauchschwaden und Tränengas waberten durch die Arena.

Gäste-Fans und Spieler erst nach Mitternacht aus Stadion eskortiert

Die Auseinandersetzungen gingen laut der Zeitung "Le Figaro" vor dem Stadion weiter. Erst durch den erneuten Einsatz von Tränengas und einem Wasserwerfer sei die Situation demnach unter Kontrolle gebracht worden. Erst nach Mitternacht konnten die 1154 Auxerre-Fans und die Spieler per Polizeieskorte das Stadion verlassen.

Die Ligue 1 wurde zuletzt immer wieder von schweren Ausschreitungen erschüttert (Eine Chronologie des Chaos). Selbst das Champions-League-Finale zwischen Real Madrid und Liverpool ging am Wochenende nicht ohne Zwischenfälle über die Bühne (Chaos am Stade de France: Für die UEFA ist die Verantwortung "schwer greifbar").

Toulouse und Ajaccio steigen auf

Zuletzt war St. Etienne vor 18 Jahren in die Zweitklassigkeit abgestürzt. Relegationsspiele werden in Frankreich erst seit der Saison 2017/2018 ausgetragen. Erstmals setzte sich diesmal mit Auxerre der Zweitligist durch. Direkte Aufsteiger aus der Ligue 2 sind der FC Toulouse und AC Ajaccio.

Seine besten Zeiten erlebte der Klub in den 1970er-Jahren mit vier Meistertiteln binnen sechs Jahren. Zum letzten nationalen Titel 1981 wurden "Les Verts" vom späteren UEFA-Präsidenten und Europameister von 1984, Michel Platini, geführt. Größter internationaler Erfolg war 1976 der Einzug ins Finale des Europapokals der Landesmeister (0:1 in Glasgow gegen Bayern München).

tru