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Plötzlich Weltmeister - 'Mo' schreibt Sommermärchen

Ein Rückblick

Plötzlich Weltmeister - 'Mo' schreibt Sommermärchen

Mohammed Harkous' Markenzeichen ist sein breites Grinsen. Wir blicken auf die bisherige Karriere des Weltmeisters.

Mohammed Harkous' Markenzeichen ist sein breites Grinsen. Wir blicken auf die bisherige Karriere des Weltmeisters. FIFA via Getty Images

Abpfiff im Millennum Dome in London. Tatsächlich, Deutschland ist FIFA-Weltmeister. Nach den Schellhase-Zwillingen hat es endlich wieder ein deutscher Spieler geschafft, den WM-Titel zu gewinnen. Dabei hatte den Profi vom SV Werder Bremen anfangs kaum einer auf der Rechnung. Eine komfortable Situation für den neuen Weltmeister Mohammed Harkous. Denn als Underdog begann auch seine Karriere.

Ein Talent, das man formen musste

Anfang 2016 spielt sich Mohammed Harkous noch unter der Flagge von SK Gaming, zum ersten Mal ins Rampenlicht der deutschen FIFA-Szene. Schon damals hat der stets gut gelaunte 'MoAuba' große Ambitionen, wie er uns im Interview erzählt und keine Angst vor großen Namen. In der ESL Meisterschaft erreicht er das, was viele von ihm erwarten, er gewinnt locker die Finals und steht als Meister im Rampenlicht. Der damals 19-Jährige "wollte in Deutschland ein Zeichen setzen" und das gelingt ihm auch. Kurz darauf wird er zum begehrtesten Spieler der Szene. Die türkische Organisation Team Imperial, zu der Harkous kurz vorher gewechselt war, kann den Senkrechtstarter nicht lange halten. Andere Organisationen aus Deutschland sind an dem jungen FIFA-Spieler interessiert.

Im ersten Anlauf holt 'MoAuba' im Mai 2016 die ESL Meisterschaft

Im ersten Anlauf holt 'MoAuba' im Mai 2016 die ESL Meisterschaft. kicker eSport

Ein Genie steht sich selbst im Weg

Mohammed Harkous spielt gutes FIFA, dominiert die deutsche Szene mehrere Monate lang und kommt dennoch schwer weiter, vor allem international. Hinzu hört man immer wieder vereinzelt aus der Szene, dass er sich selbst im Weg stehe. Zu "verplant und unorganisiert" sei das junge Talent. Nach einigem hin und her mit Organisationen, hält ihn Team Expert lange Zeit, hier findet auch der erste Umbruch statt. Mit der Agentur STARK wendet sich das Blatt. Das "verplante" FIFA-Talent bekommt Strukturen und einen Vertrag beim Bundesligisten Werder Bremen, die den Newcomer im Juli 2018 von Team Expert zu sich holten. Der bis dahin größte Meilenstein von 'MoAuba'. Mit der Vereinsumgebung kommt auch mehr Disziplin, woran seine ständige Begleitung und Freundin ebenfalls einen großen Anteil hat, wie er auch des Öfteren erwähnt. Das Umfeld stimmt, die Erfolge ebenfalls.

Bittners Dominanz zwingt 'MoAuba' in die zweite Reihe

Mit der Verpflichtung von Michael 'MegaBit' Bittner, der von Bochum an die Weser wechselt, kommt zu Werder nicht nur ein Teamkollege für Mohammed Harkous, sondern auch sein größter Konkurrent, wenn es um die Titel geht. Das dieses Duo die deutsche FIFA-Szene zukünftig dominieren wird, kann man damals nur erahnen. Das Potenzial scheint unerschöpflich. Dennoch wirkt 'MoAuba' etwas gebremst von der Übermacht des Teamkollegen. 'MegaBit' ist nun der Bessere im eSport-Kader von Werder. Zusammen holen sie die Virtual Bundesliga Club Championship und werden für die deutsche Nationalmannschaft beim eNations Cup nominiert. Die Ernennung zum Nationalspieler wird allerdings kein großer Erfolg. Als Team scheiden sie in der Gruppenphase aus, was den Tiefpunkt des bis dahin glanzvollen Aufstiegs markiert. Kurz darauf müssen die beiden im Finale der Virtual Bundesliga Einzel-Meisterschaft gegeneinander antreten und 'MoAuba' verliert gegen seinen Teamkollegen. Eine Vizemeisterschaft genau zur rechten Zeit. Denn bei 'MoAuba' findet erneut ein Umdenken statt. "Ich muss wieder gut spielen", sagt er uns im Interview. In den sozialen Netzwerken wird der 22-Jährige ruhiger.

Der neue 'MoAuba'

Obwohl 'MoAuba' zum Ende von FIFA 19 von einem Formtief begleitet wird, schafft er als Weltranglistenfünfte die Qualifikation für die Global Series Playoffs in Berlin. Hier scheidet er gegen den ewigen Rivalen vom FC Basel aus: Nicolas 'nicolas99fc' Villalba. Gegen den Argentinier hatte der Deutsche bisher selten ein Gegenmittel gefunden. Durch das Erreichen des Viertelfinales in Berlin war die WM-Teilnahme in London jedoch sicher, und was 'MoAuba' da ablieferte, hatte man in dieser Konstanz nur zu seinen Karriereanfängen gesehen.

Bremer Ekstase: Der Weltmeistercoup von 'MoAuba' in Bildern

Bis zu diesem Zeitpunkt wirkte das Spiel des Deutschen für die Weltelite oftmals zu leicht ausrechenbar. Vor allem in der Abwehr hatte es 'MoAuba' des Öfteren schwer, aber wer die großen Meisterschaften holen will, der muss auch die Defensive beherrschen. Eine Tatsache, die sich 'MoAuba' für dieses Turnier offenbar zu Herzen nahm, denn so konzentriert, abwartend und gedankenschnell sah man ihn selten in dieser Saison. So gelingt ihm in London sogar der Sieg im Halbfinale gegen 'nicolas99fc - Fluch bezwungen, jetzt war alles möglich. Und eigentlich hatte 'MoAuba' es ab diesem Punkt schon allen gezeigt - Kritikern, Zweiflern, aber auch den Menschen, die immer an seiner Seite waren. Vizeweltmeister, unglaublich. Dass Finale gegen Titelverteidiger Mosaad 'Msdossary' Aldossary hatten viele mit einer klaren Rollenverteilung an den Spieler aus Saudi-Arabien schon abgegeben.

Mit Matthias 'Stylo' Hietsch an seiner Seite spielte 'MoAuba' aber, getreu des Zuspruchs von Hietsch, genauso immer weiter. Es wurde nicht nachgelassen, im Gegenteil. Harkous dominierte den bis dahin klaren Titelfavoriten. War bis zuletzt konzentriert und dann Abpfiff, ungläubiges Staunen. Weltmeister Mohammed Harkous. Dabei wollte er doch "nur ein bisschen Geld abholen, seiner Mutter neue Schuhe kaufen und dann weiter chillen". Schuhe sollte sich seine Mutter nun einige kaufen können, denn ihr Sohn geht als Weltmeister mit 250.000 US-Dollar Preisgeld aus dem Turnier. Viel größer dürfte aber die Freunde über den Erfolg an sich sein und die Erkenntnis, dass 'MoAuba' etwas für die Ewigkeit geschaffen hat.

Nicole Lange