Bundesliga

Pikante Umstände: Hoffenheim vor Chaves-Deal

Leihe nach Viseu

Pikante Umstände: Hoffenheim vor Chaves-Deal

Im Visier der TSG Hoffenheim: Arthur Chaves.

Im Visier der TSG Hoffenheim: Arthur Chaves. picture alliance / ZUMAPRESS.com

Über den bevorstehenden Transfer, für den nach kicker-Information nur noch Details zu klären sind, berichteten zuerst brasilianische Medien und spekulierten im gleichen Zuge über eine Ausleihe zu einem anderen, europäischen Verein, um Spielpraxis zu sammeln: Academico de Viseu FC.

An diesem portugiesischen Zweitligisten hält seit Sommer 2021 die Hobra, eine Investmentfirma, die dem TSG-Geldgeber Dietmar Hopp und dessen Intimus Mariano Maroto Lopez gehört, die Mehrheit. Mit Übernahme der Hobra kamen plötzlich auffällig viele Talente der Mannheimer Beratungsagentur Rogon nach Viseu, mit deren Gründer Roger Wittmann Hopp eine Freundschaft verbindet.

Die Bande zur Agentur sorgten bereits vor Jahren für Wellen im Kraichgau, damals gab es gar eine Informationsveranstaltung für Vereinsmitglieder mit Hopp und Wittmann, um die Kritik zu entschärfen. Die TSG hatte diverse Talente aus Südamerika verpflichtet, dabei spielte auch die Rechteverwertungsgesellschaft Transfair eine Rolle. Zu jenem Zeitpunkt waren Drittbeteiligungen, sogenannte TPO-Geschäfte, noch erlaubt. Profis wie Felipe Pires, Bruno Nazario, Guilherme Biteco, Junior Ponce oder Luis Advincula wurden zig-mal hin- und herverliehen, den Bundesliga-Durchbruch schafften sie nie.

Zur Wahrheit gehört aber auch: Die von Rogon beratenen Joelinton und Roberto Firmino, eine Personalie, in die die Transfair involviert war, avancierten zu Verkaufsschlagern. Auch für Rogon dürften es gute Geschäfte gewesen sein. So war für den rund 45 Millionen Euro schweren Joelinton-Transfer nach Newcastle die RRC Sports GmbH, deren Co-Geschäftsführer Wittmann ist, ausweislich der Vermittlerregister von DFB und englischer FA gleich dreimal mandatiert worden: Von der TSG, dem Spieler und Newcastle United.

Chaves kostet rund zwei Millionen Euro

Was das alles mit dem 21-jährigen Chaves, der rund zwei Millionen Euro kostet, zu tun hat? Nun, nur 90 Kilometer nördlich von Florianopolis, wo sein aktueller Arbeitgeber Avai FC sitzt, hat die Hobra erst vor zwei Jahren einen Verein übernommen: den Barra Futebol Clube in Balneario Camboriu. Ein Klub, der von Personen und Firmen aus dem Rogon-Umfeld erst 2013 aus der Taufe gehoben wurde und dessen kurze Transferhistorie den Eindruck erweckt, als Umgehungsmodell für die 2015 von der FIFA verbotene TPO-Praxis fungiert zu haben.

Alte Bande also neu aufgelegt, diesmal nur - was sportlich betrachtet Sinn ergibt - institutionalisiert, weil über die Hobra gleich ganze Klubs übernommen werden, ähnlich dem Modell "Red Bull". Ob Rogon oder die RRC in den Chaves-Deal involviert sind, beantwortete die Agentur bis dato auf Anfrage nicht.

Benni Hofmann

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